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16.07.1999 - 

Verabschiedung für August geplant

Corba 3.0 verspricht eine stabile Standardarchitektur

MÜNCHEN - Die Spezifikationen zur Version 3.0 der Common Object Request Broker Architecture (Corba) sind weitgehend abgeschlossen. Sie versprechen eine langfristig stabile Architektur für die Entwicklung verteilter objektbasierter Kommunikationssysteme. Doch ihre Verabschiedung verzögert sich. Richard Soley, Chief Engineering Officer des Standardisierungskonsortiums Object Management Group (OMG), erläutert im Gespräch mit CW-Redakteur Sascha Alexander den Stand der Dinge.

CW: Teil des neuen "Component Model" von Corba 3.0 ist die Integration von Suns Komponentenmodell Enterprise Javabeans (EJB). Ist dies der Grund, weshalb der Release-Fahrplan in Verzug gerät?

Soley: Auf unserer Website steht "final specifica- tion", und wir hätten diese vor kurzem in Tokio auch beinahe verabschiedet. Im letzten Moment wollten die Teilnehmer dann aber doch noch abwarten, bis EJB 1.1 verfügbar ist. Es soll damit sichergestellt werden, daß die Architekturen auch wirk- lich kompatibel sind, das heißt, daß das Java-Mapping im Corba-Modell auch tatsächlich funktioniert. Jetzt ist die Abstim- mung auf Ende August vertagt worden.

CW: Hatte die OMG keinen Zugriff auf die EJB-Spezifikationen? Sun ist doch Mitglied?

Soley: Sie kennen doch die Java-Lizenzpolitik von Sun. Sie erlaubt die interne Verwendung des Quellcodes für die Entwicklung von Anwendungen. Benutzer dürfen aber keine Informationen nach außen geben. Daher konnte die OMG die EJB-Spezifikationen nicht öffentlich behandeln.

CW: Viele sprechen davon, daß Corba und EJB verschmelzen könnten. Und auch Sie sagten kürzlich, daß Applikations-Server beides benötigen.

Soley: Java-Entwickler werden feststellen, daß sie für die Entwicklung verteilter Systeme EJB und Corba brauchen. Schon heute kommuniziert EJB via Corba über das Netz und nutzt den Corba Transaction Service. Bis auf Microsofts "Transaction Server" unterstützen inzwischen alle Applikations-Server EJB und Corba. Es ist deshalb die Aufgabe der OMG und von Sun, beide Architekturen im Gleichklang zu halten. Das heißt aber nicht, daß EJB irgendwann einmal Cross-Language ist oder Corba nur noch Java unterstützt. Denn die Geschäftslogik wird nie ausschließlich in EJB-Komponenten stecken, sondern auch in anders geschriebenen Programmen. Laut IDC gibt es beispielsweise immer noch drei Millionen Cobol-Programmierer.

CW: Ist Sun ausreichend kooperativ?

Soley: Technisch gesehen sind die Objekt-Modelle von Corba und EJB sehr nahe miteinander verwandt. Das Java-Mapping war beispielsweise in beide Richtungen einfach. Politisch gesehen nimmt Sun an der Entwicklung des Component Model teil und macht auch bisher keine Anstalten, aus der Initiative auszusteigen, zumal seine Kunden Corba-Kompatibilität für ihre Projekte verlangen. EJB braucht Corba, um unternehmensweit einsetzbar zu sein.

CW: Brauchen Corba-Anwender auch die Unterstützung des Common Object Model (COM) von Microsoft?

Soley: Wir würden COM niemals ignorieren. Schon 1995 berücksichtigten wir das Modell in den Spezifikationen, unterstützen mit Corba 3.0 DCOM (Distributed COM) und werden uns auch mit COM+ beschäftigen, sobald es verfügbar ist. Aus einer Corba-Komponente läßt sich etwa problemlos eine COM-Beschreibung generieren. Bei DCOM gibt es allerdings kleine Unterschiede. Und auch Microsoft ignoriert uns nicht. Erst kürzlich hat das Unternehmen mit der Ankündigung von "Babylon" eine Unterstützung des Internet Inter-ORB Protocol (IIOP) bekanntgegeben. Das bedeutet, daß Corba überall zu Hause ist.

CW: Sie sprechen in der letzten Zeit viel über Services für vertikale Anwendungen. Konzentriert sich die Gremienarbeit in der OMG künftig auf diesen Teil der Object Management Architecture?

Soley: Bei uns laufen derzeit über 100 Standardisierungsprozesse parallel. Davon entfallen 68 auf die "Domain Interfaces" für den vertikalen Markt und auf "Business Objects". Dabei geht es nicht um Infrastrukturfragen sondern um Anwendungen wie Flugüberwachung, Zugriff auf Ressourcen in Anwendungen des Gesundheitswesens oder Management-Interfaces für Stromversorger. Die Hälfte der sogenannten Domain Interfaces ist allerdings vielseitig verwendbar und nicht nur für eine Branche gedacht.

CW: Sie sagten gerade, daß über 100 Spezifikationen geplant sind. Das klingt so, als sei Corba 3.0 noch lange nicht komplett.

Soley: Ich glaube, daß sich die Spezifikationen mit Corba 3.0 stabilisiert haben und in den nächsten Jahren keine größeren Veränderungen zu befürchten sind. Es wird allerdings Upgrades geben etwa zur Unterstützung von COM+. Im Bereich der Infrastrukturfragen können wir sicher auch ein besseres Mapping zwischen Unified Modeling Lan- guage und Interface Definition Language erwarten. Daneben wird sich auf dem vertikalen Markt einiges tun. Derzeit besteht zudem ein enormer Bedarf nach Anwendungen für Enterprise Application Integration (EAI). Die OMG überlegt daher, eine entsprechende Standardisierungsgruppe zu gründen.

