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09.08.2002 - 

E-Procurement/Aufträge fließen in verschiedene ERP-Systeme

Corporate Express erfüllt Kundenwünsche online

Als Anbieter von Büroartikeln waren die Verantwortlichen von Corporate Express früh gefordert, E-Procurement-taugliche Produktkataloge bereitzustellen: Büromaterial gilt als für die elektronische Beschaffung besonders geeignet. Pannen kann sich das Unternehmen dabei nicht leisten; Kunden wie DuPont oder die Lufthansa zu vergraulen wäre für den Anbieter mit Sitz in Stuttgart tödlich. Von Matthias Ahrens*

Um einen reibungslosen Austausch von Geschäftsdaten zu garantieren, investierte Corporate Express vor zwei Jahren weltweit über 200 Millionen Mark in DV-Systeme, die das Unternehmen fit für das E-Business machen sollten. Das Ziel lautete, die Prozesskosten im eigenen Haus sowie bei den Kunden merklich zu senken und als Vorzugslieferant attraktiv zu bleiben. Für den strategischen Ansatz, moderne Internet-Technik mit intelligenten logistischen Prozessen zu kombinieren, ließ sich das Management seinerzeit leicht gewinnen. CIO Holger Kießling: "Um eine Erfolgsstory im E-Business zu schreiben, mussten wir auch unseren Kunden helfen, ihre Prozesskosten zu reduzieren."

Kunden fordern reibungslosen Datenverkehr

Welche Resultate intelligente Anwendungen erzielen können, zeigt das Beispiel des Flughafens Frankfurt am Main (FAG). Dessen 1998 vom Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) ausgezeichnete Einkaufslösung trug dazu bei, dass die Prozesskosten pro Bestellung nicht strategischer Artikel (C-Artikel) um fast 90 Prozent auf durchschnittlich 36 Mark sanken, während die FAG-Angestellten auf ihre Ware nicht mehr wie zuvor etwa 30, sondern nur noch drei Tage warten mussten. Bei rund 36000 Bestellungen pro Jahr kam seinerzeit unter dem Strich ein hübsches Sümmchen zusammen.

Großkunden wie FAG, DuPont oder Lufthansa treten ihren Lieferanten gegenüber sehr anspruchsvoll auf. Sie verlangen einen reibungslosen Datenverkehr. Weil Produkte und Lieferanten im Handel mit Büroartikeln ziemlich austauschbar sind, leiden die Anbieter unter erheblichem Margen- und Preisdruck. Um sich im Wettbewerb zu behaupten, müssen Unternehmen wie Corporate Express also eine kostengünstige Auftragsbearbeitung mit hohem Automatisierungsgrad offerieren und zugleich auf die spezifischen Kommunikationsanforderungen der Kunden individuell eingehen können.

Technisch steht Corporate Express also nicht nur vor der Aufgabe, die internen Prozesse zu integrieren; vor allem müssen viele Warenwirtschafts- und Buchhaltungssysteme von Geschäftspartnern, Kunden und Lieferanten sowie nicht einheitlich kommunizierende E-Procurement- und Marktplatzanwendungen unter einen Hut gebracht werden. Corporate Express sowie seine internationalen Tochtergesellschaften setzen verschiedene ERP-Systeme ein: von Baan in Deutschland über SAP in den Niederlanden bis hin zu ASW in Schweden. Um den Datenverkehr überschaubar steuern zu können, haben die IT-Spezialisten im Haus mit der Programmierung von Schnittstellen also genug zu tun.

Die größere Aufgabe besteht jedoch darin, Shop-Systeme von Ariba, Commerce One, Intershop oder SAP-BBP anzubinden und für Marktplätze wie Emaro, Quibiq, T-mart, CC-Chemplorer und andere gleichermaßen offen zu sein. Um die für Lieferanten typischen E-Business-Anforderungen zu erfüllen, müssen elektronische Katalogdaten in unterschiedlichen Formaten wie Pricat, BMEcat und weiteren XML-Derivaten zur Verfügung stehen. Darüber hinaus ist zu gewährleisten, dass der automatische Versand und Empfang von Bewegungsdaten wie Bestellungen, Auftragsbestätigungen oder Rechnungen über verschiedene Kommunikationskanäle wie Mail, X.400, FTP oder MQ Series störungsfrei ablaufen kann. Und nicht zuletzt wollen sich Einkäufer der Kunden in Echtzeit online über den Lagerbestand informieren, was ohne direkten Zugriff auf das ERP-System von Corporate Express unmöglich ist.

Neben der Reduzierung von Prozesskosten erwarten die Entscheider schnellere und schlankere Abläufe. Das alles soll sicher über die Bühne gehen, ohne dass Medienbrüche auftreten. Bestellte vor dem laufenden Projekt ein Kunde diverse Büroartikel über die Web-Seite, wurde der Auftrag zwar automatisch an einen Mitarbeiter weitergeleitet. In das Warenwirtschaftssystem musste die Order jedoch von Hand eingegeben werden. Ein weiterer Sachbearbeiter stand parat, um die Logistik der Lieferung zu organisieren und abzuwickeln.

Inzwischen befindet sich Corporate Express voll auf elektronischem Kurs. 2003 soll das digitale Geschäft mit anderen Unternehmen einen Anteil von 80 Prozent am Gesamtumsatz aufweisen. Bei der Suche nach einer technischen Basis entschieden sich die Verantwortlichen um CIO Kießling und E-Business-Leiter Sven Wachtel für die "Business Integration Suite" von Seeburger.

