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19.03.1976

Computerleistung für Herrn Jedermann

19.03.1976

Prof. Dr. H. L. Müller-Lutz, Mitglied des Vorstands der Allianz-Versicherungs AG, München

System bedeutet die Zusammenfassung verschiedener Einheiten zur logischen Zusammenarbeit. Wir sprechen von Bündnissystemen, vom Sozialversicherungssystem, von Computersystemen. Computerorientierte Informationssysteme sind ein besonders aktuelles Thema. Technik, Handel, Industrie und Landwirtschaft benötigen sie ebenso wie Wissenschaft und Forschung zur Erfassung des Erfaßbaren. Auch der Staat denkt an den systematischen Auf- und Ausbau von Informationssystemen. So hat Bundesforschungsminister Matthöfer vor einigen Monaten erklärt, man wolle ein engmaschiges Informationsnetz entwickeln, in dessen Rahmen Datenbänke verknüpft werden sollen, die alle vorhandenen Erkenntnisse und Fakten für die Lösung wissenschaftlicher, wirtschaftlicher, technischer, politischer und sozialer Aufgaben enthalten. Man hat sogar bereits Vorstellungen über die Zahl der Teil-Informationssysteme, in denen die Dokumentations-Aktivitäten zu größeren Einheiten zusammengefaßt, werden sollen. Es geht u. a. um folgende Bereiche: Medizin, Biologie, Sport, Ernährung, Land- und Forstwirtschaft, Chemie, Energie, Physik, Mathematik, Elektrotechnik, Maschinenbau, Verkehr, Bauwesen, Recht, Bildung, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften, Auslandskunde. Interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit ist vorgesehen.

Ein solcher riesiger Datenverbund ist theoretisch möglich. Wenn man an die technologischen und programmäßigen Schwierigkeiten, an die finanziellen und personellen Engpässe denkt und berücksichtigt, daß im Augenblick die bedeutendsten partiellen Informationssysteme noch sehr zu wünschen übriglassen, dann wird es aber noch sehr langte dauern, bis derartige Pläne in Angriff genommen werden können, von einer Verwirklichung gar nicht zu reden.

Gegenwärtig gibt es in der Bundesrepublik neben 200 Informations- und Dokumentationsstellen, die weitgehend unabhängig voneinander entstanden, entsprechend verschieden organisiert und überwiegend auf eng begrenzte Bereiche spezialisiert sind, etwa 1000 Teilinformationssysteme in privaten Betrieben und öffentlichen Verwaltungen, die als solche angesprochen werden können. Sie sind aus der Praxis für die Praxis entwickelt worden, um Zeit und Kosten zu sparen, Ohne das sprunghafte Vordringen der elektronischen Datenverarbeitung in den letzten beiden Jahrzehnten wäre das nicht möglich gewesen.

Raum-Schiffahrt und Atomphysik, die Entwicklung des Luftverkehrs oder des Fernsehens, um nur einige Beispiele zu nennen, haben zwar in der Öffentlichkeit größeres Interesse gefunden. Die elektronische Datenverarbeitung steht jedoch ebenbürtig zur Seite, wobei man nicht vergessen darf, daß auch zur Bewältigung der technisch-wirtschaftlichen Probleme dieser Spitzenentwicklungen der umfassende Einsatz elektronische Datenverarbeitung die elektronische Datenverarbeitung Voraussetzung war.

Die elektronische Datenverarbeitung ist eine der größten Industrien geworden. Ihre Produkte haben die Wirtschaft- und Gewerbezweige, in denen sie angewendet werden, in ihrer Struktur weitgehend beeinflußt und dort Entwicklungen möglich gemacht, die ohne elektronische Datenverarbeitung nicht möglich wären. Der Prozeß, der damit begann, daß man Rechengeräte erfand, die die Raketengeschosse des 2. Weltkrieges während des Fluges mit Kontrollrechnungen lenken konnten, hat eine Entwicklung ausgelöst, im Rahmen derer die Ergebnisse der Elektronik zu wirtschaftlichen Umwälzungen führen.

Der Computer leistet aber auch praktische Arbeit; er ermöglicht über den direkten Zugriff dem Alltagsbenutzer, die in der Datenbank gespeicherten Informationen zu verwerten. Während lange Zeit nur Fachleute Zwiesprache mit dem System halten konnten, kann jetzt jeder direkt Auskunft erhalten, meist in schriftlicher und allgemein leserlicher, in Anfängen auch schon in sprachlicher Form. Datenverarbeitung für alle und für alles ist die Parole. Der Endbenutzer kann den Dialog mit dem Computer führen. Die Information verläßt das Papier.

Damit ist schon angedeutet, wie sich der Computer, das größte und beste Hilfsmittel der Rationalisierung, das wir je gehabt haben, weiter entwickelt. Er zielt in die Jedermannsrichtung. Die Sturm- und Drangzeit ist ebenso vorüber wie die Pionierzeit. Die Generationen werden nicht mehr in Jahresfristen aufeinanderfolgen. Die Computerzentraleinheiten werden nicht nur die Experten aus Wissenschaft und Verwaltung bedienen, sondern alle.

Wesentlich größere Speicherkapazitäten, leistungsfähigere Multi-Processing-Systeme sind dazu notwendig, ohne daß sich an den Grundprinzipien noch Entscheiden des ändert.; Besondere Veränderungen ergeben sich bei den peripheren Geräten. Erst die Entwicklung von einfachen und preiswerten, in großen Serien hergestellten Ein- und Ausgabeeinheiten machen die Computersysteme benutzerfreundlich.

Der Weg geht vom Computer-Terminal zum Terminal-Computer. Es ist der Weg zum Arbeitsplatz im Betrieb oder zum Leseplatz zu Hause. Schon heute wird in einer Reihe von Bürobetrieben mit computerunterstützter Sachbearbeitung im Bildschirmdialog praktiziert, was in einigen Jahren jedem Bürger möglich sein wird.