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23.06.2000 - 

Softwareschmiede geht im Sommer an den Neuen Markt

Condat AG: Erfolgreich auf der M-Business-Welle reiten

BERLIN - Bei der Condat AG herrscht Aufbruchstimmung. Zum einen will der Berliner Softwareproduzent und Lösungsanbieter mit seinen Produkten bei der fortschreitenden Integration von Mobilfunk und Internet an vorderster Front mitmischen, zum anderen steht der Gang an die Börse an. Ab Sommer sollen die Aktien der seit Dezember 1999 als AG firmierenden Company am Neuen Markt gehandelt werden.Von Beate Kneuse*

Für Condat-Mitbegründer und -Vorstandschef Pedro Schäffer ist Mobilität in Zukunft das A und O: "Die explodierenden globalen Märkte Mobilfunk und Internet wachsen zum noch dynamischeren Mobile Business zusammen. Dies wird nicht nur auf dramatische Weise unser Geschäfts- und Privatleben verändern, sondern auch einen riesigen Markt erschließen, der die durch das Internet möglichen Dimensionen weit übertrifft." Allein die Wachstumsprognosen für den so genannten Mobile E-Commerce lassen laut Schäffer das enorme Potenzial erahnen. So prophezeit die ARC Group, dass die Zahl der mobilen E-Commerce-Nutzer die der "stationären" in drei Jahren überholen und danach rasant ansteigen wird (siehe Abbildung "E-Commerce-Nutzer weltweit"). Kein Wunder, dass Wireless Internet, der Trend zu mehr Daten- statt Sprachaustausch, der steigende Bedarf der Unternehmen nach Zugang zu den mobilen Daten aber auch die immer anspruchsvoller werdenden mobilen Endgeräte alle Mitspieler in diesem Szenario hoffnungsfroh in die nächsten Jahre blicken läßt. Bestes Beispiel ist die "Times"-Werbung der Deutschen Telekom, die seit Wochen Funk und Fernsehen unsicher macht.

So mobil Geschäftsleute und Privatiers künftig sein werden - wenn die Prognosen eintreffen - so kräftig will Condat dabei mitmischen. "Wir liefern die Produkte für die M-Business-Industrie", sagt Schäffer selbstbewusst. Die Berliner legten den Grundstein dafür bereits Anfang der 90er Jahre, als sie im Rahmen eines Exklusivvertrags mit dem Elektronikkonzern Bosch in den Mobilfunkbereich einstiegen. 1997 brachten sie den ersten Protokollstack für zellulare Netze auf den Markt - eine Software, die die Kommunikation zwischen den Mobiltelefonen verschiedener Hersteller und den Netzbetreibern gewährleistet. Damals wurde auch der US-amerikanische Chipriese Texas Instruments (TI) auf die Softwareschmiede an der Spree aufmerksam. Seither bestücken die Texaner ihre Chipsets für Handys mit der Condat-Software und vertreiben die Protokollstacks der Berliner weltweit. Heute ist der Geschäftsbereich "Wireless Products" von Condat mit 46 Prozent das umsatzstärkte Segment.

Vor kurzem stieg TI sogar bei Condat ein. Der Chipgigant sicherte sich einen Anteil von 15 Prozent. Der Deal ist für beide Seiten von Vorteil. Erklärt Schäffer: "Für uns, die wir die Nähe zu führenden Technologiepartner brauchen, ist vor allem die Qualität der Chipsets von großer Bedeutung. Denn unsere Software kann nur so gut sein, wie es die Chips zulassen. Und TI ist Weltmarktführer bei Chipsets für Handys." Für TI bestehe der Anreiz darin, über die Beteiligung einen abgesicherten Lieferanten für die Software zu haben. Somit sei die Kapitalverflechtung die beste Lösung. Und um Missverständnissen vorzubeugen, schiebt der Condat-Lenker schnell nach, dass der damit verbundene Geldsegen nur eine untergeordnete Rolle für den Deal gespielt hätte.

Unwillkommen aber dürfte er dennoch nicht gewesen sein. Denn der boomende Mobilfunkmarkt erfordert hohe Investitionen in die Produktentwicklung, und im M-Business-Geschäft werden sich diese noch potenzieren. Ohne Zweifel ein erheblicher Kraftakt für ein Unternehmen, das 1999 mit knapp 30 Millionen Mark seinen Umsatz vom Vorjahr (18,7 Millionen) zwar fast verdoppeln konnte, aber in der IuK-Szene fraglos zu den Kleinen zählt. Wollen sich die Berliner vom M-Business-Kuchen tatsächlich ein ordentliches Stück abschneiden, dürften zusätzliche Geldquellen dringend erforderlich sein.

Deshalb soll nun mit Hilfe der DG Bank der Gang an den Neuen Markt in Angriff genommen werden. Geplant ist das IPO für den kommenden Sommer. Angestrebt wird ein Freefloat von rund 25 Prozent, der sich bei Ausübung des Greenshoes auf 30 Prozent erhöht. Rund 20 Prozent des Emissionsvolumens werden die vier Alt-Gesellschafter aus ihrem Portfeuille beisteuern. Dass es angesichts der Berg- und Talfahrten am Neuen Markt zu einer Verschiebung des Börsengangs kommt könnte, befürchtet Schäffer nicht. Im Gegenteil: "Wir bewegen uns in einem Technologieumfeld, das durch die Telekom-Werbung derzeit in aller Munde ist. Deshalb ist der Zeitpunkt für uns hervorragend", gab der Condat-Chef Anfang Juni vor Journalisten in Berlin zu Protokoll.

Die Erlöse aus dem Going Public will Schäffer neben der Finanzierung neuer Produkte für strategische Akquisitionen zur Geschäftserweiterung sowie zur Stärkung der internationalen Präsenz nutzen. In Sachen inhaltlicher Zukäufe schweben dem Condat-Lenker beispielsweise Spezialisten auf dem Gebiet der Bildverarbeitung/-übertragung vor. "Dies wird künftig ein wichtiger Bestandteil des M-Business sein. Da wir dort nicht tätig sind, werden wir Know-how und Komponenten zukaufen."

Märkte in den USA und Asien im VisierBei den Auslandsaktivitäten liebäugelt Schäffer vor allem mit den USA und mit Japan. Schon im Laufe der nächsten zwölf Monate will man in beiden Kontinenten entscheidend vorankommen, wobei laut Schäffer vor allem der Aufbau der Asien-Präsenz sorgfältig vorbereitet sein will. "Wir schauen uns derzeit die einzelnen Länder an und haben festgestellt, dass für uns China, Japan, Taiwan und Korea am interessantesten sind." Auch sieht die derzeitige Planung vor, nicht mit eigenen Leuten zu agieren, sondern sich mit dort ansässigen Händlern zusammenzutun, möglicherweise auch ein Unternehmen zuzukaufen. Der Aufbau des US-Geschäfts wiederum soll aus eigener Kraft erfolgen. Auch dabei dürfte sich aber der enge Kontakt zu TI als hilfreich erweisen.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.

Abb: Klare Verhältnisse: Bereits in drei Jahren haben die mobilen Anwender die Oberhand. Quelle: ARC Group