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09.10.1992

Computergrafiken inspirieren Fotografen und Schriftsteller

BASEL (CW) - Die Zeit der einschläfernden Analyse endloser Daten-Listings ist lange vorbei - neuerdings gilt das auch für die isolierte, Betrachtung DV-aufbereiteter bildlicher Information. Der befreite Blick fällt auf eine multimediale Realität, die zu vielfältigen Assoziationen verfuhren kann. Eine Veröffentlichung des Birkhäuser Verlags in Basel gibt dafür ein Beispiel.

19 Fotografen und 24 Schriftsteller - unter ihnen so illustre wie Ernst Augustin, Max von der Grün, Günter Kunert, Josef Reding oder Herbert Rosendorfer - ließen sich von computergenerierten und ästhetisch bearbeiteten Motiven aus Mathematik und physikalischer Chemie zu eigenem Schaffen inspirieren.

Entstanden sind, "Verknüpfungen" (so auch der Titel der Neuerscheinung von Herausgeber Horst-Joachim Hoffmann), die spannungsreich, manchmal tiefgründig, aber auch amüsant beschwingt die Phantasie anregen und Freude bereiten sollen.

Den Wissenschaftlern Benno Hess, Mario Markus, Stefan C Müller und Theo Plesser vom Max-Planck-Institut Dortmund Bewährte die Arbeit mit dem Computer neue Forschungserkenntnisse, Laien bewundern die Ästhetik der dabei entstandenen faszinierenden Motive.

Jede wissenschaftliche Grafik dieses aufwendig gestalteten Bild- und Textbandes ist die Visualisierung einer langen Kolonne von etwa 200 000 Zahlenwerten. Die Zahlen eines solchen Datensatzes drücken die räumliche Verteilung der Konzentration einer chemischen Substanz aus, die in einem Experiment an der Ausbildung eines Musters beteiligt ist.

Sie werden aus den Aufnahmen einer Videokamera gewonnen. Über eine Präzisionsoptik mißt die Kamera die Modulation eines Lichtfeldes, nachdem es durch eine chemische Reaktionslösung, in der sich das Muster entwickelt, hindurchgetreten ist.

Das Meßsignal wird digital in einem Computer abgespeichert. Eine ausgeklügelte Software macht es nun möglich, die riesigen Datensätze nach entsprechender Aufbereitung durch den Computer auf einem hochauflösenden Bildschirm darzustellen und zur Dokumentation abzufotografieren oder farbig auszudrucken.

Das Programm bietet dem Wissenschaftler optimale Interaktion. Für eine weitgehende Datenanalyse kann er sehr effizient einzelne Datengruppen durch unterschiedliche Farben differenzieren oder unter einem beliebigen Blickwinkel im Datenraum anschauen. Er kann solange visuell in den Daten herumspazieren, bis er Motive gefunden hat, die ihm Einsichten in die Mechanismen der Musterbildung gestatten.

Für die beteiligten Künstler galt bei ihrer Bearbeitung der wissenschaftlichen Motive die Freiheit des Schaffens, und so umfaßt das Buch eine breite Palette fotografischer Techniken und schriftstellerischer Gattungen - vom Liebesgedicht über Essay und Kurzgeschichte bis hin zum Dramolett.

Die nebenstehende Story "Raupe im Computer" ist ein solches beispielhaftes Ensemble aus kreativ bearbeiteter wissenschaftlicher Vorlage, frei assoziiertem künstlerischem Foto und Text. Das vorliegende Buch zeigt, daß Kunst und Wissenschaft verknüpfbar sind und dem Betrachter neue, faszinierende Welten öffnen.

Horst-Joachim Hoffmann (Hrsg.), Verknüpfungen - Chaos und Ordnung inspirieren künstlerische Fotografie und Literatur. 180 Seiten mit zirka 84 Farb- und 24 Schwarzweiß-Abbildungen, gebunden, Birkhäuser Verlag Basel 1992, 78 Mark.