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IBM stellt Verwertungskonzept für Altgeräte vor


29.06.1990 - 

Computerschrott eignet sich unter anderem für den Straßenbau

STUTTGART (CW) - Auf einer Pressekonferenz in Stuttgart stellte die IBM Deutschland GmbH ihr unternehmenseigenes Verwertungskonzept für Altgeräte vor. Demnach will der Computerriese die alten Maschinen aus eigener Herstellung zur Verwertung zurücknehmen. Für die Rücknahme berechnet Big Blue pro Gerät Beträge zwischen 50 und 4200 Mark.

"Dieses Angebot", so der Unternehmensbevollmächtigte für Umweltschutz, Hartmut Rhotert, "ist Teil der umfassenden Umweltschutzstrategie, die sich IBM verordnet hat." Mit dem Rücknahmeangebot wolle das Unternehmen dazu beitragen, daß die gesamte IBM-Hardware nach dem Stand des technisch Möglichen verwertet werde.

Für die Abwicklung der Rücknahme ist Hans J. Horstmann, Leiter des Bereiches Materialwirtschaft und Warenverkehr, verantwortlich. Er betonte, daß IBM seit Jahren die geleaste Hardware wieder verwertet habe. Nun biete man dieses Verfahren auch den Kunden an. Man habe die Produktpalette der rund 1100 Maschinentypen in sieben Produktkategorien aufgeteilt, wobei Gewicht und Transportaufwand die wichtigsten Beurteilungskriterien seien.

Auf die Frage, warum man diesen Service nicht kostenlos anbiete, erklärte Horstmann: "Dann werden wir zur Müllhalde Europas." Voriges Jahr betrug der IBM-Computerschrott in Deutschland nach den Aussagen des Logistik-Leiters 1400 Tonnen und in diesem Jahr rechne man mit 2000 Tonnen.

Nach den Erkenntnissen von Professor Jan Schmitt-Tegge, Direktor im Umweltbundesamt in Berlin, fallen in der Bundesrepublik jährlich etwa 7500 Tonnen Computerbestandteile und insgesamt 100 000 Tonnen Elektronikteile an, die aufgrund ihres Werkstoff-Gehaltes zur Verwertung geeignet sind.

Bei IBM beträgt der Anteil wiederverwendbarer Teile aus rücklaufender Hardware etwa fünf Prozent, der Recycling-Grad für die im Computerbau eingesetzten Stoffe liegt bei rund 83 Prozent, so Hartmut Rhotert. Ohne ein großtechnisches Verfahren zum

Recycling von Bildröhren läßt sich dieser Prozentsatz nach Auffassung von Matthias Raith, Geschäftsführer der Geopro, Gesellschaft für entsorgungsorientierte Produkte mbH, kaum steigern.

Im einzelnen sieht das Geo-pro-Verfahren zur Computerverwertung, das im Auftrag von IBM erstellt wurde, folgende Schritte vor:

- Wiederverwendbare Teile und Komponenten kommen in die Produktion zurück. - Unternehmen aus der Branche der Edelmetallgewinnung oder auch Kupferhütten erhalten die edelmetallhaltigen Teile wie Boards, Platinen und Stekker zum Recyclen. In diesen Unternehmen erfolgt die Rückgewinnung von Edelmetallen, Kupfer, Nickel und Zink über metallurgische Verfahren. Die zurückbleibende Schlacke dient als Füllmaterial im Straßenbau. Zu deponierende Reststoffe entstehen nicht.

- Metallische Reste, etwa Stanzreste oder Kupfer- und Bronzebänder, die mit Edelmetall beschichtet sind, schmilzt man ein und gießt sie in Barren.

- Kunststoffhaltiges Material wird zerkleinert, homogenisiert und pyrolytisch getrennt. Die organischen Pyrolysegase verbrennen bei mehr als 1200 Grad Celsius im Abgassystem und lassen sich energetisch in den Pyrolyseprozeß zurückführen. Die metallischen Rückstände werden verwertbar gemacht. Dies erfolgt in den für die reinmetallischen Restprodukte beschriebenen Verfahren. Manuell vorsortierte Gehäuse und Bildschirme lassen sich zerkleinern und in die Stoffgruppen eisenhaltige Metalle, Nichteisen-Metalle sowie Kunstoffe und Glas auftrennen und, soweit wie möglich, zur Verhüttung weitergeben. Für die Entsorgung von Bildschirmröhren-Displays gibt es gegenwärtig keine Recyclingverfahren.

- Reststoffe, wie Öle, Fette, Batterien und Kondensatoren sind nach den geltenden Gesetzen und Vorschriften als behandlungbedürftig eingestuft und werden mit behördlicher Genehmigung behandelt und abgelagert.

Für die Zukunft forderte Schmitt-Tegge, den Hersteller über die Lebensdauer seiner Geräte hinaus in die Verantwortung einzubinden, denn: "Die Gefahr von Umweltschäden durch das Produkt ist wahrscheinlich nach Gebrauchsende sogar am größten, vor allem, wenn die Abfallentsorgung nicht optimal ist."