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20.04.2001 - 

Web-Agentur bastelt am Full-Service-Image

Concept AG sieht sich als "Winner"

FRANKFURT/M. - Web-Agenturen geraten zunehmend in die Kritik. Die IT-Lastigkeit bei E-Business-Projekten hat drastisch zugenommen, sie erfordern komplexes Wissen, das viele nicht zu bieten haben. Davon unbeeindruckt geben sich die Verantwortlichen der Concept AG. Von Beate Kneuse*

Die Zeiten, da Unternehmen einzig und allein einen pfiffigen Web-Auftritt anstrebten und damit Online-Agenturen einen regelrechten Boom bescherten, sind vorbei. Heute geht es um komplexe E-Business-Projekte. Das hat einen drastischen Ausleseprozess in der Kreativszene ausgelöst. Waren vor gut einem Jahr nach Auskunft von Sven Bornemann, Vorstandschef der Wiesbadener Concept AG, noch 3200 Web-Agenturen in Deutschland am Werk, so mischen heute nur noch rund 2000 mit, Tendenz nach unten. "Die Konsolidierung wird sich in den nächsten zwei Jahren kräftig fortsetzen", beschrieb Bornemann auf der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens die in der Branche verbreitete Erwartungshaltung. Dabei erhebe sich auch für erfolgreiche Agenturen die Frage, ob sie "das nötige Know-how aufbauen können". Dass Concept dies gelingt, steht für ihn außer Frage: "Wir sind bereits gut aufgestellt, und der Full-Service-Gedanke ist bei uns sehr ausgeprägt."

Wachstum versus ProfitabiltätDoch es sind nicht nur die gestiegenen Projektanforderungen, mit denen sich die Online-Agenturen konfrontiert sehen. Alle Großen sind derzeit dabei, den Ausbau ihrer Unternehmen zu forcieren - und das sowohl im In- wie im Ausland. Bei diesen Expansionsbestrebungen aber darf die finanzielle Stabilität nicht aus dem Auge verloren werden - ein Umstand, der auch die Concept-Lenker beschäftigt. "Wir müssen die Gratwanderung zwischen Wachstum und Profitabilität schaffen", so Concept-Finanzchef Martin Reitz. Allein im vergangenen Jahr haben die Wiesbadener, die seit Ende März 2000 am Neuen Markt notiert sind, die Zahl ihrer Büros von sieben auf 18 erhöht und die Belegschaft von 122 auf 305 kräftig aufgestockt. Hinzu kamen Akquisitionen. So kaufte man den Londoner Internet-Spezialisten NMT und stieg mit 50,1 Prozent bei der Berliner 3D-Schmiede Art + Com ein.

Gerade die hohen Anlaufkosten für den Aufbau der neuen Büros haben Spuren im operativen Ergebnis hinterlassen. Statt eines zum Börsengang für das Jahr 2000 prognostizierten Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,4 Millionen Euro kann die Concept AG mit 300 000 Euro nur einen hauchdünnen operativen Gewinn ausweisen. Im Vorjahr hatte sich der Ebit noch auf 2,6 Millionen Euro belaufen. Das Umsatzziel von 24,6 (Vorjahr: 12,3) Millionen Euro wurde erreicht.

Ergebnis derzeit unbefriedigendGefallen dürfte den Anlegern, ohnehin seit Monaten gebeutelt, diese magere Ausbeute nicht. Das weiß auch Zahlenprofi Reitz, zumal er ankündigt, dass sich auch im Ergebnis des ersten Quartals die Anlaufkosten noch bemerkbar machen werden. "Aber", schiebt er nach, "uns haben sich mehr Expansionsmöglichkeiten geboten, als wir ursprünglich dachten. Und die haben wir genutzt." Dies dürfte Concept auch weiterhin tun, wenngleich man laut Reitz dabei vor allem im Ausland Vorsicht walten lassen, eine "selektive Expansion" betreiben will.

"Uns werden eine Menge Unternehmen angeboten", betonte Concept-Chef Bornemann weiter, weil man aufgrund der prall gefüllten Kriegskasse von fast 100 Millionen Euro im Markt derzeit die Position des "Käufers" habe. "Doch die Unternehmen müssen sowohl thematisch als auch von ihrer Kundenstruktur her zu unserem Geschäft passen", stellte er klar. Was die Wiesbadener darunter verstehen, haben sie zuletzt mit ihren strategischen Allianzen unter Beweis gestellt. Durch die Übernahme der Ogilvy-Tochter Interactive in Deutschland Ende 1999 ist Concept in das weltweite Netzwerk der Ogilvy-Gruppe eingebunden und hat Zugriff auf weltweit 2000 Consultants. Anfang 2000 verbündete man sich zudem mit der Relationship Marketing Group (RMG), einer Tochter der britischen Werbeholding WPP-Group, die mit knapp 18 Prozent an den hessischen Internet-Spezialisten beteiligt ist.

Dass Concept im Zuge besagter Marktkonsolidierung selbst zum Übernahmekandidaten werden könnte, glaubt Bornemann nicht, obwohl er die Gefahr nicht leugnen kann. Die hohen liquiden Mittel, die geringen Verbindlichkeiten und die deutliche Unterbewertung der Aktie könnte führende Beratungshäuser animieren, mehr als ihre Visitenkarte in Wiesbaden zu hinterlassen. "Das Feedback unserer Großaktionäre auf unsere Aktivitäten ist durchweg positiv. Sie halten zu uns", gab sich der Concept-Chef jedoch selbstbewusst.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.