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31.01.1992 - 

Schweizer TK-Multi schließt Konsolidierung von Timeplex ab

Corporate Networking: Ascom strebt Spitzenplatz im Markt an

BERN/WOODCLIFF LAKE (gh) - Das Netzwerk-Business wird sich an einen neuen Namen gewöhnen müssen: Die Ascom AG jedenfalls hegt entsprechend ehrgeizige Pläne und will im Bereich der Unternehmensvernetzung zu einem bedeutenden Wettbewerber avancieren. Im Zuge einer konzernweiten Umstrukturierung haben die bisher als TK-Anbieter bekannten Schweizer den Geschäftsbereich "Enterprise Networks" gegründet, dessen Kern die neue Division Ascom Timeplex bildet.

Bereits seit knapp einem Jahr macht der Schweizer Konzern für Telekommunikation und Dienstleistungsautomatik durch eine international angelegte Akquisitionspolitik von sich reden. 1987 aus der Fusion der Hasler Holding AG mit der Autophon AG und einer 50-Prozent-Beteiligung an der Zellweger Telecommunications AG entstanden, ist der in Bern ansässige TK-Monopolist derzeit dabei, seine Betätigungsfelder neu abzustecken Neben der Übernahme des finnischen Telecom-Stromversorgungsunternehmens Fiskars sorgte vor allem die Gründung eines Joint-venture-Unternehmens für die Entwicklung und Vermarktung von TK-Übertragungstechniken zusammen mit dem schwedischen TK-Multi Ericsson für Aufsehen.

Jüngster Coup des Ascom-Managements unter Führung des seit Anfang 1991 amtierenden Präsidenten der Konzernleitung, Leonardo E. Vannotti, ist die Integration des auch im vergangenen Jahr erworbenen amerikanischen Netzhardware-Anbieters Timeplex in die Ascom-Holding. Mit Ascom Timeplex nehmen die Verantwortlichen in Bern einen Markt ins Visier, den sie selbst mit dem Begriff Corporate Networks umschreiben.

Im einzelnen soll hier neben dem bisherigen, traditionellen Stammgeschäft der TK-Vermittlungsanlagen und Systemendgeräte vor allem der Bereich Enterprise Networks - definiert als die Vernetzung unternehmensweiter DV-Strukturen und die Bereitstellung von Netz-Management-Kapazitäten - zu einem internationalen Kerngeschäft für Ascom ausgebaut werden.

Ascom-Chef Vannotti wertete vor deutschen Journalisten den Deal mit Timeplex als "eine tiefgreifende Veränderung der Unternehmenskultur bei Ascom". Immerhin betreten die Eidgenossen mit einer solch intensiven Geschäftsausrichtung auf das Networking im Grunde genommen völliges Neuland.

Wenn der Schweizer TK-Riese - innerhalb der Schweiz marktbeherrschend, weltweit aber nur der elftgrößte TK-Anbieter - im Konzert der Großen weiter mitspielen möchte, muß das Unternehmen, wie Vannotti betonte, verstärkt neue internationale Wachstumsmärkte bedienen.

Ziel der Ascom-Verantwortlichen ist daher, so Vannotti bis zum Ende des Jahrzehnts 70 Prozent des Umsatzes (im Geschäftsjahr 1991 voraussichtlich 2,1 Milliarden Dollar) außerhalb der Schweiz zu generieren und zu einem "Major Player" in ausgewählten Marktsegmenten zu werden.

Ascom-Chef Vannotti: "Wollen zum Major Player im Corporate Networking werden".

Einen der künftigen weltweiten Wachstumsmärkte sieht man dabei in Enterprise Networks. Neben der Schweiz ist hier nach Angaben von Vannotti für Ascom vor allem der EG und US-Markt von entscheiden der Bedeutung - deshalb auch die Wahl von Timeplex als Juniorpartner für das ehrgeizige Projekt, im unternehmensweiten Networking mit Komplettlösungen zu einer Marktgröße aufzusteigen.

Immerhin gilt die US-Company aus dem Bundesstaat New Jersey und ehemalige Unisys-Tochter als weltweit führender Anbieter von WAN-Technologie, sie wies zuletzt einen Jahresumsatz von rund 250 Millionen Dollar aus.

Der ehemalige Timeplex-Chef Dewaine Osman, der sich nun in die Hierarchie des Ascom-Managements einreihen und künftig an den für den Bereich Enterprise Networks zuständigen Ascom-Direktor Emanuel Hafner berichten mußt sprach bei der offiziellen Präsentation von Ascom Timeplex von dem strategischen Ziel für seine Division, "im Enterprise Networking weltweit die Nummer eins zu werden." Um dies zu erreichen, will die neue Ascom-Tochter mit einer dicht gestaffelten Vertriebsorganisation an den Start gehen. Vier Dependancen in der Bundesrepublik, Italien, der Schweiz und den Benelux-Staaten werden die bereits bestehenden, ehemaligen Timeplex Niederlassungen in Frankreich, Hongkong, Australien, Neuseeland, Kanada und den USA ergänzen.

"Wir wollen künftig nicht nur mit Hardware, sondern auch mit kompletten Netzwerk-Lösungen in den Markt gehen" unterstrich Osman dabei das Networking-Engagement von Ascom Timeplex. Über die erweiterten Vertriebskanäle soll daher nicht nur weiterhin die gesamte, bisherige Timeplex-Produktpalette von T1/E1- und T3/E3-Multiplexern, Bridges, Routern und X.25-Netzen angeboten werden. Angekündigt hat Ascom Timeplex vielmehr auch eine neue Produktfamilie von High-Speed-WAN-Vermittlungssystemen auf Sonet-/SDH-Basis, die darauf ausgerichtet sind, sowohl TDM und Frame Relay als auch zukünftige Breitband-Technologien zu unterstützen, einschließlich ATM/Cell Relay Sonet/SDH, SMDS und ISDN.

Die neue "Synchrony"-Familie ist zu bestehenden Links kompatibel und ermöglicht laut Ascom Timeplex die Unterstützung einer Reihe neuer Applikationen, zum Beispiel LAN-Internetworking und Host-zu-Host-Channel-Kommunikation sowie Multimedia-Übertragungen unter Einbeziehung von Sprache, Video und Datenformaten auf Bildbasis. Dadurch soll Benutzern ermöglicht wer den, problemlos auf neue Breitband-Technologien umzurüsten.

Marktpremiere mit einem neuen Produkt will die jüngste Ascom-Tochter mit "Synchrony 300", dem ersten Mitglied der Synchrony-Produktfamilie, feiern, das voraussichtlich Mitte 1993 auf den Markt kommt. Das System bietet nach Angaben von Ascom Timeplex eine blockfreie Vermittlungskapazität von 300 Mbit/s und kann durch das Hinzufügen von Steuerelementen in seiner Kapazität erhöht werden oder mittels zusätzlicher Module Datenblock- und/oder Zellübertragungsdienste integrieren. Der Preis für Synchrony 300 wird je nach Konfiguration zwischen 100 000 und 300 000 Dollar betragen.