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Dozenten und Studenten der TH Darmstadt einig:


01.10.1982 - 

Computergrafik an der Hochschule ist ein Fortschritt

Gemessen an der Ausstattung führender Technischer Hochschulen oder Großforschungseinrichtungen der Bundesrepublik war das Hochschulrechenzentrum (HRZ) der TH Darmstadt einst führend im DV-Bereich. "Da aber in den deutschen Hochschulen von einer zehnjährigen Nutzung der Rechenanlagen ausgegangen wird, ist die Technische Hochschule Darmstadt verglichen mit anderen bundesdeutschen Hochschulrechenzentren auf einem hinteren Platz gelandet", erläutert der Direktor des HRZ, Dr.-Ing. Michael Taeschner, im jüngsten Jahresbericht. Daß man mit verhältnismäßig geringen Investitionen trotzdem optimale Ergebnisse erzielen kann, wurde den Benutzern des Hochschulrechenzentrums nach der Einführung des Softwarepakets "Disspla" von Issco Graphics klar: Sie konnten nicht nur auf zahlreiche aufwendige Tests von Zeichenprogrammen verzichten, das Programm entlastete auch die Plotter. Dz Hochschul-RZ bietet seine Dienste auch außerhalb der TH jedermann an.

Rund 14000 Studenten sind an der Technischen Hochschule Darmstadt immatrikuliert, etwa 400 waren im Jahre 1981 aktive Benutzer des Rechenzentrums. Die Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter machten noch regeren Gebrauch von den Annehmlichkleiten moderner EDV-Anlagen: Laut Jahresbericht bedienten sich knapp 600 Wissenschaftler des Rechenzentrums.

Genaugenommen steht das Rechenzentrum jedoch nicht nur der TH Darmstadt zur Verfügung, sondern ist ein mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft errichtetes regionales Rechenzentrum für die hessischen Universitäten und Fachhochschulen. Auch Großfirmen können bei Bedarf auf die Kapazitäten des HRZ zurückgreifen - ein Angebot, von dem bereits mehrere Unternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet Gebrauch machen.

Am Anfang war Eigenbau

Elektronische Datenverarbeitung hat in der TH Darmstadt eine lange Geschichte: 1956 nahm der erste Rechner in den alten Universitätsgebäuden im Stadtzentrum seinen Betrieb auf - ein Eigenbau!

Die weitere Entwicklung ging in rasantem Tempo voran: 1973 konnte bereits der dritte IBM-Großrechner angeschlossen werden, eine /370-168. Damals war dies der größte in Europa installierte IBM-Rechner.

Dazu verfügt das Rechenzentrum im Kernbereich der TH in der Darmstädter Innenstadt und im Campus am Stadtrand (Lichtwiese) über weitere Rechner zum Beispiel von Digital Equipment, Typ VAX 11/780. In den verschiedenen Fachbereichen der Universität stehen dazu weitere Anlagen: Die Informatiker verfügen über ein Siemens-System, und die Maschinenbauer nennen eine 1050 von Digital Equipment ihr eigen.

An diese Rechner sind zur Zeit etwa 300 Terminals angeschlossen. Mit weiteren Steigerungen wird gerechnet. So geht die Deutsche Forschungsgemeinschaft in einem unlängst veröffentlichten Bericht davon aus, daß spätestens 1990 jeder Student aus den Naturwissenschaften über ein eigenes Terminal im Zimmer verfügt.

Benutzt werden diese Anlagen überwiegend für Forschung und Lehre. Daneben wird auch die Studentenverwaltung vollständig im eigenen Rechenzentrum abgewickelt.

Eine kaum weniger lange Geschichte hat auch die Computergrafik in dieser Universität: Seit 1968 gibt es einige mehr oder minder zufriedenstellende selbstgeschriebene Grafikprogramme, bis man sich zum Kauf des Disspla-Paketes entschloß.

Im Dezember 1979 - so erinnerte sich Norbert Hahn, kam ein Mitarbeiter von Issco aus San Diego mit einem Magnetband im Köfferchen nach Darmstadt. Zu installieren hatte er das Programm allerdings nicht: Dafür sorgten die HRZ-Mitarbeiter selbst. Im Februar 1980 ging die Issco-Software auf dem IBM-Rechner erstmals in Produktion.

Die Reaktionen der Benutzer auf dieses Programm waren selbst für die EDV-Experten der TH überraschend. Kein Wunder also, daß unser Gesprächspartner Norbert Hahn, wissenschaftlicher Mitarbeiter der TH und im Hochschulrechenzentrum zuständig für Computergrafik, Disspla im Februar 1982 auch auf dem Rechner von Digital Equipment installierte.

Entscheidung leichtgemacht

Schließlich wollte man auch das Dialog-Paket "Tell-a-graf" ein Computergrafik-System für Endbenutzer, im Hochschulrechenzentrum einführen. Durch die Sparmaßnahmen im Hochschulbereich scheiterte dieses Projekt bisher, obwohl dieses Dialog-Paket von Issco bereits zur Probe auf einem Hochschulrechner implementiert war.