CW: Wie verwenden Unternehmen Corba in der Praxis?

Soley: Zur Zeit setzen viele Unternehmen Corba in einem oder zwei kleinen Projekten ein. Wenn dann das Know-how aufgebaut ist und entsprechende Tools verfügbar sind, wird auch systemweit entwickelt. Vor allem in Japan und den USA sehen wir diesen Trend. Ein Beispiel ist etwa der US-Sender CNN, der Corba mittlerweile unternehmensweit einsetzt und alle möglichen Nachrichten in Text und Bild integriert. Die haben dort 350 000 Hits am Tag.

CW: Welches sind die Einsatzgebiete?

Soley: Normalerweise finden Sie Corba nur in großen heterogenen Umgebungen. Anwenderbeispiele sind die Federal Aviation Association, die Deutsche Flugsicherheit oder der US-Rückversicherer Lincoln National Reinsurance. Dieser nutzt Corba, um Daten aus dem Risiko-Management mit seinen Vertretern vor Ort auszutauschen, die die Informationen dann an Versicherungs-Unternehmen verkaufen.

CW: Gibt es heute schon genügend Produkte, die Corba unterstützen?

Soley: Zur Zeit dominieren noch herstellerspezifische Implementierungen. Ich bin aber sicher, daß es bald mehr standardisierte Produkte insbesondere von EAI-Herstellern geben wird.

CW: Wie ist die Akzeptanz von Corba in Deutschland?

Soley: Ich glaube, der deutsche Markt ist reservierter als andere. Die Anwender gehen vorsichtiger und organisierter an neue Techniken heran und möchten selbst bei Erfolg noch nicht über ihre Projekte sprechen. Dies war anfangs in den USA genauso, weil die Unternehmen den Einsatz von Corba als strategisch ansehen.

CW: Viele Anwender halten Corba für mühsam zu erlernen. Zugleich fehlen ihnen Fachleute. Manche wünschen sich etwa ein Vorgehensmodell für die Implementierung. Kann die UML eine Hilfe sein?

Soley: Ich glaube, Corba selbst ist nicht so schwer, aber verteilte Systeme zu entwickeln ist hart. Früher fehlten vor allem Tools für Corba, jetzt mangelt es in erster Linie an Kenntnissen. Ein einziges Modell gibt keinen Sinn, da sich die Hersteller auf verschiedene Einsatzgebiete und Märkte spezialisieren. Jedes Unternehmen muß deshalb selbst die Wahl bezüglich Bedarf, Performance, Preis und Plattformsupport treffen und dies vom Anbieter einfordern.

Was UML betrifft, so benutzen Anwender die Sprache für die Entwicklung von Corba-, EJB- oder gar COM-Systemen. Viele Corba-Anwender arbeiten allerdings nicht mit UML. Es sollte aber ein standardisiertes Mapping von UML zu Corba geben, damit man aus UML heraus automatisch einen Teil des Corba-Codes erzeugen kann. Wir arbeiten derzeit daran. Produkte wie "Rational Rose", mit dem sich C++-Code einem Reverse Engineering unterziehen und Corba-IDL erzeugen läßt, existieren bereits.

CW: Kann die OMG selbst beim Einstieg in Corba helfen?

Soley: Wir überlassen unseren Mitgliedern kostenlose Schulungsunterlagen einschließlich der Corba-Services Security und Authentifizierung. Ferner finden Inhouse-Tutorials statt, und auf unserer Website sind unter "Corba-Academy" über 50 weitere Kurse zu Corba angeboten.

CW: Die Open Group vergibt jetzt Zertifikate. Warum ist das nötig trotz des Standards?

Soley: Das frage ich mich manchmal auch. Ascii validiert doch auch keiner! Aber Unternehmen und insbesondere Regierungsstellen verlangen Zertifikate. Da die zur OMG gehörige Open Group damit Erfahrung hat, haben wir es ihr überlassen. Es ist ein sehr starkes Branding-Programm, dem sich ein Hersteller unterziehen muß, um die Auszeichnung "X Corba" zu bekommen. Erfüllt er später nicht die Auflagen, kann der Kunde sich bei der Open Group beschweren, und der Herstel- ler verliert unter Umständen das Gütesiegel. Fujitsu, AT&T, Deutsche Telekom und France Télécom haben bereits das Siegel.

Spezifikationen

Zu den wichtigen, in Corba 3.0 ergänzten Spezifikationen, gehören:

-Die Sun-Sprache wird künftig inklusive EJBs vollständig unterstützt;

-standardisiertes Code-Mapping;

-Firewall-Spezifikationen jeweils für den Transport- und Applika- tions-Layer;

-erstmals ist über das General Inter ORB Protocol (GIOP) auch eine bidirektionale Verbindung zwischen ORBs über IIOP möglich;

-interoperable Name Services;

-zu den speziellen Corba-Implementierungen gehört "Minimum Corba" als eine abgespeckte Version für Embedded-Systeme, "Real-time Corba" und "Fault Tole- rance for Corba" (noch in Planung);

-das Corba Component Model soll die Entwicklung von Corba-Komponenten erleichtern. So bietet der Corba-Komponenten-Container künftig von Haus aus Funktionen wie Persistenz, Transaktion und Security. Hinzu kommt ein einheitliches Format für die Verteilung von Corba-Komponenten über verschiedene Plattformen.