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11.06.2007

Computex wird immer wichtiger

Die ersten Tage der 27. Computex in Taipei waren so verregnet, dass manche Besucher vorschlugen, sie mit einer Bootsschau zusammenzulegen. Dem Erfolg der zweitgrößten IT-Messe tat es aber keinen Abbruch. Zu den Topthemen gehörten Intels Bearlake und Windows Vista.

Von Klaus Hauptfleisch

Irgendwas haben die Messeplaner falsch gemacht: An die Wintereinbrüche kurz vor der CeBIT hat man sich genauso gewöhnt wie an die Regengüsse zur Computex, die sich in Taiwans Hauptstadt Taipei vom 5. bis 9. Juni 2007 zum 27. Mal jährte. Doch dieses Jahr hat der von den Chinesen "Meiyu", Pflaumenregen, genannte Frühsommermonsum besonders hart zugeschlagen. Allein an den ersten drei Tagen fielen 348 Liter Regen pro Quadratmeter. Aussteller und Besucher haben sich davon aber nicht die Stimmung vermiesen lassen, auch wenn manche von "Bootsschau" sprachen, andere wieder mal den Wunsch äußerten, die Termine der beiden größten IT-Messen CeBIT und der Computex einfach zu tauschen. Denn damit wäre hüben wie drüben halbwegs gutes Wetter garantiert.

2008 soll die Messe internationaler werden

Walter Yeh, Vice President vom Rat für Taiwans Außenhandelsentwicklung (TAITRA), einem der Veranstalter der Messe, berichtet von 33.000 ausländischen Besuchern, ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr, und 103.000 einheimischen Besuchern nach etwas mehr als 100.000 im vergangenen Jahr. Dabei lud Yeh für 2008 auch erstmals festlandchinesische Unternehmen ein, für die bisher wie auch für viele andere internationale Hersteller kein Platz war auf der Computex.

1.333 meist taiwanesische Firmen haben sich in den vier Hallen der Messe auf 2.926 Ständen getummelt. Eine neue Halle, 15 Bus-Minuten vom Messezentrum rund um das Taipei World Trade Center am Fuße des welthöchsten Hochhauses Taipei 101 entfernt, soll 2008 die Gesamtzahl der Stände auf 5.400 erhöhen. Yeh zufolge sind bereits über 500 Hersteller, viele davon auch aus dem Ausland, auf der Warteliste.

Die vollmundige Ankündigung, dass die Computex bald die CeBIT als wichtigste IT-Messe ablösen könnte, das mag zwar den Hannover-müden Taiwanesen schmeicheln, doch davon ist sie noch weit entfernt. Denn mit jetzt etwas mehr als 60.000 qm und ab 2008 zusätzlichen 47.000 qm bietet sie dann doch nur ein Drittel der Fläche der CeBIT, auch wenn jene 2007 zu etwa zehn Prozent nicht ausgelastet war. Mit einem geschätzten Einkaufsvolumen von bis zu 15 Milliarden Dollar (Vorjahr: 12,7 Milliarden Dollar) kann die Computex im ITK-Königreich, wie Taiwan sich gerne nennt, mit der CeBIT aber gut mithalten. Schließlich ist die Insel in vielen Produktbereichen immer noch führend.

Viele große Namen, aber BenQ fehlte

Ein herber Schlag für die Veranstalter war sicherlich, dass mit BenQ eines der bekanntesten taiwanesischen Unternehmen fehlte, aber an bestimmten Ständen waren immerhin Produkte von ihm zu sehen. Ebenfalls nicht auf der Ausstellerliste waren die beiden Notebook-OEM-Riesen Quanta und Compal. Davon abgesehen haben sich alle großen Namen der Insel die Ehre gegeben. Mit dabei waren natürlich Acer, die großen Motherboard-Hersteller Asustek (Asus), Elitegroup, Foxconn, Gigabyte und MSI, Shuttle, VIA Technologies, die LCD-Panel-Hersteller AUO und CMO sowie Tatung, FIC (auf der CeBIT 2007 nicht vertreten), der OEM-Hersteller Mitac und seine GPS-Marke Mio, Handy-Riese HTC und viele mehr. Mit Intel, AMD, Microsoft, Nvidia, Hitachi, Philips, Toshiba und HP fanden sich auch wieder einige große internationale Player ein. Für viele ausländische Unternehmen fehlte wie gesagt der Platz, aber neben anderen kleineren schaffte es auch Netzteilhersteller Listan als eines von zehn deutschen Unternehmen aufs Messegelände.

Microsoft-Chairman Bill Gates war diesmal nicht selbst angereist, sandte aber eine Grußbotschaft, in der er die Innovation taiwanesischer Unternehmen lobte. Von echter Innovation war auf der traditionell reinen Produktschau wenig zu sehen. Und so, wie in der Vergangenheit oft Acer-Gründer Stan Shih, mahnte Intels Asien-Manager Stanley Huang, dass Taiwans Hersteller mehr in Forschung und Entwicklung investieren sollten.

Vista, Prozessoren, Speicherprodukte

Die Top-Themen der Messe standen im Grunde vorher schon fest. Dazu gehören allen voran Produkte mit und für Windows Vista sowie die neue Intel-Notebook-Plattform "Santa Rosa" und der auf der Messe gelaunchte und "Bearlake" (Bärensee) getaufte Intel-Desktop-Chipsatz "P35". Verschiedene Motherboard- und PC-Hersteller wie Acer, Asus, Gigabyte und MSI haben schon entsprechende Produkte gezeigt. Viel Interesse fanden die neuen DirectX-10-fähigen Grafikkarten von ATI. Von Nvidia war dagegen nicht viel Neues zu sehen.

