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13.03.1981 - 

perfekt auswärts: EDV-Englisch zum Mitreden

Computervokabeln kurzweilig verpackt und text-intern präsentiert

1. Kapitel

Wissen Sie, was "accotement non stabilisé" heißt? Oder "accotement non carrossable"? Oder "accotement instable" ?

Was soll´s, werden Sie sagen, das ist kein EDV-Englisch, sondern bestenfalls Baustellen-Französisch und zumindest solchen Bundesbürgern bekannt, die sich durch den schmerzlichen Umstand, daß ein Liter Superbenzin zwischen Metz und Marseilles glatt den Preisvergleich mit einer Flasche Beaujolais aushält, nicht von ihrer Urlaubstour de France abschrecken lassen.

Recht haben die Ferienmacher. Denn die Städte dort sind alt und prächtig, die Felder grün und weit, die Schlösser reich und nobel, die Menüs köstlich (und teuer), die Straßen gerade und verkehrsarm - kein Wunder bei der Rechnung an den Tankstellen . . .

Die französischen Straßen sind nicht allein deshalb so gut in Schuß, weil die Einwohner spärlich darauf rollen, sondern weil man etwas tut für den Asphalt. Man teert, walzt und befestigt beispielsweise den Randstreifen, der auf deutsch zumeist mit dem Gastronomiewort "Bankett´´ bezeichnet wird. Solange der Kies am Bankett lose rumliegt, soll man den Randstreifen nicht befahren. Das Risiko wird plakativ verkündet - eben mit dem Hinweis aufs unstabile "accotement". Nur: Die Straßenbehörden der Asterix-Nation verwenden für die Zustandsmeldung nicht etwa eine einzige dürre Formel; der Reichtum der französischen Sprache erlaubt breite Variation im Ausdruck. Geradezu umfassend sind die Bildungschancen für den ausländischen Automobilisten, der während der vorgeschriebenen 90-km-Geschwindigkeit kein Vokabular durch geruhsame Schilderlektüre aufbessern will. Was so ein simpler Randstreifen alles sein kann, á la française, füllt einen halben Larousse. Gleichwohl darf die lange Wörterliste für weiche Pisten nicht darüber hinwegtäuschen, daß stets dasselbe gemeint ist: Bleib´ weg vom Bankett!

Wer als Deutscher mit viel Ehrgeiz endlich gelernt hat, die handgeschriebenen Speisekarten der Gallier zu entziffern, den mag die Redundanz der Warntafeltexte befremden, zumal er sich aufgefordert fühlt, neue Begriffe aufzunehmen. Man weiß ja nie - es könnte auch plötzlich eine andere, weniger banale Information angeschrieben sein, die man dann übersieht, so vielleicht, daß die Fahrbahn infolge der Herbstmanöver vermint ist, oder daß die Brücke, die man gerade unter den Rädern hat, in der Flußmitte aufhört . . .

Soviel zur generellen Nützlichkeit von Sprachkenntnissen.

Wie sieht es hingegen mit der Verständigung auf dem Terrain der elektronischen Datenverarbeitung aus? Welche Wörter muß der Laie beherrschen, um sporadisch eine treffende Bemerkung machen zu können? Meist wird ja nicht verlangt, daß man sinnvoll mitredet (wozu angeblich Fachkenntnisse gehören). Oft genügen zur Teilnahme an der Computerdiskussion ein paar gut plazierte Termini: Wörter, die man sich im Vorbeigehen einprägt, ohne dabei mehr als zwei periphere Gehirnzellen zu strapazieren, denn des Basis-Chinesisch der EDV enthält sage und drucke drei Substantive, die jedermann parat hat: Hardware, Software, System. Daraus - und aus einigen Verbindungsvokabeln - besteht die Hälfte aller Aussagen im Bereich der Informatik.