Bereits 650 Geschäftspartner angeschlossen

Zur Auswahl standen auch die europäischen Anbieter TIE und Esperanto, schieden aber frühzeitig aus dem Wettbewerb aus. Bis zur Entscheidung blieb Webmethods der stärkste Wettbewerber. Dessen Software wird bereits in der nordamerikanischen Vertriebsregion von Corporate Express eingesetzt. Dass letztlich Seeburger den Zuschlag bekam, lag neben seiner breiten Branchenerfahrung und der nachgewiesenen Kompetenz in der Integration von verschiedenen ERP-Systemen vor allem an der besseren Beherrschung des Themas EDI beziehungsweise Edifact. Ein weiterer Pluspunkt ist die Vertriebs- und Consulting-Struktur des Softwarehauses, das in vielen europäischen Ländern vertreten ist und deshalb das geplante internationale B-to-B-Projekt von Corporate Express angemessen flankieren kann.

Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen hat die Softwaresuite von Seeburger, bestehend aus "Business Integration Server" und "Business Integration Converter", einen wichtigen Vorteil: Sie beherrscht die meisten Branchen- und Industriestandards wie BMEcat, XML, cXML, xCBL sowie die europäischen Standards von Edifact. Eine Anforderung, an der sich insbesondere US-amerikanische Anbieter die Zähne ausbeißen: Selbst mit den europäischen EAN-Strichcodes auf Waren sind viele amerikanische Systeme nicht kompatibel.

Nach Abschluss der erfolgreichen Pilotprojekte wurden die Softwaresysteme im November 2000 installiert, und bereits wenige Wochen später waren die ersten Kunden und Lieferanten eingebunden. Dabei bestand das Projektteam nur aus Corporate-Express- und Seeburger-Mitarbeitern, Fachkräfte von Beratungsgesellschaften waren nicht erforderlich.

Die Suite läuft unter Windows NT auf einem Anwendungs- und einem Datenbank-Server. Im Februar 2002 wurde die Hardwarekonfiguration als Backup um einen weiteren Server ergänzt. Der "Dual Xeon" mit 1 GB RAM ist auf 1,5 Gigahertz getaktet und mit einem Raid-Festplattenlaufwerk mit 150 GB Fassungsvermögen ausgestattet.

Über XML-Kataloge liefert Corporate Express nun auch an externe E-Procurement-Systeme und Marktplätze. Von Siemens, das die E-Procurement-Lösung "Ecos Order" von Healy Hudson installiert hat, sowie von Lufthansa Airplus (XML-Order) kommen voll automatisierte Bestellungen herein. Ein Mail-Modul nimmt sie entgegen und übermittelt sie an den Business Integration Server. Über das Mail-Modul werden aber auch Bestellungen aus anderen Quellen wie beispielsweise einem Web-Shop eingespielt. Nachdem die Aufräge in das Format Baan Emis konvertiert worden sind, verbuchen sie sich selbsttätig im Warenwirtschaftssystem.

Doch die Integration zahlreicher Fremdsysteme ist längst nicht abgeschlossen. Nachdem zunächst die Nachrichtenformate SAP XML Idoc (Intermediate Document), die EDI-Spezifikation VDA4913 von Daimler-Chrysler sowie Edifact integriert wurden, hat Corporate Express jüngst vom BME als bisher einziges deutsches Unternehmen das BMEcat-Zertifikat verliehen bekommen. BMEcat ist ein Standardformat für den Produktdatenaustausch, der sich insbesondere unter deutschen Zulieferern im C-Artikel-Bereich durchgesetzt hat.

Ende 2001 haben sich cXML von Ariba sowie xCBL von Commerce One hinzugesellt. Beispielsweise setzt Corporate-Express-Kunde DuPont das E-Procurement-System "Ariba Buyer" ein. Die dort im cXML-Format erzeugten Bestellungen landen auf dem zentralen Web-Server von Corporate Express, wo sie per File Transfer Protocol (FTP) von Seeburgers Business Integration Server abgeholt werden. Nachdem das System die Bestellungen auf die nationalen Gesellschaften verteilt hat, werden sie gemäß den hinterlegten Workflow-Regeln an die jeweiligen ERP-Systeme weitergeleitet. Wegen der Vielzahl der im Corporate-Express-Konzern eingesetzten Enterprise-Resource-Plannig-(ERP-)Systeme mit ihren proprietären Inhaus-Formaten werden die Daten vom Business Integration Converter während des ablaufenden Workflows in die jeweils benötigten Formate (SAP Idoc, Baan Emis etc.) umgewandelt.

Mittlerweile sind 650 Geschäftspartner an die B-to-B-Lösung angeschlossen. Durchschnittlich werden 2050 Workflows pro Tag abgewickelt; mittelfristig will man den Traffic auf 4500 elektronische Vorgänge ausweiten. Zuletzt hat Corporate Express den Beschaffungsmarktplatz CC-Chemplorer (Commerce One) angebunden. Durch diesen Knotenpunkt erwartet das Unternehmen einen starken Anstieg des zu verarbeitenden Datenvolumens. (rg)

*Matthias Ahrens ist freier Journalist in München.

Das Unternehmen

Corporate Express, Tochter des niederländischen Buhrmann-Konzerns, handelt mit Dienstleistungen und Gütern für den Bürobedarf. An 52 Standorten in Deutschland beschäftigt der Anbieter rund 1900 Mitarbeiter. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart erzielte 2000 einen Umsatz von etwa 960 Millionen Mark. Mit mehr als 26000 Mitarbeitern in 30 Ländern erwirtschaftete der Mutterkonzern einen Umsatz von zirka 18 Milliarden Mark.