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30.10.1992

Computerlose Computermessen Dieter Eckbauer

Jahrelang saßen die deutschen Messemacher auf dem hohen Roß. Der Systec-Dämpfer könnte durchaus positive Folgen haben, wenn die Messeverantwortlichen jetzt den Mut zur Selbstkritik aufbringen. Dieses Resümee, das Gespür für den Markt unterstellt, hat einen Nachteil: Es wurde nach Beendigung der vorletzten Systec gezogen (CW Nr. 44 vom 2. November 1990: "Eine Messewoche, die Klarheit schaffte"). In der CW-Kolumne hieß es weiter: "Bei Marzin (Chef der Münchener Messe- und Ausstellungsgesellschaft, Anm. d. Red.), klingt es, mit Verlaub gesagt, noch nicht so." Daß dem nach dem Systec-Flop '92 nichts hinzuzufügen ist, macht die Aufgabe für den Messebeobachter nicht leichter. Hat die Systec eine Zukunft? Marzins Mitstreiter Gerd vom Hövel, der für die High-Tech-Messen in München verantwortlich ist, will sich nicht zu Panikreaktionen verleiten lassen, etwa die Systec künftig mit der Systems zu verschmelzen. Er hält vielmehr eine langfristig angelegte Strategie für geboten.

An den Tatsachen kommt auch vom Hövel nicht vorbei: Weniger Aussteller ließen die Systec schrumpfen, der Besuch ging um ein Viertel zurück - schwer vorstellbar, daß die Ausstellerfirmen weiter stillhalten. Der Mißerfolg hat viele Väter. Gewiß wurde die Systec von der allgemeinen Konjunktur nicht gerade begünstigt. Doch das kann keine Ausrede sein. So stieß das Messekonzept, gleichsam "CIM pur" zu veranstalten und die Business-Anwendungen auszugrenzen, bei den großen DV-Anbietern auf wenig Gegenliebe. Die Systec scheiterte aber auch an ihrem Anspruch, ein High-Tech-Forum von internationaler Bedeutung zu sein. Ein MAP-Stand macht noch kein Weltzentrum für C-Technik.

Gravierender ist jedoch, daß offenbar keine Einigkeit über die Zielgruppe besteht. Für wen wird die Systec gemacht, wer sollte diese Messe besuchen? Damit ist auch die Frage "Fachmesse oder Publikumsmesse?" gestellt. Für die Veranstalter soll die Systec ausdrücklich keine Computermesse sein, auf DV-Spezialisten hat man es nicht abgesehen. Wunschbesucher ist der mittelständische Unternehmer, der sich über C-Techniken informieren will. Doch immer weniger Interessenten (siehe Besucherrückgang) lassen sich auf das Ratespiel ein.

Messe Marketing muß eben mehr sein als der Versuch von Meinungsmache, die gottlob so DV naiven deutschen Unternehmer, im PR-Jargon: Entscheider, sollten sich gefälligst an Lösungen orientieren, wenn sie die Technik schon nicht verstehen. Dieser Versuch, das weiß auch Systec-Boß vom Hövel, ist gescheitert. Ein Systec-Konzept, das dieser Vorstellung entspringt, hat keine Zukunft - nicht schade drum. Ach ja, da gab es noch die Orgatec. In diesem Fall ist klar: keine Computermesse, alles für's Büro. Freuen wir uns auf die CeBIT.