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09.02.1996 - 

Novell beteiligt sich mit 20 Prozent am kanadischen Grafikspezialisten

Corel will mit Wordperfect Microsoft das Fuerchten lehren

Fuer die Uebernahme des Geschaeftsbereichs Business Applications, der das Softwarepaket "Perfect Office", die Textverarbeitung "Wordperfect" und die Tabellenkalkulation "Quattro Pro" umfasst, zahlt Corel ueber 190 Millionen Dollar. Novell erhaelt fuer den Verkauf dieser Produkte 10,75 Millionen Dollar in Cash sowie 9,95 Millionen Aktien der Corel Corp. Dies sind rund 20 Prozent der verfuegbaren Anteilsscheine, deren Kurs derzeit bei etwas ueber elf Dollar liegt. Ein zusaetzliches Lizenzabkommen ueber Novell-Technologien wie Groupwise oder Envoy garantiert den Netzwerkern in den naechsten fuenf Jahren Gebuehreneinnahmen in Hoehe von 70 Millionen Dollar.

Zu Bundling-Plaenen, die ueber die Integration von Groupwise und Envoy in das Perfect-Office-Pakete hinausgehen, machten die neuen Partner bis Redaktionsschluss keine Angaben. Seitens Novells hiess es lediglich, dass man sehr eng in Sachen Internet zusammenarbeiten wolle.

Andreas Zeitler, Geschaeftsfuehrer der deutschen Novell GmbH, gibt sich angesichts des Verkaufs zufrieden: "Zwar hat Novell sehr viel mehr bezahlt, als wir jetzt erloesen, aber wir behalten Technologien wie Groupwise und Envoy." Fuer Groupwise hat der Manager bereits grosse Plaene: Er moechte es als Standardplattform fuer Messaging etablieren.

Wordperfect-Abenteuer ueberforderte Novell

Netware-User begruessen den Verkauf von Wordperfect ebenfalls, doch nicht ganz so euphorisch. Nach ihrem Dafuerhalten haetten die Netzwerker die rund 650 Millionen Dollar, die Novell das Wordperfect-Abenteuer kostete, besser in die Weiterentwicklung des Netzwerk-Betriebssystems investiert. So fragt sich Ray Jarosik von der Medtronic Inc. in Fridley, was er von einem Unternehmen halten soll, das nicht in der Lage ist, einen NDS-Client fuer Windows 95 auf den Markt zu bringen, waehrend Microsoft bereits seit Monaten einen eigenen Requester anbietet.

Bei Microsoft und dem neuen Betriebssystem Windows 95 sieht Zeitler denn auch einen der Gruende, warum Novell mit Wordperfect scheiterte: "Die Verzoegerungen haben im Vorfeld zu einem zurueckhaltenden Kaufverhalten bei den Kunden gefuehrt." Entwicklerkapazitaeten seien unnoetig lange gebunden gewesen. Dazu kamen hausgemachte Fehler: "Unser Know-how liegt im Networking, uns fehlte die Erfahrung in der Vermarktung von Produkten wie Wordperfect."

Ueber einen Mangel an Erfahrung im Consumer-Geschaeft muessen dagegen die kanadischen Grafikspezialisten nicht klagen. Angesichts des verbreiterten Produktportfolios gibt sich der neue Wordperfect-Eigner Michael Cowpland, CEO und President von Corel, siegessicher. Er kuendigt Microsoft bereits einen harten Wettbewerb an. "Wir werden eine Pepsi-Coke-Situation haben", verspricht Cowpland in Anspielung auf den heissumkaempften Softdrink-Markt.

Fragt sich nur, ob Cowpland die Rechnung nicht ohne die Kunden gemacht hat. Denn waehrend Novell fuer die Textverarbeitung Wordperfect noch einen Marktanteil von 50 Prozent ausweist, errechnen Analysten einen bescheidenen Anteil von fuenf Prozent. Im Gegensatz zu den Novell-Berechnungen beziehen die Beobachter in ihre Kalkulationen auch den Suite-Markt ein, ueber den fast 90 Prozent der Textverarbeitungen abgesetzt werden. Und dieses Segment dominiert Microsoft mit 90 Prozent Marktanteil.