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03.11.2000 - 

Herkömmliche Lösungen genügen wachsenden Ansprüchen nicht

Corporate Networks brauchen eine Meta-Intelligenz

Die wachsende Zahl von Nutzern und Kommunikationsdiensten, neue Technologien und steigende Qualitätsanforderungen lassen die Ansprüche an das Netz-Management in großen Unternehmen wachsen. Doch die meisten Systeme dieser Art lassen die notwendige Fähigkeit zur Abbildung der gesamten Infrastruktur, zur verursachergerechten Kostenzuordung, zur Garantie von Qualitätsstandards sowie zur proaktiven Steuerung vermissen. Stefan Brock* fordert daher ein Management auf der Meta-Ebene für eine intelligente Betriebsunterstützung ein.

Nicht nur im öffentlichen Markt, auch in den Unternehmen wachsen die Anforderungen an die Kommunikationsmedien. Sie treiben die Entwicklung der Technik immer schneller voran. Das Ergebnis ist eine geradezu explodierende Komplexität auf allen Ebenen. Damit entsteht die neue Herausforderung, das Netz-Management dieser Komplexität und Dynamik anzupassen.

Komplexitätsschub ist unausweichlichBei der Sprachkommunikation erwartet der Nutzer über kurz oder lang integrierte, transparente Lösungen, bei denen je nach Bedarf der geeignete Transportweg gewählt wird. Ähnliches gilt für die Verschmelzung von Sprach- und Datennetzen. Gleichzeitig werden immer mehr geschäftskritische Prozesse von traditionellen Corporate Networks auf das Internet verlagert. Die Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Netzen werden fließend.

Einen weiteren Komplexitätsschub bringen die wachsenden Qualitätsansprüche im Business-to-Business mit sich. Dazu trägt insbesondere der Trend zu "virtuellen Unternehmen" bei. Mitarbeiter an unterschiedlichen Standorten kooperieren bereichsübergreifend. Statische Strukturen werden mehr und mehr durch dynamische Organisationsformen wie das Projekt-Management ergänzt oder gar abgelöst. Das bedeutet: Nur über effiziente Kommunikationsmedien können die Mitarbeiter überhaupt zusammenarbeiten, und die Anforderungen jedes Einzelnen wechseln kurzfristig. Geschäftsprozesse werden zunehmend im Internet abgebildet. Auch Kunden, Lieferanten und Partner werden immer stärker in die Abläufe einbezogen.

Datenflüsse erfassen, analysieren und zuordnenVor diesem Hintergrund hat sich die Unternehmenskommunikation vom reinen Kostenfaktor zur strategischen Waffe im Wettbewerb weiterentwickelt. Folglich steigen auch die Anforderungen an das Netz-Management. Die an verschiedenen Orten, über unterschiedliche Dienste in konvergenten Netzen entstehenden Datenflüsse müssen erfasst und so analysiert werden, dass sich Kosten verursachergerecht zuordnen lassen. Nur so kann den Anforderungen eines modernen Controllings in dezentralen Unternehmen Rechnung getragen und die unkontrollierte Explosion der Datenvolumina verhindert werden. Gleichzeitig ist dies die Voraussetzung, um die Netze zu verbessern. Außerdem sollte jeder Mitarbeiter jeden Dienst, den er benötigt, zu jeder Zeit an jedem Ort in bestmöglicher Qualität nutzen können. Das ist nur möglich, wenn sowohl die Bereitstellung der Dienste über alternative Netzzugänge und -techniken als auch die Einhaltung definierter Qualitätsstandards automatisiert abgewickelt werden.

Die meisten Netz-Management-Systeme sind der neuen Komplexität und Dynamik nicht gewachsen. Sie spiegeln noch immer weitgehend die alte Welt wider. Zwar können einzelne Prozesse verbunden werden, doch um eine integrierte Gesamtsicht auf alle Netze und Dienste sowie eine vorausschauende, aktive Steuerung zu erzielen, ist eine Meta-Intelligenz erforderlich. Mit ihr können die einzelnen Netz-Management-Systeme mit Vorgaben versorgt und gleichzeitig die dort gespeicherten Statusinformationen abgegriffen und aggregiert werden. So lässt sich umfassender, intelligenter Operation-Support realisieren.

Dadurch lassen sich auch Accounting- und Netzstatusdaten über unterschiedliche Netztechnologien hinweg an der Quelle einsammeln. Sie können nach beliebig definierbaren Kriterien - Verursachern, benutztem Service, Applikationen, Volumen, Dauer etc. - aufgeschlüsselt und den jeweiligen Kostenstellen zugeordnet werden. Unterschiedliche Nutzungsintensität und Qualitätsanforderungen werden so transparent abgerechnet. Über Schnittstellen lassen sich die Daten direkt an die Finanzsysteme (zum Beispiel SAP R/3) übergeben. Gleichzeitig erhalten die Netzadministratoren ein Gesamtbild des Netzverkehrs. Sie können kritische Engpässe analysieren und ihr Angebot entsprechend dem Kundenverhalten gestalten. Die vielzitierte "lernende Organisation" rückt ein Stück näher.