Ein wichtiges Thema der Speicherhersteller waren DDR3-Module. Da diese aber deutlich teurer als ihre DDR2-Vorgänger sind, wird nicht vor 2008 mit einem Durchbruch gerechnet. Ein anderes Trendthema der diesjährigen Computex waren Flash- oder SDRAM-basierende Solid State Disks (SSDs oder Festkörperplatten). Doch mit 400 Euro für eine 32-GB-Version von Samsung zum Beispiel sind die stoßunempfindlichen Platten noch viel zu teuer. Zwei ultraschnelle CompactFlash-Karten mit jeweils 16 GB würden es zur Not auch tun. Am Rande der Computex sind derweil die Speicherpreise heftig in Bewegung geraten. Im Bereich USB-Sticks und MP3-Player versuchen viele Hersteller den massiven Preisverfall dadurch aufzufangen, dass sie die Speicherminis zum Beispiel im schicken Lederkleid als Modeaccessoires für Frauen anbieten.

UMPCs und Mini-Laptops

Auch UMPCs (Ultra-Mobile-PCs) auf Intel-Basis, vor zwei Jahren erstmals von Samsung und Asus vorgestellt, machten wieder die Runde. Konkurrent AMD wiederholte indes seine Kritik, dass die Geräte zu teuer und zu energiehungrig seien. Deutlich gegen Intel abheben will sich der ewige Zweite im CPU-Markt mit neuen Doppelkernprozessoren, die unter den Codenamen "Brisbane" (Athlon X2 BE) und "Sparta" (Sempron LE) mit jeweils 45 Watt besonders sparsam sind. Auf geringen Energieverbrauch setzt AMD auch bei den Spezifikationen für den neuen DTX-Formfaktor, der wie Partner zeigten, auch kompaktere PC-Designs ermöglicht.

Im Serverbereich setzt sich der Kampf der beiden CPU-Hersteller mit Quadcore- oder Vierkernprozessoren fort. Branchenprimus Intel zeigte eine Dual-Quadcore-Lösung namens "V8" auf Basis der 45-nm-Technologie gefertigten neuen "Penryn"-Generation. AMD-Serverpartner wie Tyan oder Supermicro warben hingegen schon für Produkte, die mit dem Vierkern-Opteron "Barcelona" harmonisieren sollen.

Viel Aufmerksamkeit erregt haben auf der Messe Mini-Laptops mit 7-Zoll-Display und einem Gewicht von deutlich unter 1.000 Gramm. Psion lässt grüßen. Der Knaller war ein ultraportables Notebook von Asus, das der Hersteller zusammen mit Intel entwickelt hat und das ab dem dritten Quartal 2007 für einen unverschämt günstigen Preis von 199 Dollar vor allem Schülern und Studenten angeboten werden soll. Das unlängst von Palm vorgestellte Foleo-Notebook kostet etwa das Dreifache. VIA-Chef Wenchi Chen hat auf der Messe in Taipei neben scheckkartengroßen Motherboards auch ein Referenzmodell für Mini-Laptops gezeigt, das mit VIA-eigenem Prozessor nicht an Intel gebunden ist (mehr zu den beiden Mini-Laptops von Asus und VIA auf Seite 27). Die wichtigste Applikation dieser Geräte, die es auch von Aigo, FIC, Haier, HTC und Samsung geben soll, ist aber der Webzugang und steht deshalb in der Mitte der Alternativbezeichnung Mobile Internet Devices (MID). An Microsoft gebunden sein sollen die Geräte übrigens auch nicht. Sponsor Canonical will das Linux-Betriebssystem Ubuntu auch als Mobile-Version für solche MIDs herausbringen.

Digitale Bilderrahmen, GPS-Handys & Co.

Als Hoffnungsträger im Display-Bereich wurden auf der Computex neben Fernsehern und Widescreen-Monitoren auch viele digitale Bilderrahmen gezeigt, die, wenn es nach den Herstellern geht, sich zu einem der Renner im diesjährigen Weihnachtsgeschäft entwickeln sollen. Im Bereich Mobilfunk lockten HTC und andere Handy-Hersteller mit GPS-Kombi-Lösungen. GPS-Gerätehersteller wie die Mitac-Tochter Mio und Holux setzen derweil auf mehr Multifunktionalität.

Der neue superschnelle WLAN-Standard 802.11n ist zwar noch nicht endgültig ratifiziert, jedoch mit der Masse entsprechender Produkte, die auf der Computex gezeigt wurden, dürfte man bald zu einer Einigung kommen, so zumindest geht die Hoffnung in Taiwan um. Von einem schnellen Durchbruch des neuen WLAN-Standards würden auch die vielen Hersteller von Multimedia-PCs profitieren. Denn viele Kunden scheuen sich noch, diese Geräte ins Wohnzimmer zu stellen. Mit Übertragungsraten von bis zu 300 Mbps wäre WLAN-n auch geeignet, hochauflösende Videos ohne Verluste von Raum zu Raum zu schicken. Profitieren davon könnten auch die Hersteller von Blu-ray- und HD-DVD-Playern.

Den weltweit ersten HD-DVD-Brenner für Notebooks hat Toshiba auf der Computex gezeigt. Das neu entstandene Joint Venture Sony NEC Optiarc hatte unter anderem einen bereits früher vorgestellten Blu-ray-Brenner für Desktop-PCs im Gepäck, ist aber trotz Sony als treibendem Motor der Technologie nicht auf Blu-ray festgelegt.

Darüber hinaus waren natürlich auch wieder viele Gadgets zu sehen. Schreiend bunt und in allen Farben priesen die Hersteller von Lautsprechern ihre Produkte an. Sehr "hübsch" machen sich zum Beispiel solche im Kissen oder Rucksack mit Solarzelle verpackt.

Den Kommentar zur Computex 2007 finden Sie auf Seite 3.