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29.08.1997 - 

Erwartungen konnten nicht erfüllt werden

Corel begräbt Office für Java und setzt Schwerpunkt auf Netzprodukte

Corel hatte sich im vergangenen Jahr als eines der ersten Unternehmen voll und ganz der Sun-Programmiersprache Java verschrieben. "Mutig, aber äußerst riskant", kommentierte die Branche damals noch diese Entscheidung. Bereits im April dieses Jahres hatte das Unternehmen um Michael Cowpland eine Betaversion der Office-Suite zur Verfügung gestellt, die jedoch Testern zufolge aufgrund etlicher Programmierfehler sowie mangelnder Performance sehr zu wünschen übrig ließ.

Jeffrey Tarter, Analyst und Redakteur bei "Softletter" in Watertown, Massachusetts, interpretiert das Aus für "Office for Java" so: "Ich denke, sie haben erst geschossen und anschließend gezielt." Es sei zu keinem Zeitpunkt klar gewesen, ob der Markt überhaupt eine Java-basierte Version von Office verlange.

Diese These bestätigen auch Anwender wie die MIS-Managerin einer Rechtsanwaltskanzlei im Westen der USA. Obwohl die Firma bereits auf mehr als 3500 Wordperfect-Lizenzen vertraut, habe man nie verstanden, weshalb Corel urplötzlich eine Java-Version der Textverarbeitung auf den Markt bringen wollte.

Schärfer sehen es andere Marktbeobachter: Corel hatte sein Engagement seit vielen Monaten voll und ganz auf die Entwicklung mit Java und auf Office gestützt und seine klassischen Lösungen, etwa das Grafiksammelsurium "Draw", mehr als vernachlässigt.

Der Rückzug bedeute zwar nicht unbedingt auch das Ende für künftige Entwicklungen mit der Sun-Programmiersprache. Dennoch stehen die Kanadier im Moment mit leeren Händen da.

Mit Wordperfect, das Corel erst vor wenigen Monaten von Novell übernommen hatte, dem Workflow-Paket Corel Central und einer Lösung mit dem Codenamen "Remagen", das es mehreren Usern mittels einer Java Virtual Machine ermöglicht, auf Kopien von Wordperfect oder Microsoft Office via Java-Browser zuzugreifen, will Corel nun seine Zukunft bestreiten. Remagen ist für Dezember vorgesehen.

Die restlichen Bestandteile der Office-Suite sollen nach den Worten des Unternehmenschefs Cowpland hauptsächlich in die neue Version von Corel Central einfließen. Das Produkt - vergleichbar mit dem Lotus-Pendant Kona - wird mit Workflow-, Task- und Terminplanung sowie mit einer abgespeckten Push-Technologie ausgestattet. Doch während die IBM-Tochter ihre Lösung bereits im November 1997 in die Regale stellen möchte, ist die Auslieferung der Corel-Variante erst für den Sommer des kommenden Jahres geplant.