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04.08.2000 - 

Schnelligkeit durch Kundennähe

Content-Distribution soll Sites auf die Sprünge helfen

Internet-Surfer erwarten kurze Antwortzeiten von Websites, ganz gleich, wo auf der Welt sich der Server befindet. Content-Delivery-Dienste sollen Inhalte näher zum Endkunden bringen und so Latenzzeiten im Netz verringern.

Die Bandbreite in den Backbone-Netzen nimmt zwar ständig zu, aber dies nutzt dem Internet-Surfer wenig, wenn er eine Vielzahl von Netzknoten (Hops) passieren muss, um an die Inhalte der gewünschten Site zu gelangen. Jeder Hop verzögert den Datentransport und verlängert die Wartezeit des Endbenutzers. Die Situation verschärft sich noch, wenn Web-Nutzer nicht nur Texte, Tabellen und Grafiken, sondern auch zunehmend Audio- und Video-Inhalte über das Netz konsumieren.

Um dieses Geschwindigkeitsproblem zu umgehen, wollen Site-Betreiber ihre Inhalte möglichst in die Nähe der Online-Konsumenten bringen. Das Spiegeln (Mirroring) ganzer Websites ist eine Lösung. Einen anderen Ansatz beschreiten die Anbieter von Content-Distribution-Services. Sie betreiben eine Reihe von Netzwerk-Servern, die in den wichtigsten Regionen der Welt Inhalte ihrer Kunden - oft Medienhäuser oder E-Commerce-Anbieter - für die lokale Zielgruppe vorhalten. So betreibt die in Boston ansässige Akamai Technologies etwa 3000 Server, die in rund 160 Netzwerken von Telekommunikationsfirmen beziehungsweise Internet-Service-Providern stehen. Klienten des Unternehmens verknüpfen bandbreitenintensive Objekte ihrer Sites, beispielsweise Grafiken sowie Werbebanner, mit dem Akamai-Service "Freeflow". Speziell für Streaming-Media-Inhalte entwarf die Internet-Company "Freeflow Streaming". Beim Zugriff des Surfers auf eines dieser Elemente wird der Inhalt nicht von der originalen Site, sondern von dem in puncto Geschwindigkeit günstigsten Akamai-Rechner übertragen. Dreh- und Angelpunkt des Verfahrens ist ein ausgeklügelter Algorithmus, der unter Berücksichtigung der Verkehrssituation im Web den günstigsten Pfad berechnet. Der Content-Anbieter bezahlt den Freeflow-Service für ein Megabit pro Sekunde pro Monat mit 2865 Euro (5603 Mark). Durch den Einsatz dieses Service spart er sich einen Teil der Volumengebühren, die er an seinen ISP entrichten muss, so die Argumentation von Akamai.

Ein ähnliches Konzept verfolgt das amerikanische Startup-Unternehmen Mirror Image Internet. Die Firma betreibt statt einzelner Server Rechenzentren (Content Access Points, kurz CAPs) an den wichtigsten Knotenpunkten im Internet. Ein solcher CAP steht beispielsweise am deutschen Internet-Austauschpunkt (Deutscher Commerce Internet Exchange, kurz DE-CIX), über den etwa 60 ISPs ihre Netze miteinander koppeln (Peering). Das CAP wird direkt mit den Routern der Provider verbunden. Laut Firmenangaben sind die CAPs in der Lage, Objekte von Kunden-Sites bis zu einem Umfang von 50 MB zu speichern.

Mirror Image Internet versteht sich eher als weltweiten Anbieter von skalierbaren Internet-Repositories an strategischen Knotenpunkten des Internet, während Akamai Technologies ein weltweites Netz von Servern betreibt.

Auf Basis seiner CAP-Infrastruktur bietet das Unternehmen, drei Dienste, den Content-Delivery-Service "Instacontent", den Caching-Dienst "Instaspeed" sowie den für Streaming-Media-Inhalte optimierten Service "Instastream". Die Verbindung zwischen dem Content des Online-Angebots und des CAP funktioniert so ähnlich wie beim Konkurrenten: Im HTML-Code wird beschrieben, dass ein Site-Element vom Mirror-Image-Service bereitgestellt werden soll. Ein Unified Resource Locator (URL) verweist dann auf die Internet-Adresse, unter der die Web-Browser-Software das im CAP gespeicherte Objekt findet. Auch bei Mirror Image Internet ermittelt ein Algorithmus den weltweit zeitlich günstigsten Weg zwischen Surfer und Inhalt - unter Umständen erhält der Site-Besucher eine Grafik nicht vom Frankfurter CAP, sondern vom Londoner Internet Exchange (Linx), dem Internet-Austauschpunkt für Großbritannien. Der ISP Germany.net zählt zu den Kunden von Mirror Image Internet in Deutschland. Germany.net mietet den "Instaspeed Booster Service" als Ergänzung der eigenen Caching-Infrastruktur.

