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11.11.1994

Computerspezialisten lassen sich zu oft das Heft aus der Hand nehmen Nur offensives Denken bringt DV-Manager in den Vorstand

STUTTGART (hk) - Eine Erhebung der Stuttgarter Personalberatung Auxilium unter DV-Fuehrungskraeften zeigt, dass ein Grossteil der Befragten sich im selbstgewaehlten Spezialistendasein wohlfuehlt. Auxilium-Chef Berthold Trottnow dagegen verlangt von DV-Managern, ihre positionellen Ansprueche durchzusetzen.

Sie haben viele Gemeinsamkeiten - die Topmanager und die DV- Fuehrungskraefte. Von beiden wird ein hohes Mass an logischem Denk- und Abstraktionsvermoegen erwartet. Sie muessen des weiteren komplizierte Arbeitsablaeufe und Zusammenhaenge analysieren koennen und daraus strategische Entscheidungen ableiten. Weitere unverzichtbare Kriterien sind fuer beide: Risikobereitschaft, Entscheidungskraft und Stehvermoegen.

Der DV-Chef bringt demnach optimale persoenliche Voraussetzungen fuer die oberste Sprosse der Karriereleiter mit. Doch die Wirklichkeit sieht ganz anderes aus, meint Trottnow.

Bei der Suche nach Ursachen bemueht der Stuttgarter Headhunter zunaechst die Vergangenheit. Waehrend des Booms der 50er und 60er Jahre standen an der Unternehmensspitze Techniker und Ingenieure, die es verstehen mussten, grosse Serien kostenguenstig zu produzieren, um die staendig wachsende Nachfrage zu befriedigen.

Die 70er Jahre waren aufgrund der kuerzeren Konjunkturzyklen und neuen fernoestlichen Herausforderungen die Zeit der Vertriebsprofis, der Controller und Rationalisierer. In der 80er Dekade fand der Siegeszug des PCs statt mit der Folge, dass die Betriebe kaufmaennische und technische Abteilungen automatisierten.

Bei all diesen Entwicklungen, so Trottnows Schlussfolgerung, blieb der DV-Chef aussen vor. Schuld daran sei er nicht zuletzt selbst: Die Computerkarriere diene oft nur der Befriedigung der eigenen Eitelkeit, und die DV-Profis haetten vergessen, ihre Mitspracherechte anzumelden.

"Es gibt keine Berufsgruppe von vergleichbarer Wichtigkeit, die sich aehnlich arglos wie DV-Spezialisten das Heft aus der Hand nehmen laesst", behauptet der Personalberater. "Man stelle sich grosse Teile dieses Fachwissens gebuendelt und organisiert vor", so Trottnow weiter, und die Experten zusammengeschlossen zu Pressure- groups. Nicht auszudenken, welche Folgen Arbeitsauseinandersetzungen haben koennten: Rechner stuenden still, Gehaelter wuerden nicht ueberwiesen, Strafmandate nicht zugestellt.

Der Personalberater fordert von den DV-Managern "ein offensives Denken von neuer Qualitaet". Darunter versteht er, dass:

- die Datenverabeiter sich von den goldenen Zeiten verabschieden, in der ihre Abteilung noch "Spielwiese fuer High-Tech-hoerige Hobby- Hacker" war;

- DV-Chefs sich ueber ihre Bedeutung fuer organisatorische Strukturen und Ablaeufe klar werden und ihre positionellen Ansprueche durchsetzen;

- die DV mehr Mitspracherechte anmeldet, nicht nur bei der Einfuehrung von Anwendungsprogrammen, sondern auch bei komplexen unternehmerischen Fuehrungsentscheidungen.

Gefragt sei mehr denn je der konzeptionell denkende und kostenorientiert handelnde Informations- und Kommunikations- Manager, der nicht davor zurueckschreckt, seine eigene Abteilung schlanker zu organisieren. Der DV-Chef muesse sich als gleichberechtigter Teil des Managements verstehen, auch mit dem Nachteil, dass er seine Domaene "nicht mehr als Statussysmbol ansehen kann", resuemiert Trottnow.