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08.09.2000 - 

Interview/Mit Ranjit Singh, President und Chief Operating Officer von Content Guard Inc. sprach der IDG News Service

"Consumer werden ständig über den Tisch gezogen"

Content Guard Inc. ist ein Xerox-Spinoff, an dem Microsoft und Xerox Anteile besitzen und das Softwareprodukte und Beratungen anbietet, um den Copyright-Schutz für jede Form der digitalen Distribution von Inhalten sicherzustellen.

CW: Um die Firma Napster hat es in der jüngeren Vergangenheit einigen Wirbel gegeben. Mit diesem Unternehmen ist der Nutzen von Software klar zutage getreten, die den Copyright-Schutz für jede Form der digitalen Distribution von Inhalten fördert - also genau das Betätigungsfeld Ihrer Firma. Von solcher Unterstützung müssten Sie doch recht begeistert sein, oder?

Singh: Ja und nein. Napster hat natürlich das Thema "geistiges Eigentum" in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit und insbesondere in die Chefetagen katapultiert, wie das noch nie der Fall war. Bislang hatten wir da lediglich mit den Technologie- oder den IT-Verantwortlichen eines Unternehmens gesprochen und mit ihnen kleinere Szenarien zur Problematik des so genannten Digital Rights Management (DRM) durchgespielt. Wir sind ja spezialisiert auf DRM-Software. Jetzt ist aber klar, dass die Unternehmensverantwortlichen nicht einfach den Kopf in den Sand stecken und hoffen können, dass das Phänomen Napster schon von allein wieder verschwinden wird. Das wird es nämlich nicht.

Ganz im Gegenteil - wir stehen erst am Beginn einer völlig neuen Debatte zur Problematik geistigen Eigentums und dessen Schutz auch im Internet. Dabei geht es etwa um die Frage, wie man Inhalte im Internet zu Geld machen kann, in welcher Form sie zum Kauf angeboten werden können. Hierbei muss man völlig neue Wege beschreiten. Die Überlegungen gehen etwa in Richtung der scheibchenweisen Veräußerung von Inhalten. Man könnte etwa das erste Kapitel eines Buches unentgeltlich anbieten und dann für den Rest Geld verlangen. Oder die zu zahlende Gebühr könnte zeitgebunden sein, so dass der Internet-Leser etwa zwei Monate Zeit hat, das Buch zu lesen. Nach dieser Zeit kann er nicht mehr darauf zugreifen. Subskriptionsmodelle wären ebenso denkbar.

CW: Welche Vor- und Nachteile bietet eigentlich die DRM-Technologie zur Verbreitung von Inhalten im Internet?

Singh: Man kann im Prinzip ausprobieren, welche Methoden der Verbreitung praktikabel sind, und diese dann erweitern oder noch verbessern. Außerdem bekommt man sofort Rückmeldungen von Kunden und kann so Daten über die Nutzung von Inhalten, also von Content, gewinnen.

CW: Kommen in diesem Zusammenhang nicht Fragen des Persönlichkeitsrechts ins Spiel?

Singh: Die Grenze zwischen dem, was noch rechtens ist und was nicht, ist natürlich sehr eng gesteckt. Letztlich geht es in diesem Zusammenhang um das Thema "faire Behandlung". Und wenn der Kunde sich eben nicht fair behandelt fühlt, wenn seine Daten nicht in seinem Sinne benutzt werden, kann er sich dagegen wehren.

CW: Wie wollen Sie aber verhindern, dass andere das Beispiel von Napster kopieren?

Singh: Na ja, dazu braucht es auch Abschreckungsmechanismen, die geeignet sind, ehrliche Menschen sozusagen weiterhin ehrlich sein zu lassen. Im Fall Napster wird Musik ohne die Autorisierung sowohl der Musiker als auch der Musikverlage im Internet verteilt. Egal wie man zu Napster steht, hier geschieht etwas Illegales, Napster bricht Gesetze. Untersuchungen zeigen nun aber, dass Leute sehr wohl bereit sind, für Dinge im Internet zu zahlen, wenn man ihnen nur eine einfache Methode des Bezahlens im Internet anbietet. Außerdem muss man auch mal ganz offen sagen, dass die Musikindustrie noch bei jeder neuen Technologie - sei es bei der LP-, der CD-, der Kassetten- oder jetzt der DVD-Produktion - den Käufern ordentlich in die Tasche gegriffen hat. Die Produktionskosten für das jeweilige Medium lagen ja jedesmal weit unter dem Preis, der dann von den Kunden verlangt wurde. Da hat die Industrie ihre Konsumenten jedesmal so richtig über den Tisch gezogen. Und da müssen Musikverlage endlich verstehen lernen, wie das Internet tickt und wie sie diesen neuen Vertriebsweg in die gesamte Wertschöpfungskette einpassen können.