Als vor nunmehr über vier Jahren die Entscheidung für den Ankauf eines leistungsfähigen Computergrafikprogramms gefallen war, stellten die DV-Verantwortlichen der Darmstädter TH folgende Bedingungen: Das Programm mußte völlig unabhängig von Betriebssystemen und Rechnern sein. Eine ebensolche Unabhängigkeit wurde auf der Ausgabeseite (Geräteseite) verlangt.

Daher wurde zur Ausschreibung in einem "Pflichtenheft" all das aufgelistet, was das System an "Können" zu bieten hatte. Schließlich legte man auch großen Wert auf eine regelmäßige Softwarewartung. Damit schieden gleich alle Programme aus, die andere Universitäten bereits erstellt hatten: Sie wurden zwar kostenlos, aber ohne jede Wartung abgegeben.

"Es ist heute noch alles andere als selbstverständlich, daß Programme regelmäßig gewartet und auf mögliche Fehler überprüft werden", merkt Norbert Hahn dazu an.

Damals neu in Europa

Viele Referenzen in Europa konnte Issco in der Angebotsphase 1978 nicht vorweisen. Die EDV-Mitarbeiter der TH Darmstadt haben sich bei verschiedenen Treffen der europäischen IBM-Benutzervereinigung "SEAS" von der Leistungsfähigkeit des Disspla-Programmes überzeugen lassen, weil Issco damals noch vorwiegend auf IBM installiert war.

Regelmäßig zeigten andere Teilnehmer vielbewunderte Farbdias von Computergrafik, die fast ausnahmslos auf Disspla erstellt waren. Auch heute macht Norbert Hahn gerne vom Issco-slide-service Gebrauch. Binnen weniger Tage erhält er seine Farbdias aus den USA.

Den Ausschlag zu der Entscheidung für Issco gab ein Vergleichstest verschiedener Grafikprogramme, der in der amerikanischen Fachzeitschrift "ACM-Sig-Groph" vom Juni 1978 veröffentlicht wurde.

Nur Komplimente hat Norbert Hahn für die Bedienerschulung auf Lager. Nach der Installation und einigen Probeläufen überließen die Issco-Vertreter der Uni-Mannschaft das Programm zunächst für vier Wochen zum Selbststudium.

Dann folgte ein zweitägiger Kurs, in dem auch die inzwischen aufgetretenen Fragen geklärt wurden. Wegen der großen Benutzerfluktuation bietet die Universität regelmäßig weitere Kurse an.

Bereut hat man die Entscheidung nicht. Die Einweisung war gut, die Installation ebensowie die Anlaufphase unproblematisch, und die Benutzer sind von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Computergrafik allesamt begeistert.

Wen wundert's da, daß selbst die Theologen mittlerweile mit farbigen Bildern aus dem Computer arbeiten. Die größten Einsatzgebiete liegen allerdings in anderen Fachbereichen: Bei den Ingenieuren beispielsweise. Die Chemiker erstellen dreidimensionale Molekülmodelle als Grafiken, die Topografen Landkarten, die Meteorologen Wetterkarten und Diagramme. Einzig die Business-Grafik wird im Hochschulrechenzentrum wenig genutzt.

"Das System eröffnete uns nicht nur ungeahnte neue Möglichkeiten, da unsere selbstgeschriebenen Programme allenfalls 15 Prozent des Disspla-Inhalts abdeckten. Wir konnten auch auf den Neukauf eines weiteren Plotters verzichten, da durch den starken Rückgang von Testläufen die vorhandenen drei Plotter entlastet wurden", rechnet Norbert Hahn vor. Und dieser Plotter hätte die Universität doppelt soviel gekostet wie das Programm.

Getestet wird dafür heute schon an den Grafikbildschirmen. Für die Mitarbeiter des Rechenzentrums ist das eine enorme Erleichterung.

Um die Durchlaufzeiten von der Eingabe der Daten in die Terminals bis zum Vorliegen der fertigen Plots noch weiter zu verkürzen, setzt man in Darmstadt jetzt auf "Tell-a-graf". Bisher sind zur Bewältigung der Papierberge drei Großplotter im Rechenzentrum aufgebaut, die in zwei Schichten - selbst am Wochenende - betrieben werden.

Während des Semesters erzeugen die Rechenzentrumsbenutzer darauf 15000 Plots pro Woche, in den Semesterferien immerhin noch 5000 Stück. Innerhalb eines halben Tages wird den Benutzern heute die Vorlage der Plots garantiert - die Fahrzeit zu abseits gelegenen Instituten eingeschlossen.

Und was soll die Zukunft bringen? Wunsch ist natürlich immer noch die Installation von "Tell-a-graf". Norbert Hahn ist da allerdings durchaus realistisch: "Obwohl wir unseren Benutzern mit der Computergrafik im Dialog einen wesentlich höheren Komfort bieten könnten, müssen wir uns damit wohl noch gedulden...

* Enno Remmers ist Journalist und Mitarbeiter der PRW-Unternehmensberatung GmbH, Kördorf/Taunus. Copyright: Foto Enno Remmers