Wie Mirror Image Internet zählt auch die Adero Inc. aus Boston zu den Startups im Geschäft. Das Unternehmen betreibt ein Content-Distribution-Netz ("Globalwise Network") und vermietet es in erster Linie an Carrier und ISPs. Adero konzentriert sich dabei auf E-Business und schloss hierzu Technologiepartnerschaften mit E-Commerce-Softwareherstellern wie Open Market, Vignette und Intershop. Wie Akamai stellte Adero eine Reihe von Servern in seine Netzinfrastruktur, setzt allerdings nicht auf eigene Technik wie der Konkurrent, sondern realisierte sein Netzwerk mit dem "Traffic Server" des amerikanischen Softwareanbieters Inktomi. Im Gegensatz zu Akamai und Mirror Image Internet hat der Anbieter in Deutschland noch keine Niederlassung, ein hiesiges Büro soll noch dieses Quartal eröffnet werden.

Digital Island ist ein weiterer wichtiger Player im internationalen Content-Distribution-Business, wobei in erster Linie Hosting- und Netzwerkdienste zum Kerngeschäft des Providers zählen. Digital Island betreibt mit "Footprint" ein weltweites Netzwerk zum Verbreiten von Internet-Inhalten beziehungsweise "Footprint Streaming Media" für Audio- und Videodaten. Mit "Footprint Secure" stellte die Firma jüngst eine Erweiterung vor, die mit dem Verfahren Secure Sockets Layer (SSL) verschlüsselte Inhalte verteilt. Damit adressiert der Provider vor allem Online-Shops und Finanzdienstleister, die Daten per Kryptografie schützen müssen. Digital Island nutzt dabei ebenfalls Technologie von Inktomi.

Neben den genannten Dienstleistern haben Hardwarehersteller spezielle Produkte auf den Markt gebracht, mit denen ISPs oder Inhalteanbieter eine eigene Content-Distribution-Infrastruktur aufbauen können. Zu ihnen zählen Internet-Caching-Spezialisten wie Network Appliance, Cacheflow und Infolibria.

Während in den USA bereits viele Firmen die Dienste der Content-Delivery-Netzbetreiber in Anspruch nehmen, steckt der Markt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Offenbar ist der Leidensdruck auch noch nicht groß. Bei Bol.de, dem Online-Medienvertrieb der Bertelsmann AG zum Beispiel, gibt es zurzeit keine Planungen, Content-Dienste zu mieten erklärt Ralf Klafka. Er ist verantwortlich für die Koordination der Frontend-Entwicklung bei Bol.de mit der zentralen Entwicklungsabteilung in New York.

Trotzdem hoffen europäische ISPs auf eine steigende Nachfrage nach Diensten zum Verbreiten von Inhalten. Der paneuropäische Internet-Service-Provider (ISP) KPN Qwest beispielsweise, ein Joint Venture der holländischen Telekommunikationsfirma KPN und des amerikanischen Internet-Carriers Qwest, will sich zum Anbieter von Content-Distribution-Services in Europa mausern. Hierzu schloss das im niederländischen Hoofddorp beheimatete Unternehmen ein Abkommen mit Inktomi sowie Akamai Technologies. Inktomis "Traffic Server", "Content Delivery Suite" sowie "Traffic Media-IXT" sollen dabei in den 18 Rechenzentren installiert werden, die KPN Qwest in Europa unterhält.

KPN Qwest will als Wiederverkäufer für Akamais Netzwerkdienste auftreten, während die Niederländer mit Inktomis Software eigene Serviceangebote realisieren möchten. Mit dem Akamai-Service adressiert der Provider auch solche Kunden, die ihre Sites von KPN Qwest hosten lassen. Nach Angaben eines Firmensprechers hat das Abkommen mit Inktomi eine strategischere Bedeutung als die Vertriebsvereinbarung mit Akamai. Ab dem dritten Quartal dieses Jahres sollen beide Dienste in Deutschland verfügbar sein.

Caching dynamischer InhalteContent-Delivery-Systeme funktionieren gut für statische Inhalte. Schwieriger wird es bei dynamisch erzeugtem Web-Content. So müssen beispielsweise Aktienkurse, Preise oder Verfügbarkeitsinformationen eines Produkts ständig auf dem aktuellen Stand sein. Noch problematischer ist das Verarbeiten von Transaktionsdaten über diese Services. Softwarefirmen wie beispielsweise Inktomi arbeiten an Funktionen, die dynamische Inhalte und E-Commerce-Transaktionen über Delivery-Netze verschicken sollen. Der kalifornische Hersteller Persistence Software stellte im Mai ein Caching-Programm speziell für diesen Zweck vor. In Anlehnung an den Marktführer im Content-Delivery-Geschäft, Akamai, nannten die Kalifornier ihr Produkt "Dynamai". Der Trick dabei ist, dass die Caches ereignisgebunden (Event triggered) aktualisiert werden. Persistence hat sich einige Partner ins Boot geholt, darunter Sun, Cisco und Adero. Letzteres Unternehmen übernahm die US-Firma Starburst Software. Deren Technik erlaubt es, Web-Inhalte gleichzeitig an bis zu 50000 Server zu versenden. Auch Akamai Technologies entwickelt eine Lösung für dynamische Inhalte.

Abb: Mit dem Wachstum im E-Commerce und der Zunahme von Streaming-Media-Inhalten steigt der Bedarf an Diensten sowie Soft- und Hardware für die Verbreitung von Content. Quelle: Internet Research Group, Content Delivery and Distribution Report, Februar 2000