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14.06.1996 - 

Erste Eindrücke von Ventura 7

Corel rüstet DTP-Klassiker für den 32-Bit-Windows-Markt

Für professionelle Layouter will Corel mit Ventura 7 eine Alternative zum Marktführer "Pagemaker 6.01" von Adobe und zu "Quark Xpress 3.x" bieten. Da auf der umworbenen Windows-Plattform Quark bislang kaum, Pagemaker inzwischen jedoch stark vertreten ist, reduziert sich Corels Mitbewerb weitgehend auf Adobe. Von Ventura zumindest wird es vorerst keine Mac-Version geben.

Die Benutzeroberfläche zeigt sich mit drei wichtigen Neuerungen. Der "Ventura Navigator" ist ein Datei-Manager-Fenster, das sich wie der Windows-95-Explorer verhält und die Dokumentenverwaltung erleichtert. Wie in einer Datenbank sind alle Objekte einer Publikation in einem Hierarchiebaum aufgelistet - ein Doppelklick auf das Icon startet das entsprechende Objekt in seinem Ventura- Bearbeitungsmodul. Ein rechter Mausklick stellt im zugehörigen Kontextmenü relevante Befehle bereit.

Die "Ventura Library" ist eine Bibliothek, aus der sich Objekte (Text, Bild, OLE-Objekte etc.) entnehmen und per Klickziehen in ein Dokument einfügen lassen. Verwendet man aus der Bibliothek beispielsweise einen OLE-verknüpften Text, so werden die folgenden, im Originalobjekt vorgenommenen Änderungen auch in den damit verbundenen Textkopien aktualisiert. Derartige Objekte lassen sich von Teammitgliedern gemeinsam verwenden. Die "Property Bar" (Eigenschaftenleiste) zeigt alle relevanten Attribute eines Dokumententeils wie Schrift und Formatvorlage.

Sie verhält sich dabei wie ein Chamäleon: Je nach Kontext der Bearbeitung paßt sich ihr Inhalt der gerade aktuellen Aufgabe an. Die Leiste ist komplett anpaß- und verschiebbar. Dadurch erspart man sich das mühselige Suchen von Funktionen im Dschungel der Menü-Hierarchien, besonders während der Einarbeitungsphase.

Der Anwender kann in verschiedenen Fenstern gleichzeitig arbeiten und mehrere Dialogboxen simultan geöffnet halten. Die Werkzeuge für das Auszeichnen von Absätzen und Markierungen, für Tabellen und Positionsrahmen sowie umfließenden Text wurden verbessert beziehungsweise hinzugefügt. So ist der Benutzer nun in der Lage, Bézierkurven zu zeichnen und Text über einen Pfad laufen zu lassen. Die Tabellenfunktion bietet mehr als das recht einfache Gegenstück in Pagemaker: so etwa Autofill und Sortieren, Formeln, versetzte Zellen und Beschriftungen sowie mehrere Absätze pro Zelle.

Um Schriften auch auf Fremdrechnern optimal darstellen zu können, stehen zwei neue Techniken bereit. Mit "Truedoc" lassen sich Font- Informationen direkt in einer Publikation sichern, so daß sie nicht auf einem anderen System installiert werden müssen mit "Panose Font Matching" stehen Ersatzschriftarten zur Verfügung. Die Bearbeitung von Kerning-Einstellungen läßt sich sowohl Buchstabenpaar- (Kerning) als auch dokumentspezifisch (Tracking) durchführen.

Ein Schwerpunkt der Ventura-Neuerungen liegt im Erstellen elektronischer Dokumente. Das DTP-Programm unterstützt die Ausgabeformate HTML 2.0/3.0, Novell Envoy, Adobe Acrobat, Common Ground, CD-ROM und Viking. Viking ist ein Konverter, der HTML- Dokumente mit Java-Funktionalität versieht, so daß eine in Ventura erzeugte Web-Seite auch Java-Applets enthalten kann. Pagemaker unterstützt zur Zeit nur PDF/Acrobat und HTML. Für das CD-ROM- Publishing enthält Ventura Corels "CD-Creator 2.0". Außer Text lassen sich auch Audio- und Video-Dateien verarbeiten und mit Videorekorder-Schaltflächen versehen. Recht umfangreich ist die Unterstützung von Hyperlinks.

Auch die Multiuser-Fähigkeit von Ventura wurde erheblich verbessert und ist für DTP-Profis möglicherweise ein ausschlaggebendes Entscheidungskriterium. Ein Netzadministrator kann mit dem "Publication Manager" Zugriffsrechte für Publikationsobjekte vergeben und eine Benutzerverwaltung aufbauen. Das Modul "Corel Versions" stellt eine komplette Versionskontroll- und -archivierungsumgebung bereit. Die Revisionsverwaltung von "Corel Memo" gibt dem Benutzer die Möglichkeit, Notizen einzufügen.

Mit "Corel Script" wurde die lang vermißte Makroprogrammierung in Ventura realisiert. Im Editor lassen sich über Dialogboxen Makros bearbeiten und erweitern. Ventura verfügt über 99 Ebenen pro Dokument für Redo-Schritte beziehungsweise für die Wiederholung von Arbeitsvorgängen. Diese Funktion stellt natürlich hohe Anforderungen an den Arbeitsspeicher.

Ventura 7

Corel Ventura 7 ist auf dem besten Weg, mit dem Profipaket Pagemaker gleichzuziehen. Das 32-Bit-Programm enthält zahlreiche Verbesserungen bei den DTP-Techniken, die Möglichkeiten für das Electronic Publishing übertreffen sogar die der Konkurrenz. Außerdem verfügt das Upgrade über eine lang geforderte Makrosprache. Doch der Erfolg für Ventura 7 hängt nicht zuletzt von seiner Integration in die Corel-Grafikpalette ab. Unklar ist derzeit auch, mit welchem Farb-Management-System Ventura letztlich arbeiten wird. Auf der Ausgabe-Seite gibt es von Corel bislang keine Neuerungen. Bis zum Spätsommer/Herbst, wenn das Paket für etwa 1000 Mark zur Verfügung stehen soll, ist allerdings auch noch etwas Zeit. Das unter Windows 95 und NT laufende Programm benötigt reichlich Speicherressourcen: Beim RAM werden mindestens 16 MB empfohlen, die minimale Festplatteninstallation erfordert 60 MB, maximal sind es bis zu 238 MB.

*Michael Matzer ist freier Autor in Herrsching bei München.