Natürlich ist des "Basis-Chinesisch" kein Chinesisch, sondern Englisch - und beinahe schon Deutsch. Deshalb läßt sich die Bedeutung der drei Universalkürzel unschwer merken: Der Hardware-Begriff umfaßt alles, was als Gerätschaft die computerisierten Arbeitsräume garniert und Geld kostet. Software ist, was man nicht direkt sieht, was aber genauso viel (oder mehr) Kostenaufwand verursacht: die Programme mit allem Drum und Dran. System ist sowohl Hardware als auch Software als auch alles übrige, sei es konkret oder abstrakt, sofern das Gemeinte auf Elementen aufbaut, die untereinander in Wechselbeziehung treten, "Konnektivität aufweisen. Gibt es etwas in der Computerwelt, was nicht mit dem Etikett "System beklebt werden kann? Das herauszufinden erfordert semantische Handstände.

Apropos Semantik, die Lehre von der Wortbedeutung: Der Ausdruck "System" zeigt, wie ein sogenanntes Kofferwort funktioniert, das für viele Begriffsinhalte gilt, beziehungsweise geltend gemacht wird, wir haben es mit dem Umkehrbeispiel zur französischen Alarmnachricht für fahrverbotene Seitenstreifen zu tun, wo ein einziger Inhalt in vielen verschiedenen Prosastücken wiederkehrt. Das Kofferwort "System, mit deutsch oder englischem Akzent ausgesprochen, verpackt dagegen nahezu alles, was in der EDV-Szene denkbar ist: Zentraleinheiten, Terminals, Netzwerke, Betriebsabläufe, Management-Rezept, Schulungsstrategien, Organisationsschemata, Geschäftspolitik - und tausend vielschichtige Unklarheiten, die nach klassischer Philosophie und Logik in die flächendeckenden Begriffskategorien Substanz, Akzidenz und Relation passen. (Aristoteles läßt grüßen.)

So einfach ist es, beim EDV-Gespräch mitzuhalten?

Vorsicht! Der Schein trügt. Länger als drei Minuten kann der große Bluff, wenn ein Fachkundiger in der Nähe weilt, nicht überdauern. Denn: Erst die Feinheiten des Branchenjargons reflektieren das profunde Know-how. Andererseits wird im Bit- und Byte-Metier auf die betriebliche Praxis streckenweise ganz verzichtet - ohne schwere Folgen für den Unterhaltungswert des Themas. Hierin unterscheidet sich die EDV wesentlich von der Sexualaufklärung.

Weil die hochentwickelten Industriestaaten mangels rohstoffhaltiger Reich- und Scheichtümer allein auf ihren weiten Vorsprung an Super-Technologien angewiesen sind - ein Vorsprung der einen gewissen volkswirtschaftlichen Schutz in ungewisser Zukunft bietet -, gewinnt der Computer und das, was damit zusammenhängt, ständig an Bedeutung. Immer mehr Menschen bevölkern die Funktionsfelder der angewandten Informatik, immer mehr müssen sich auf Kooperation mit den Systemen einstellen. Darum ist es so dringlich, die Einsicht in die Vorgänge der EDV zu fördern und die Sprachbarrieren, die in allen beruflichen Hierarchie-Ebenen noch bestehen, nach und nach abzubauen.

Das ist im Umgang mit den Rechnern nicht so leicht wie zum Beispiel in der Drucktechnik, im Tiefbau oder im Sanitär- und Heizungswesen, wo die Kommunikation mit deutschem Fachvokabular auskommt. Den Zugang zur elektronischen Datenverarbeitung versperren zwei Hürden, denn die Meister von Mini und Memory reden nicht nur im organisatorischen Verwirr-Dialekt - sie verwenden zudem noch den amerikanischen Zungenschlag. Oder würden Sie einen Satz wie "Die Implementierung im Network erfordert zur effizienten Performance ein Upgrade der Konfiguration sowie ein Special-Training on the job für die im RZ beschäftigte Manpower" etwa für deutsch halten?

Bevor Sie angeekelt die Flinte ins Korn oder die Diskette in den Zentralprozessor werfen, überdenken Sie die Situation. Zugegeben, manche linguistischen Absonderungen des Experten-Klans hören sich schlimm an. Das elitäre Sperrfeuer sollte jedoch niemanden abschrecken, denn:

-Die englische Sprache gilt im deutschen Geschäftsleben seit langem als selbstverständliche Voraussetzung für eine Berufskarriere.

