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03.04.1987 - 

Das Lernprogramm bedarf der Überzeugungsarbeit

Computerunterstützter Unterricht macht Lehrkräfte nicht überflüssig, doch:

Mit Christoph Seidel, Erziehungswissenschaftler an der Fernuniversität Hagen, sprach CW-Redakteur Wolf-Dietrich Lorenz

- Der Computer hat längst Einzug gehalten in die Aus- und Weiterbildungsinstitute in den USA, England oder auch Frankreich. Während dort die Euphorie aufgrund der Lernerfolge mit dem Computer anhalt, steckt hiezzulande die Diskussion- über computeruntertützten Unterricht - oder auch CUU - noch in den Anfangen. Welche Begründung gibt es dafür?

Computerunterstützter Unterricht ist ein Kind des Behaviorismus, derjenigen Richtung innerhalb der Psychologie, die die Psychologie auf eine rein experimentelle empirische Basis stellen wollte. Diese Richtung der Psychologie und Lernpsychologie wurde in Amerika gegründet stieß aber im deutschen Sprachraum auf Ablehnung. Die deutsche Psychologie und auch Pädagogik ist nämlich stark ihren geisteswissenschaftlich-philosophischen Wurzeln verhaftet - denken Sie nur an den "Glaubenskrieg" um das Gymnasium hierzulande.

Einen weiteren Grund für die Zurückhaltung hierzulande sehe ich im Ende der ersten CW-Euphorie in den 70er Jahren. Damals trat diese Technik im Verein mit verschiedenen Medien an, um die Lehrer zu ersetzen. Die noch immensen Kosten zusammen mit dem einsetzenden Lehrerüberhang in Verbindung mit einer allgemein grassierenden Technikfeindlichkeit führten zu einer heftigen Ablehnung des CUU. Diese Ablehnung wirkt immer noch nach.

- Ein Werkzeug läßt sich nur dann sinnvon einsetzen, wenn Rahmen und Konzept dazu vorliegen. Was ist mit Blick auf den computerunterstützten Unterricht bei uns in Deutschland noch zu leisten?

Es wire zunächst wichtig, die in früheren Jahren gemachten Erfahrungen aus der Versenkung zu holen, damit man das Rad nicht wieder von neuem erfindet. Zum anderen sehe ich beispielsweise in Maßnahmen, wie sie der Bayerische Bildungsverein e.V. in München zur Qualifizierung von Lernprogramm-Autoren - früher wurden diese Leute schon mal "Didaktogrammierer" genannt - durchführt, einen richtungsweisenden Schritt. Ich könnte mir vorstellen, daß es eines Tages das Berufsbild des Lernprogrammautors gibt.

- Für welche Tätigkeitsfelder oder Branchen ist dieses Wezkzeug geeinet?

Zunächst für alle Bereiche, in denen Wissensvermittlung und Training angebracht sind; weiter lassen sich die Moglichkeiten der Simulation und des spielerischen Lernens noch gar nicht überblicken. Eine Einschränkung für bestimmte Branchen kann ich mir also nicht vorstellen.

- Welche Möglichkeiten bietet der computerunterstützte Unterricht gegenüber einem herkömmlichen Unterricht? Macht er die Lehrkraft überflüssig?

Dieser Unterricht ist vor allem da angebracht, wo in kurzer Zeit viele Menschen ein bestimmtes Wissensniveau haben müssen - ich denke dabei etwa an die Umstellung der Schalterdienste der Deutschen Bundespost auf EDV. Lehrkräfte werden nicht überflüssig werden, da jeder über Medien vermittelte Unterricht auch der Flankierung durch Lehrer bedarf.

- Welche Qualifikationen soll die Lehrkraft für einen computerunterstützten Unterricht aufweisen?

Sie braucht Kenntnisse der didaktischen Möglichkeiten eines programmierten Unterrichts und die Fähigkeit zur praktischen Umsetzung. Sie braucht präzise und aktuelle Fachkenntnisse im vorgesehenen Lerngebiet. Algorithmisches Denkvermögen ist ebenfalls erforderlich.

Die Lehrkraft soll über Kenntnisse in Autorensprachen und die Fähigkeit zu differenzierter Anwendung verfügen. Sie muß die Zusammenhänge zwischen Motivation und Lernerfolg sowie Fähigkeit zur Umsetzung dieser Kenntnisse kennen. Außerdem muß der Lehrer die Fähigkeit zur grafischen Darstellung von Sachverhalten haben, und er braucht Phantasie, Kreativität und Originalität sowie technisches Verständnis und ein konstruktives Problemlösungsverhalten.

- Welcher Markterfolg läßt sich für dieses neue Lernmedium prognostizieren?

Der Markterfolg laßt sich heute noch nicht überblicken; bei der betrieblichen Weiterbildung sehe ich beispielsweise ein weites Anwendungsfeld - inwieweit sich das auf außerbetriebliche Bereiche, etwa die berufliche Weiterbildung, auswirken wird, hängt unter anderem auch vom Qualitätsstandard der angebotenen Lernprogramme ab. Ein weiteres Anwendungsgebiet sehe ich in der öffentlichen Weiterbildung - hier wird erneut über die Einrichtung von Mediotheken nachzudenken sein.

- Welche Rolle will die Fernuniversität Hagen bei der Anwendung und Nutzung des computerunterstützten Unterrichts spielen?

Ich kann hier nicht für die ganze Fernuniversität Hagen sprechen. Ich sehe jedoch verschiedene Bereiche, in denen wir uns mit dem Gegenstand CUU befassen, wie etwa in der Lehre oder der beruflichen Weiterbildung, wo ein Kurs über CUU in Berufs- und Weiterbildung durchgeführt wird. Gerade das Fernstudium bietet beispielhafte Einsatzmöglich keiten für den computerunterstützten Unterricht - für die Fernuniversität eine große Herausforderung.