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24.05.1985

Computerspenden: Wissenschafts- oder Herstellerprofit?

Dr. Imai-Alexandra Roehreke Digital Equipment GmbH München

Was in den Vereinigten Staaten zum akademischen Alltag gehört, wird hierzulande nicht selten mit Skepsis oder gar Argwohn aufgenommen: Die Rede ist von Schenkungen (amerikanischer) Computerhersteller an deutsche Hohe Schulen.

Die unterschiedlichen Fakultäten just dieser Anstalten gehobenen Lernens müßte man bemühen, wollte man der Frage auf den Grund gehen, welche psychologischen, soziologischen, historischen oder philosophischen Gegebenheiten ihre Langzeitrolle spielen, wenn der Geist Humboldts durch das kollektive Unterbewußtsein weht.

"Amerika, du hast es besser als unser Kontinent, der alte", setzt ein deutscher Dichter mit Vornamen Johann Wolfgang dem Zeitgenossen Wilhelm von entgegen - gewiß nicht darauf gemünzt, aber zutreffend für das Miteinander-Umgehen von Wissenschaft und Wirtschaft an den amerikanischen Universitäten, wenn man sich denn einen Vers darauf machen will.

Tatsächlich scheint der Austausch von Meinungen, Methoden und Moneten den Professoren wie Studenten in den USA ebensowenig suspekt wie der beteiligten Wirtschaft und der Öffentlichkeit. Das hat den ganz realen Hintergrund, gegenseitigen Nutzen zu stiften, und zwar nicht nur, wenn es um die Grundlagenforschung geht. Sie macht das Problem nur besonders deutlich, denn die besagten Forschungsvorhaben verschlingen in aller Regel Milliardenbeträge und können selbst in einem wachstumsbegünstigten Industriezweig allenfalls vom Marktführer aufgebracht werden.

Gerade Computerfirmen sind indessen gezwungen, ihr "High-Tech-Label" ständig am Markt zu beweisen, wenn sie nicht Anteile an demselben verlieren und langfristig Gefahr laufen wollen, ganz aus dem Rennen zu scheiden. Staatliche Programme oder gar Subventionen sind da nicht angebracht, wenngleich sie ein wichtiger Bestandteil wissenschaftlicher Forschung sein können - man denke nur an die Investitionen der japanischen Regierung.

Amerikanische High-Tech-Ergebnisse scheinen hingegen nicht nur aus der "verwalteten" Forschung, sondern eher aus der "spontanen" wissenschaftlichen Tüftelei zu stammen. Die kann am besten im Umkreis akademischer Gewächshäuser ihre Blüten treiben. Und sie kann sich dort entfalten, wo von der Praxis diktierte Probleme in wissenschaftliche Fragestellungen gegossen und mit Unternehmergewinnen finanziert werden. Daß derzeit einige Pflanzen im Tal wieder eingehen oder mit der Gärtnerschere des Marktes zurechtgestutzt werden, ist kein Widerspruch.

Für die Studierenden an den Universitäten hat dieser Ansatz den Vorzug, daß er zumindest eine realistische Chance bietet, trotz hoher geistiger Ansprüche den Kontakt zur betrieblichen Praxis nicht völlig einzubüßen, um ihn nach abgeschlossenem Studium (auf Kosten der Unternehmen oder des Steuerzahlers), oft unter erheblichen persönlichen Frustrationen wieder aufzubauen.

Den Hochschullehrern wird nicht nur der Rückzug in den Elfenbeinturm erschwert. Forschungsvorhaben der Industrie vermögen die eigene Fakultät im Wettbewerb mit anderen Lehrstühlen und Hochschulen oft mehr in ihrem Forschungsdrang zu beflügeln, als das im freien Spiel der Kräfte und Gegengutachten in diesem Lande geschieht.

Für die Unternehmen eröffnet die Zusammenarbeit mit den Universitäten eine doppelte Chance. Zum einen können sie sich mit realisierbaren Beträgen in der Grundlagenforschung einkaufen und Forschungsprojekte in einem Umfeld ansiedeln, das den Zwängen des täglichen Geldverdienens entzogen ist. Zum anderen bietet ihnen der Campus ein Experimentierfeld für Neuentwicklungen, die bei laufendem Unternehmensbetrieb kaum getestet werden konnten. Dabei werden Erfahrungen gesammelt, die der Verbesserung der Produkte und ihrer späteren Vermarktung zugute kommen.

Situation und Strukturen der deutschen Hochschulen sind zwar grundsätzlich verschieden gegenüber denen der USA, weil es die privaten Universitäten hierzulande nicht gibt, an denen die beschriebenen Voraussetzungen anzutreffen sind. Vieles an gemeinsamer wissenschaftlicher Tätigkeit läßt sich dessenungeachtet auch im bundesdeutschen Rahmen angehen. Es nimmt daher nicht wunder daß die Töchter amerikanischer Computerhersteller den Austausch mit der Wissenschaft auch hierzulande suchen, immer öfter finden und nicht ohne erheblichen Mitteleinsatz pflegen.

Ein ganz wesentlicher Umstand dürfte indessen die deutsche akademische Szene noch immer von der amerikanischen unterscheiden; Das Klima für den entspannten Dialog zwischen Wissenschaft und Industrie muß sich erst langsam zur Großwetterlage entwickeln. Einige kleine Föhninseln lassen sich oft weit vom Alpenrand ausmachen, beispielsweise in Karlsruhe oder Berlin. Dort konnte DEC aus eigenem Hochschulengagement urteilen und die Erkenntnisse gewinnen, daß Innovatoren an Hochschulen wie in der Industrie sich noch leicht namentlich im Kopf speichern lassen.