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11.02.1994

Consumer-Multimedia als zukuenftiger Schluesselmarkt Deutsch-franzoesische TK-Allianz definiert Europas Super-Highway CW-Bericht, Gerhard Holzwart

FRANKFURT/M. - Europa ist auf einem besseren und im Zweifelsfall schnelleren Weg zum Information-Highway als Nordamerika. Dies ist die Botschaft von Telekom und France Telecom an die Adresse der von der Multimedia-Diskussion verunsicherten Geschaeftskunden und privaten Konsumenten. Nach einer mehr als einjaehrigen Schamfrist praesentierten beide europaeische Carrier nun erstmals eine strategische Antwort auf die IT-Vision von US-Praesident Bill Clinton.

"Unser Anspruch ist es, zur zentralen Telekommunikations- Drehscheibe in Europa zu werden", unterstrich Telekom-Chef Helmut Ricke beim 3. Internationalen Pressekolloquium die strategische Ausrichtung seines Unternehmens. Ricke nannte dabei vier Geschaeftsfelder, auf deren Basis die Neupositionierung des voraussichtlich ab 1995 privatisierten Postunternehmens zu einem globalen Diensteanbieter erfolgen soll: Die Sicherung des bisherigen Kerngeschaeftes im Telefondienst, die Erschliessung neuer Zukunftsmaerkte wie Mobilkommunikation, Datenautobahnen und Multimedia-Services fuer Geschaefts- und Privatkunden, die Einfuehrung globaler, grosskundenorientierter Mehrwertdienste sowie die regionale Diversifizierung in kuenftige Wachstumsmaerkte wie Osteuropa.

Mit rund 60000 Kilometern an verlegten Glasfaserkabeln, im Gbit- Bereich konzipierten Glasfaserstrecken zwischen den wichtigsten deutschen Wirtschaftszentren sowie dem mit 13,5 Millionen Teilnehmern weltweit groessten Breitband-Kabelfernsehnetz sehen sich die Bonner nach den Worten Rickes durchaus gewappnet fuer kuenftige Anforderungen des Marktes, bei denen "High-speed nicht nur unsere Netze, sondern zunehmend auch die Entwicklung der Kundenbeduerfnisse bestimmt".

Dabei gelte es auch, wie Rickes Pendant auf der franzoesischen Seite, France-Telecom-Praesident Marcel Roulet, unterstrich, die Realitaeten nicht aus den Augen zu verlieren und "Modeerscheinungen, auch wenn sie von der anderen Seite des Atlantiks kommen, zu widerstehen". Die Europaeer waeren jedenfalls, so Roulet, angesichts der derzeit um sich greifenden Multimedia- Euphorie gut beraten, mehr Sachlichkeit walten zu lassen. "Wir werden die elektronischen Autobahnen von morgen leichter errichten koennen, wenn wir uns der Elemente bewusst werden, ueber die wir heute bereits verfuegen", schrieb der Franzose den Kritikern der europaeischen TK-Szene ins Stammbuch.

Carrier in Europa muessen an einem Strang ziehen

Auf Basis der demnaechst europaweit beginnenden ATM-Erprobung sowie von Diensten wie ISDN koenne man ein Netz an Datenautobahnen errichten, um "das uns selbst die Vereinigten Staaten beneiden duerften".

Beide Carrier, die unter dem Dach ihres Ende vergangenen Jahres angekuendigten Joint-ventures beabsichtigen, eine Reihe von Daten-, Sprach- und Mehrwertdiensten zu integrieren und zu harmonisieren, wollen dazu kuenftig ihre Partnerschaft noch verstaerken. Generell gehe es in Europa, wie Roulet anfuegte, "um ein Miteinander und kein Gegeneinander der Netzbetreiber" - gerade dies sei "der geniale Ansatz von Bill Clinton und Al Gore". Grosse Hoffnung setzen die beiden wichtigsten europaeischen Anbieter von TK- Diensten daher auf die Bruesseler EU-Kommission, die die deutsch- franzoesische Elefantenhochzeit kartellrechtlich noch absegnen muss. "Wir wissen, dass sich die Behoerden in Bruessel bewusst sind, wie wichtig solche Joint-ventures fuer die europaeische TK-Industrie sind", schob der France-Telecom-Chef als Begruendung nach.

Unabhaengig davon hat das Bonner Postunternehmen offensichtlich bereits damit begonnen, die Schwerpunkte zu verlagern. So soll das Hauptaugenmerk der Telekom, wie Rickes Vorstandskollege Dieter Gallist ausfuehrte, auf dem multimedialen Massenmarkt liegen, wo sogenannte Consumer-Multimedia-Dienste wie Video on demand, interaktives Fernsehen und Teleshopping die Nutzungszeiten des herkoemmlichen Telefondienstes in absehbarer Zeit bei weitem uebertreffen duerften. Noch im Fruehjahr dieses Jahres will die Ricke-Mannschaft zusammen mit Bertelsmann und der Kirch-Gruppe sowie wahrscheinlich dem ZDF die gemeinsame Tochter Media Service GmbH gruenden. "Das Schwergewicht unserer Wertschoepfung wird kuenftig mehr in diesem Dienstebereich liegen als in der reinen Transportfunktion eines Netzbetreibers", skizzierte Gallist die neue Telekom-Philosophie.