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30.06.2000 - 

Erneut katastrophale Quartalszahlen

Corel steht das Wasser bis zum Hals

MÜNCHEN (CW) - Nach dem gescheiterten Merger mit Inprise/Borland sieht sich der angeschlagene kanadische Softwarehersteller Corel mit leeren Kassen, erneuten Quartalsverlusten und und sinkenden Aktienkursen konfrontiert.

Bei Corel stehen die Zeichen auf Sturm. Die soeben präsentierten Zahlen für das zweite Quartal bestätigten die Gewinnwarnung vom 15. Juni: Das Unternehmen wies einen Verlust von 23,6 Millionen Dollar aus. Im gleichen Quartal des Vorjahres hatte Corel noch einen Gewinn von 9,2 Millionen Dollar verbuchen können. Besonders kritisch sehen Beobachter das rasche Dahinschmelzen der Bargeldreserven: Während die Kanadier Ende des ersten Quartals noch über eine Kapitaldecke von 29,2 Millionen Dollar verfügen konnten, belaufen sich die disponiblen Mittel inzwischen nur noch auf 9,9 Millionen Dollar. Das in Ottawa ansässige Unternehmen hat nun öffentlich die Weiterführung seiner Geschäfte in Frage gestellt, sollte es in absehbarer Zeit nicht gelingen, Kosten einzusparen und zusätzliche Finanzmittel zu erhalten.

Eine kräftige Spritze erhofft sich Corel durch eine Kapitalerhöhung um sieben Millionen Stammaktien, die 20,5 Millionen Dollar in die Kassen spülen soll. Darüber hinaus will der Hersteller 40 Millionen Dollar an Kosten einsparen. Ein erster Schritt war die Entlassung von 320 Mitarbeitern, was 21 Prozent der Belegschaft entspricht. Durch die Kündigungen hat Corel rund elf Millionen Dollar weniger Ausgaben pro Jahr. In welchen Bereichen die ausstehenden 29 Millionen Dollar eingespart werden sollen, bleibt weiterhin offen, zumal das Unternehmen laut Chief Financial Officer John Blaine keine weiteren Beschäftigten entlassen will. Das Unternehmen denke jedoch auch nicht an den Verkauf einer der Produktlinien und suche keinen neuen Partner für einen Merger, so Blaine. Die geplante Übernahme von Inprise/Borland, die Corel den Zugriff auf 240 Millionen Dollar Barreserven eröffnet hätte, war in letzter Minute am drastischen Kursverlust der Corel-Aktie gescheitert. Nach einem Allzeithoch von 44,5 Dollar im letzten Dezember liegt die Bewertung des Papiers derzeit bei unter vier Dollar.

Das negative Ergebnis im vergangenen Jahr kam nicht zuletzt durch Einbrüche in Corels Kerngeschäft zustande. Das schlechte Abschneiden bewirkten laut Blaine vor allem die rückläufigen Verkaufszahlen im Grafikbereich und der "Wordperfect-Office"-Suite. Doch auch die Linux-Produkte haben sich wesentlich schlechter entwickelt, als von Corel erhofft. Den prognostizierten 20 bis 30 Millionen Dollar für das laufende Kalenderjahr stehen 4,9 Millionen Dollar im ersten Halbjahr erwirtschaftete Einnahmen gegenüber. Was bleibt, ist die Hoffnung, rechzeitig Mittel aus der angestrebten Kapitalerhöhung zu erhalten. Sollte das zusätzliche Eigenkapital bis Ende Juli gesichert sein, würden keine weiteren Finanzquellen benötigt.