Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.01.1986 - 

Besinnung auf alte Tugenden soll CDC aus der Krise führen:

Control Data legt den Rückwärtsgang ein

MÜNCHEN (rs) - Gesundschrumpfen will sich der angeschlagene Computerkonzern Control Data. Nachdem sich das Unternehmen auf Randmärkten verzettelt hatte, ist jetzt Besinnung auf alte Tugenden und einstige Stärken angesagt: Rechner für den technisch-wissenschaftlichen Bereich, High-Performance-Peripherie sowie Ausbildung.

Auf mehr als 300 Millionen Dollar wird sich der Verlust von CDC im Geschäftsjahr 1985 vermutlich belaufen. Bereits seit mindestens Mitte November 1985 befindet sich der DV-Hersteller mit Tilgungen und Zinszahlungen im Verzug, Die Verbindlichkeiten gegenüber verschiedenen Banken belaufen sich auf insgesamt rund 383 Millionen Dollar. Derzeit verhandelt CDC mit seinen Gläubigern über eine Umschuldung.

Auch die Anleger stehen dem Unternehmen skeptisch gegenüber: Auf dem Aktienmarkt, berichtet das US-Wirtschaftsmagazin Fortune, ist der Wert von Control Data seit Februar 85 um 53 Prozent gefallen und liegt jetzt bei etwa 740 Millionen DolIar. Diese Entwicklung hat Beobachter zu Überlegungen veranlaßt, wie CDC dem Zusammenbruch entgehen könne.

Starker Kritik sieht sich derzeit der Gründer und Chief Executive Officer von Control Data, William C. Norris, gegenüber. Mit dem raschen Wachstum des Unternehmens seien mehr Märkte angegangen worden, als gründlich bedient werden konnten. In einigen Fällen, äußerte ein ehemaliger Mitarbeiter, seien Entscheidungen über ProduktentwickIungen weniger am Bedarf der Kunden orientiert gewesen als vielmehr an dem, was Norris machen wollte.

Damit wird es nach der Umstrukturierung vorbei sein. Auf dem Rechensektor soll wieder verstärkt Kompetenz im technisch-wissenschaftlichen Bereich sowie bei Supercomputern demonstriert werden. Ein Unternehmenssprecher dementierte in diesem Zusammenhang ausdrücklich Meldungen, nach denen CDC die Beteiligung an der Eta Systems abgeben wolle. Man werde die derzeit 98 Prozent weiter halten und strebe im Gegenteil die 100-Prozent-Marke an.

Eta entwickelt Supercomputer in der Leistungsklasse der Cray-Systeme. Mit den Rechnern von Eta hofft CDC, hier den Anschluß wiederzufinden, nachdem die Cyber 205 gegenüber Mitbewerbermodellen in der Leistung mittlerweile ins Hintertreffen geraten ist. Spekulationen zufolge will Control Data noch in diesem Jahr die Eta 10 ankündigen, die rund zwölfmal mehr Leistung als die Cyber 205 bringen soll. Dies würde rund 10 Milliarden Operationen pro Sekunde bedeuten.

Im Bereich der Rechnerperipherie will sich Control Data ganz auf "High-Performance"-Modelle konzentrieren. Das bedeutet beispielsweise, Plattensysteme mit hoher Kapazität herauszubringen (so wird Fortune zufolge Anfang 1986 ein 5 ? Zoll-Gerät mit 182 MB erwartet), die mit deutlich kürzerer Zugriffszeit arbeiten als die Konkurrenzmodelle. Ferner wird die Entwicklungsarbeit an der wiederbeschreibbaren optischen Platte verstärkt, um hier möglichst früh in die Serienfertigung gehen zu können. Nicht lohnende Modellbereiche wird CDC auch weiterhin aufgeben. Den Anfang hatte das Unternehmen gemacht, als es kürzlich die Produktion IBM-kompatibler Peripherie einstellte.

Gerade im Peripheriesektor war CDC sehr stark. Noch 1980 betrug der Anteil an ausgelieferten Festplatten für den OEM-Markt weltweit rund 50 Prozent. Wachsende Konkurrenz vor allem aus Japan ließ Control Datas Marktanteil auf 23 Prozent im Jahr 1984 sinken.

Drittes Bein insbesondere der deutschen CDC-Tochter soll das Control Data Institut (CDI) sein, das herstellerunabhängige DV-Ausbildung betreibt uns sich in der Bundesrepublik eines relativ guten Rufes erfreut. Inoffiziellen Angaben zufolge will das CDI im vergangenen Jahr 500 000 Ausbildungsstunden geleistet haben. IBM habe es dagegen bei der Schulung seiner Kunden auf ganze 170 000 Stunden gebracht.

Zunächst einmal wird die Umstrukturierung weitere Arbeitsplätze kosten. Nachdem in den vergangenen elf Monaten bereits 9000 CDC-Mitarbeiter gehen mußten, wird jetzt der Peripheriebereich auf gut die Hälfte schrumpfen.

Die Einschätzungen über den Erfolg dieser Maßnahmen gehen weit auseinander. "Im günstigsten Fall", so CDC-Chef Robert M. Price, "erreicht das Peripherie-Business bereits 1986 den Break-even." Im ungünstigsten Fall muß CDC das Geschäft ganz aufgeben", ist Matthew Meehans Ansicht, Analyst bei Salomon Brothers. James N. Porter von der kalifornischen Marktforschungsgesellschaft Disk Trend schließlich wird konkreter: "CDC benötigt drei Jahre für die Entwicklung so innovativer Produkte, um damit wieder die alte Position im Peripheriegeschäft erreichen zu können." Allerdings setzt Porter voraus: Norris und Price müssen gehen.