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38 Prozent der Mitarbeiter vor der Entlassung

Computerpionier Wang sucht Schutz unter Chapter eleven

28.08.1992

MÜNCHEN (hp) - Wegen hoher Verluste und der ausbleibenden Finanzspritze von IBM (siehe CW Nr. 34 vom 21. - August 1992, Seite 1) hat die Wang Laboratories Inc. Schutz vor ihren Gläubigern unter "Chapter eleven" gesucht. Gleichzeitig will Wang die Belegschaft von derzeit 13 000 auf 8000 Mitarbeiter reduzieren. Einige Wang-Anwender fehlen sich inzwischen wie auf der Jungfernfahrt der Titanic.

Bei einem leicht rückläufigen Umsatz - 1991/92 wurden rund 1,9 Milliarden Dollar erwirtschaftet im Vergleich zu 2,1 Milliarden im Vorjahr - schloß der VS-Hersteller mit einer Negativbilanz von 139 Millionen Dollar (1991: 385 Millionen) ab. Auch in Deutschland schreibt Wang rote Zahlen. Laut Geschäftsführer Horst Enzelmüller mußte die deutsche Niederlassung bei einem Umsatz von rund 180 Millionen Mark einen Verlust in "kleiner zweistelliger Millionenhöhe" hinnehmen.

Welche Auswirkungen Wangs Gang vor das Konkursgericht auf die deutsche Tochter hat beziehungsweise wie viele Mitarbeiter hier entlassen werden, ist noch nicht abzusehen. "Es wäre aber naiv anzunehmen, daß sich diese Vorgänge nicht auf die deutsche Wang auswirken werden", erklärt Enzelmüller. In Deutschland wie in den USA werde Wang verstärkt auf die Bereiche Software und Service setzen. Welche Rolle dabei die proprietäre Hardware spielt, bleibt ungewiß. "Die VS hat sicher eine Zukunft. Wie lange die allerdings dauern wird, kann niemand sagen", kommentiert der deutsche Wang-Geschäftsführer.

Viele Kunden erschreckt die Nachricht vom allmählichen Wang-Rückzug aus dem Hardwaregeschäft. "Die meisten Anwender nehmen von ihrer VS mit Tränen Abschied. Es ist zwar ein schöner Rechner, aber er paßt vom Preis-Leistungs-Verhältnis und seinem proprietären Aufbau nicht mehr in unsere Zeit", berichtet Norbert Balke, Bereichsleiter Migration bei Banksoft Systems in Düsseldorf.

Die deutschen Anwender, schon durch die letzten verlustreichen Wang-Jahre leidgeprüft, haben die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, daß der DV-Hersteller einen Ausweg aus der Misere findet. "Wir fühlen uns wie auf dem Achterdeck der Titanic. Wir glauben zwar nicht alles, was der Kapitän erzählt, aber wir hoffen trotzdem, daß er recht behält", charakterisiert Martin Glückmann vom Wang User Group e. V. die Stimmung. Ansonsten hätten sich bereits die meisten Anwender damit abgefunden, daß es die VS früher oder später nicht mehr geben wird und schon mögliche Alternativen ins Auge gefaßt.

Wangs Plan, sich auf das Software- und Servicegeschäft zu konzentrieren, stößt bei vielen auf Kritik. Schuld daran sind zum einen die Versäumnisse der Vergangenheit vor allem im Unix-Bereich. So ist die RS/6000-Version von Pace noch nicht auf dem Markt, obwohl es schon mehrmals angekündigt wurde.

Zum anderen stößt der rasche Wandel vom Hardwarehersteller zum Serviceanbieter auf Ablehnung. "Ich halte Wangs Strategie, auf diese Art verlorenes Terrain wieder gut zu machen, für sehr fragwürdig. Keiner wird einen früheren Hardwarehersteller als Berater akzeptieren", erklärt Joachim Haessler, Geschäftsführer der Haessler Software GmbH in Schömberg. Hinzu komme, daß Wang durch hohe Fluktuation die besten Mitarbeiter verloren habe. Auch die jetzt geplanten Entlassungen hält er für höchst bedenklich: "Wangs Niederlassungen in Europa sind in erster Linie Serviceorganisationen. Wenn sie hier nochmals den Personalbestand reduzieren, ist das Selbstmord."