-Ein Großteil unserer Landsleute verfügt deshalb über Englischkenntnisse, die sich ohne Schwierigkeiten branchenspezifisch erweitern lassen.

-Das EDV-Englisch ist differenziert zu betrachten. Es zerfällt nämlich in einen wirklichen und in einen unwirklichen Teil. Der wirkliche Teil: Das sind das konkrete Hardware- und Software-Vokabular und die Instruktionswörter der Programmiersprachen. Der unwirkliche Teil besteht aus den Hohlwörtern ("buzz words"), pseudowissenschaftlichen Nichtsnutz-Begriffen aus der frühen "Management-by-Sowienoch"-Epoche.

-Wer schnell etwas hinzulernen und/oder in Management-Seminaren nicht als ungebildet auffallen will, für den bietet der gemischte EDV-Wortschatz, der in den nachfolgenden Kapiteln kompiliert ist, eine starke Hilfe. Englische Computerwörter und einschlägige Termini werden im Kontext von Problembeschreibungen verdeutlicht.

Damit wäre vorerst alles geklärt bis auf die leidige Frage, wieso man als peripherer Teilnehmer der Computerszene hier in der Bundesrepublik Oberhaupt und unbedingt das Extra-Englisch der Branche dazulernen soll, Können sich die Leute, die hierorts elektronische Organisation betreiben und dafür Geld kassieren, nicht eines deutschen Umgangstons befleißigen?

Bei der Bruderschaft der (im Wortsinne) "abseitigen" Bankettfahrer mag die Notwendigkeit randständiger Sprachkenntnis einzusehen sein. Denn wer nicht mitkriegt, daß ihn links und rechts des Weges mürber Schotter erwartet, rutscht wohlverdient in den Graben. Schließlich wurden die Warnschilder für den aufmerksamen Leser aufgepflanzt nach dem Motto: Hinweise schaden nie, belasten kaum - und nützen manchmal.

Aber muß jemand auswärts parlieren, der im Inland Rechner einsetzt?

Darauf gibt es eine abgestufte Antwort: Je nachdem, wie weit der betriebswirtschaftlich vorgebildete Nicht-Informatiker in den Computerbereich vordringen möchte, wird das Branchen-Englisch eine wichtige Rolle zum besseren Verständnis spielen. Das erklärt sich allein aus der Tatsache, daß die Programmiersprachen (Cobol, Fortran, Algol, Basic und alle anderen) englisches Vokabular verwenden und das der weitaus größte Teil der EDV-Literatur - von der wissenschaftlichen These bis zur Bedienungsanleitung für Druckerterminals - in der Muttersprache des Computers verfaßt ist. Hinzu kommt die steigende Bedeutung der internationalen Netzwerke und der damit verbundenen weltweiten Kommunikation, die im Regelfall auf dem Englischen basiert.

Die Analogie zum Flugverkehr drängt sich auf: Natürlich braucht der Passagier, der die Maschine in Frankfurt besteigt und in Hamburg wieder verläßt, kein Sterbenswort Englisch zu verstehen, um sein Ziel zu erreichen. Fliegt er aber nach New York, Kairo oder Tokio, dann sollte er in wohlverstandenem Eigeninteresse Ausdrücke wie "check-in", und "exit" und "flight number" lernen. Wer nun ganz und gar einen Job im "control tower" oder im "cockpit" anstrebt, kann mit deutsch allein nicht bestehen.

Ähnlich in der EDV: Vom Computer-Passagier wird nur mäßige Alphabetisierung im Fachgebiet gefordert, Operator, Programmierer, Systemanalytiker müssen hingegen viel mehr Extra-Englisch verstehen und anwenden. Organisatoren auf der Management-Ebene tun gut daran, ihre Sprachkenntnisse laufend zu ergänzen. Bei ihnen kommt es besonders darauf an, die datentechnische Nebenbedeutung bereits bekannter englischer Wörter aufzunehmen, und zwar in einem kontinuierlichen Lernprozeß für den es während eines Berufslebens keine zeitliche Begrenzung gibt. (Fortsetzung folgt)