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Sinkende Nachfrage erzwingt Ausstieg

Control Data Systems stellt Großrechner-Produktion ein

19.06.1992

FRANKFURT (hp) - Einmal mehr versucht die defizitäre Control Data Corp. (CDC) das Ruder herumzureißen: Der traditionelle Hardware-Hersteller, der einst als Mitglied der legendären BUNCH-Gruppe die IBM das Fürchten lehren wollte, will aus der Mainframe-Produktion aussteigen. Außerdem wird die defizitäre Computer Products Group ausgelagert und firmiert künftig als Control Data Systems Inc. (CDSI).

Viele gehen davon aus, daß CDC durch die Aufteilung das schwierige Computergeschäft loswerden will. Die Taktik, unprofitable Abteilungen abzustoßen, ist bei dem Unternehmen seit 1989 üblich, als das defizitäre Supercomputergeschäft ausgelagert wurde. Der größere Teil der CDC, der sich auf Serviceleistungen wie Marktforschung und Lohnabrechnung spezialisiert und 95 Prozent seines Umsatzes innerhalb der USA macht, wird künftig Ceridian Corporation heißen. Die Börse reagierte auf die Aufspaltung des Unternehmens positiv: Die Aktie stieg um rund 14 Prozent.

Inzwischen haben Silicon Graphics und NEC Interesse bekundet, bei CDSI, dem ehemaligen Geschäftsbereich Computer Products Group von Control Data, einzusteigen. Die Kalifornier möchten zehn Prozent erwerben, die Japaner, fünf Prozent. Diese Zahlungen, so der Geschäftsführer Deutschland Dieter Porzel, werden wie eine Kapitalerhöhung behandelt. Seit 1986 bezieht CDC Unix-Workstations und Server von Silicon Graphics, und auch zu Mips bestehen seit 1989 OEM-Vereinbarungen. Zu NEC gab es ebenfalls schon zuvor Verbindungen, da CDC seit Anfang diesen Jahres SX-3-Supercomputer von NEC in Europa und den USA vertreibt. Jetzt möchte CDSI NECs RISC-Produkte in das Systemintegrationsgeschäft mit aufnehmen.

Noch vor zwei Jahren, als die CDC fünf Geschäftsbereiche abstieß, kündigte das Unternehmen an, es wolle sich wieder auf die alten Stärken im Numbercruncher-Business besinnen. Dabei hatte es offensichtlich auf das falsche Pferd gesetzt: CDC mußte 1991 einen Verlust von rund 9,8 Millionen Dollar hinnehmen. Vor allem die stark sinkende Nachfrage bei den Großrechnern macht CDSI zu schaffen. Sorgten diese noch vor fünf Jahren für über 80 Prozent des Umsatzes, beträgt ihr Anteil jetzt noch gerade 50 Prozent - Tendenz stark sinkend.

Die jetzt gegründete CDSI streicht angesichts dieser Zahlen die Segel und plant, die Produktion der Cyber 2000 in den nächsten zwei Jahren einzustellen. Der deutsche CDSI-Geschäftsführer Dieter Porzel, begründet diese Entscheidung lakonisch: "Es will doch keiner mehr die alten Großrechner." Updates und Wartungen garantiere CDSI bis zum Jahr 2000, dann sollten die Kunden auf Unix-Systeme umsteigen, wobei das Unternehmen Migrationshilfen anbiete.

Mit der Stillegung der Großrechnerproduktion steigt CDSI vollständig aus der Hardwarefertigung aus, da alle restlichen Rechner von Silicon Graphics beziehungsweise von Mips bezogen werden. CDSI, vor zehn Jahren noch ein reiner Hardwarehersteller will sich künftig als Systemintegrator verstanden wissen.