SLAs via Workflow bereitstellen und aktivierenVerbesserungspotenzial birgt die Meta-Intelligenz bei der Bereitstellung (Provisioning) der Dienste. In großen Organisationen mit Zehntausenden von Mitarbeitern, deren Kommunikationsbedarf sehr unterschiedlich ist und mit jeder Aufgabe wechseln kann, reicht die zeitraubende und umständliche Einrichtung über die einzelnen Auftragserfassungssysteme nicht mehr aus. Die Netzverantwortlichen benötigen daher eine einheitliche, standardisierte Schnittstelle, an der sie zentral festlegen, welche Applikationen, Services, Qualitätsstandards etc. jeder Mitarbeiter nutzen kann und welche Parameter zulässig sind. Die entsprechenden Ressourcen werden dann per Workflow mit vordefinierten Service-Level-Agreements (SLAs) bereitgestellt und automatisch aktiviert.

In einer dynamischen Organisation sollten SLAs sowohl in standardisierter (etwa für bestimmte Projektteams, Bereiche oder Funktionen) als auch in individueller (für jeden Mitarbeiter) Form umzusetzen sein. Wichtig ist es, die Einhaltung der Parameter permanent zu überwachen und automatisch sicherzustellen. Beim Anmelden des Nutzers wird zum Beispiel automatisch die vereinbarte beziehungsweise die für die geforderte Qualität notwendige Bandbreite reserviert.

Alternativ dazu lassen sich entsprechenden Ressourcen dynamisch zuweisen: Bestimmte Anwendungen, Dienste, Protokolle oder Netzwerkadressen werden priorisiert, so dass bei Engpässen unternehmenskritische Anwendungen Vorrang haben. So lassen sich Netzwerke über Geschäftsregeln steuern (Policy-based Networking).

Ein Szenario soll verdeutlichen, wie eine solche Meta-Intelligenz den gesamten Netzbetrieb verändern kann. In einem Unternehmen mit mehreren tausend Beschäftigten soll ein neuer Mitarbeiter DV-technisch eingebunden. Er wird über ein ERP für den Beginn des nächsten Quartals vorgemerkt. Die Meta-Ebene wird von dieser Neueinstellung informiert und vergibt ein der Position entsprechendes Profil. Beispielsweise erhält ein Projektleiter während einer Voice-over-IP-Session die beste verfügbare Qualität, ein Entwickler hingegen darf bei seinen mehrmals täglich anfallende Kompilierungsvorgängen nicht eingeschränkt werden. Über APIs werden das ERP-System, das Unternehmensnetz und die Auftragssysteme informiert. Sie sorgen dafür, dass die verlangten Dienste am Tag X bereitstehen und abgerechnet werden.

Netz-Management meint AutomatisierungMeldet sich nun der Nutzer an, erkennt das Netz sofort, welche Applikationen, Dienste, Netze und Qualitätsmerkmale er nutzen kann und welches Medium notwendig ist, um die Qualitätsvorgaben des SLA zu erfüllen. Im Büro erhält er etwa einen ADSL-Zugriff auf ein Breitbandnetz; im Außendienst erfolgt der Netzzugang über eine UMTS-Schnittstelle.

Bei Engpässen im Netz wird nach Prioritätsvorgaben entschieden - etwa "Kommunikation mit Kunden hat Vorrang vor internen Verbindungen". Die TMN-Systeme (TMN = Telecommunications Management Networks) der einzelnen Netze leiten die Status-Informationen an die Meta-Ebene weiter, die bei Bedarf wiederum steuernd eingreifen kann. Automatisch gehen die Daten auch zum ERP-System, das die Kostenstellen belastet. So erhält der Begriff "Management" auch in einer immer komplexeren TK-Welt wieder seine Berechtigung.

*Stefan Brock ist Vorstand der Traian Internet Products AG in Bonn.

Abb.1: Service-Level-Agreements

Für Bereiche, Projekte oder jeden Mitarbeiter werden Qualitätsvereinbarungen definiert. Die Service-Level-Agreements (SLAs) müssen bereits beim Einrichten von Diensten berücksichtigt, und deren Einhaltung im Betrieb sichergestellt werden. Quelle: Traian

Abb.2: Abrechnung von Kommunikationsdiensten

Um Kommunikationskosten verursachergerecht abrechnen zu können, müssen die Daten erfasst, aufgeschlüsselt und den einzelnen Kostenstellen zugeordnet werden. Quelle: Traian