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27.09.1996 - 

System-Management via Internet

Corba oder DCOM: Microsoft schürt Unsicherheit bei Anwendern

Kaum ein Anwender setzt bislang Objekttechniken im unternehmensweiten System- und Anwendungs-Management ein, und niemand tut das bislang via Internet. Doch eine entsprechende Entscheidung steht derzeit in vielen Unternehmen an. Als designierter Standard galt bislang die von der OMG stammende Common Object Request Broker Architecture (Corba). Doch seit Microsoft mit einer verteilten Version der OLE-Technik das Thema plattformübergreifender Messaging-Verfahren aufgegriffen hat, sind Anwender und Industrie verunsichert. Dabei kennt bislang kaum ein Käufer die erste mit Windows NT 4.0 ausgelieferte Implemeniterung des Distribubed Common Object Model (DCOM).

"Wenn Microsoft sich einmal für einen Markt entschieden hat, dann nimmt man besser darauf Rücksicht", erklärt Christina Jette, Vizepräsidentin für Tools und unternehmensweite Anwendungsentwicklung bei der Neuron Data Inc., Mountain View, Kalifornien. Sie spielt damit auf eine Vereinbarung mit Computer Associates (CA) an, Microsofts verteilte Objekttechnik, insbesondere Active X, für das System-Management via Internet zu verwenden. Bei genauerem Nachfragen stellt sich jedoch heraus, daß es sich dabei keineswegs um ein exklusives Abkommen handelt. Laut CA-Cheftechniker Samuel Greenblatt setzt sein Unternehmen weiterhin auf Corba, wolle aber für alle Eventualitäten gerüstet sein (vgl. CW Nr. 36 vom 6. September 1996, Seite 13: "Web-Management für Microsoft").

Zweierlei Maß für OMG und Microsoft

Tatsächlich hat Corba einen mehrjährigen Entwicklungsvorsprung, der jedoch dahinschmelzen könnte, so einige Analysten, wenn sich die Organisation nicht um die konkreten Anwenderprobleme kümmert. Die Kunden suchten weniger nach Standards als nach konkreten Lösungen. So fordert Michael Kennedy, Industriebeobachter der Meta Group, Cambridge Massachusetts, die OMG auf, eine Schnittstelle auf Anwendungsebene zu schaffen. Ziel solle es sein, daß sich zum Beispiel ein Software-Objekt, das Rechnungen ausstellt, diese via Internet auf dem Rechner des Kunden ausdruckt. Zumindest ein Rahmenwerk für solche Verbindungen solle geschaffen werden.

Von derart konkreten Ansprüchen fühlt sich die OMG überfordert. Zu sehr würde das Gremium damit in die Kompetenzen einzelner Anbieter eingreifen. Dennoch gibt es dort inzwischen einige Arbeitsgruppen, die sich mit vertikalen, branchenspezifischen Anwenderproblemen auseinandersetzen. Die von dort zu erwartenden Ergebnisse sind den Analysten jedoch zu allgemein gefaßt. Hier, so argumentieren einige, läge die Chance von Microsoft.

Dabei wird jedoch übersehen, daß auch die Spezifikationen von Microsofts DCOM, Active X und Distributed OLE so vage sind, daß nicht einmal klar ist, welche der genannten Bezeichnungen momentan gilt. Wie der britische Branchendienst "Client Server News" unter Berufung auf Executive Vice-President Steve Ballmer meldet, ist Microsoft derzeit wieder dabei, den Begriff Active X neu zu definieren. Auch CA-Mann und OMG-Mitglied Samuel Greenblatt bestätigt, daß die Probleme der OMG mit Microsoft daher rühren, daß sich Microsoft bei Gestaltung seiner Objekttechniken grundsätzlich nicht festlegen möchte (vgl. CW Nr. 31 vom 2. August 1996, Seite 1: "OMG befürchtet Krach um Standards").

Diese Situation hilft den Anwendern wenig bei der Beantwortung der Frage, auf welche Technik sie beim System-Management via Internet setzen sollen. Einig sind sich die Analysten jedoch, daß Microsoft Vorteile aus der eigenen unklaren Haltung zieht. Das Unternehmen verzögert Investitionen in Corba.