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Interview mit Charles Picasso, COO von Digital Island


28.09.2001 - 

Content Delivery ist ein Nischenmarkt

Im Mai dieses Jahres kündigte Cable & Wireless an, den Content-Delivery-Anbieter und Web-Hoster Digital Island übernehmen zu wollen. Die Integration des Unternehmens wurde nun abgeschlossen. Über die Auswirkungen des Mergers auf die Geschäfte und Ziele von Digital Island sprach CW-Redakteur Joachim Hackmann mit Charles Picasso, Chief Operating Officer des Unternehmens.

CW: Die Integration von Digital Island in den Cable & Wireless-Konzern als eine 100-prozentige Tochter ist seit Ende August abgeschlossen. Was hat sich geändert?

Picasso: Digital Island ist der Geschäftsbereich, der sich auf Web-Services konzentriert. Ziel des Mergers war es, das weltweite Portfolio von Cable & Wireless in diesem Bereich auszuweiten. Das Angebotsspektrum beider Unternehmen ist absolut komplementär. In unserem Fall ergibt eins plus eins drei.

CW: Können Sie Ihre Strategie ein wenig konkreter beschreiben?

Picasso: Geografisch liegt der Fokus auf den Märkten in den USA, Westeuropa und Japan. Das Diensteportfolio umfasst generell das Managed Hosting und Content Delivery. Mit diesen Services richten wir uns an Unternehmen der Finanz- und Hightech-Branche sowie an Medienhäuser.

CW: Beide Firmen hatten vor der Akquisition eigene Web-Hosting-Kapazitäten. Hat Cable & Wireless vornehmlich einen Content-Delivery-Anbieter erworben?

Picasso: Digital Island hat eine besondere Position im Markt, weil das Unternehmen eine Kombination aus Hosting, Content Delivery and Streaming bietet, sie mit einigen technischen Elementen verbindet und zusätzlich noch eine eigene Infrastruktur und Services integriert. Digital Island war und ist nicht nur ein Hosting-Unternehmen, ein Netzdienstleister, ein Content-Delivery-Anbieter. Aus allen Diensten miteinander setzt sich das Bild von Digital Island zusammen.

CW: Wobei es in den einzelnen Märkten nicht so rosig ausschaut: Im Bereich Content Delivery gibt es mit Akamai etwa einen eindeutigen Marktführer, der auch mit einem starken Markennamen aufwarten kann. Was haben Sie dem entgegenzusetzen?

Picasso: Akamai ist nur im Content-Delivery-Markt aktiv und somit ein Nischenanbieter. Es gab bereits einige große Kunden, die von Akamai zu uns gewechselt sind, weil wir umfangreichere Lösungen für ihre Probleme haben. Nur zwei Prozent der Unternehmen nutzen nämlich Content-Delivery-Dienste, ungefähr die Hälfte greift aber auf Hosting-Services zurück. Viele Anwender streben zudem danach, ihre genutzten Hosting-Kapazitäten um neue Dienste auszuweiten. Jemandem, der etwa Hosting und Content Delivery kombinieren möchte, hat Akamai nichts anzubieten.

CW: Wenn es keine Konkurrenz zu Akamai gibt, erübrigt sich auch Ihre Teilnahme an der Content Bridge Alliance, die ja als Bündnis verschiedener Anbieter gegen den Marktführer gilt. Lebt die Allianz überhaupt noch?

Picasso: Wir haben erst kürzlich einige Partnerschaftsverträge unterzeichnet, und Digital Island steht voll hinter der Allianz. Aber ich muss ein Missverständnis ausräumen. Die Content Bridge Alliance war niemals ein Bündnis gegen Akamai, sie ist eine Industrie-Allianz. Sie verfolgt das Ziel, die Interoperabilität von Content-Delivery-Diensten zu fördern, indem Partner ihrer Kapazitäten austauschen und somit ihre weltweite Reichweite erhöhen. Digital Island verantwortet in diesem Umfeld den Betrieb des Content-Delivery-Netzes. Im Übrigen ist die Allianz auch keine geschlossene Veranstaltung. Akamai ist eingeladen, daran teilzunehmen, allerdings hat das Unternehmen eine proprietäre Software.

CW: Im Web-Hosting-Geschäft steht derzeit auch nicht alles zum Besten. Der Markt leidet stark unter Überkapazitäten.

Picasso: Wenn man die Überkapazitäten anspricht, muss man zunächst die unterschiedlichen Anbieter in diesem Markt erwähnen: Es gibt die Telcos, die Collocation-Betreiber, reine Web-Hoster und Managed-Service-Anbieter.

CW: Aber gerade weil der Markt so kränkelt, verschwinden derzeit doch die Grenzen zwischen diesen Angeboten. Jeder Betreiber weitet sein Portfolio aus, um mehr Umsatz zu generieren.

Picasso: Digital Island war nie im reinen Collocation-Markt aktiv, hat also niemals ausschließlich Standfläche für Server vermietet. Der Abwärtstrend hat ja vornehmlich diese Anbieter erfasst. Insgesamt sind wir im letzten Jahr in einem sehr schwachen Markt sogar um acht Prozent gewachsen. Das liegt auch daran, dass wir uns schon immer auf die Unternehmenskunden konzentriert haben und daher von der Dotcom-Krise kaum betroffen waren.