Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

31.10.2003 - 

Anwender von älteren Releases als 4.6C müssen umsteigen

Countdown für R/3-Upgrade

31.10.2003
MÜNCHEN (fn) - Bei SAP fallen R/3-Releases vor der Version 4.6C Ende des Jahres aus der Standardwartung. Nur gegen eine höhere Gebühr können Anwender den Wartungszeitraum bis Ende 2004 ausdehnen. Danach gibt es zwar noch Basissupport, aber keine vollständige Wartung für Altsysteme. Wer in vollem Umfang Maintainance-Leistungen der SAP beziehen will, muss bis spätestens Ende nächsten Jahres auf R/3 4.6C oder "R/3 Enterprise" migriert haben.

Wie alle Softwarehersteller ist auch SAP daran interessiert, möglichst wenige verschiedene Releases pflegen zu müssen. Zudem möchte der Softwarekonzern, dass seine Kunden auf die moderneren Produkte setzen, da sie nur dann zu den potenziellen Abnehmern der "Mysap"-Produktlinie und der Infrastrukturplattform "Netweaver" werden können. Aus diesen Gründen kündigten die Walldorfer an, ältere Releasestände als 4.6C nur noch bis Ende dieses Jahres zu den üblichen Konditionen zu warten. Betroffen sind Anwender von R/3 3.1i, 4.0B, 4.5B oder 4.6B. Sie müssten noch in diesem Jahr auf 4.6C oder auf das aktuelle ERP-Release R/3 Enterprise migrieren, um zu den gleichen Konditionen wie bisher Wartungsdienste in Anspruch nehmen zu können. Gegen eine erhöhte Gebühr von 19 statt 17 Prozent verlängert SAP die Standardwartung bis Ende 2004. Danach erhalten Anwender zwar noch Basissupport und Patches, jedoch keine gesetzlichen Änderungen für Module wie HR und FI. Außerdem garantiert SAP nach 2004 nicht mehr, dass auch weiterhin ein direkter Umstieg auf R/3 Enterprise für alle Alt-Releases möglich ist. Unter Umständen müssen Kunden, die die Frist verstreichen lassen, ein mehrstufiges Upgrade vollziehen.

Der Zeitpunkt für einen Releasewechsel kommt für viele Anwender denkbar ungünstig: Wegen knapper IT-Budgets fällt ihnen der Umstieg auf ein neueres Release schwer. Außerdem lässt sich der Firmenleitung schwer vermitteln, dass diese Investition notwenig ist: Nur bei sehr alten Systemen bringt ein Upgrade genügend neue Funktionen mit sich, die einen Umstieg rechtfertigen würden.

Wegen des Aufwands für eine R/3-Migration dürfte für viele Kunden ein Upgrade noch in diesem Jahr nicht in Frage kommen. "Für die meisten Kunden mit alten Programmen ist eine Wartungsverlängerung das Maß der Dinge", stellt Oliver Kohlmann, Operations Manager bei Unilog Integrata aus Frankfurt am Main, während einer Fachtagung des unabhängigen Beratungshauses fest.

Anwender hatten Druck gemacht

Die Verlängerung der Standardwartung kam erst auf Drängen der Deutschen SAP Anwendergruppe (DSAG) zustande. Firmen müssen die Ausdehnung des Supports schriftlich beantragen und haben dann bis 2004 Zeit für ein Upgrade. Ursprünglich wollte sich der Softwarekonzern sogar das Recht vorbehalten, selbst darüber zu befinden, ob er dem Antrag auf Wartungsverlängerung zustimmt ("Maintenance Extension Check"). Doch auf diese Klausel verzichteten die Walldorfer Ende September dieses Jahres - wiederum auf Drängen der DSAG (siehe CW 43/03, Seite 6). Nach Angaben der Benutzervereinigung können Kunden nun einen Antrag auf Verlängerung des Supports stellen, ohne eine Analyse ihrer Systeme durch SAP über sich ergehen lassen zu müssen. Der Hersteller wollte über den Maintenance Extension Check feststellen, welche Module die Anwender von Alt-Releases einsetzen. Der Grund: Nicht für alle länderspezifischen Versionen von HR (Human Resources) oder FI/CO (Finanzbuchhaltung/Controlling) sollte die Wartungsfrist verlängert werden. Auch diese Einschränkung ist nun vom Tisch, verkündete die DSAG auf ihrer letzten Jahrestagung.

Begrenzte Wartung auch für R/3 4.6C

Anwendern von alten Releases, die den vollen Wartungsumfang wünschen, bieten sich zwei Möglichkeiten: Ein Umstieg auf 4.6C oder gleich auf das aktuelle Release R/3 Enterprise. Dabei gilt es beachten, dass SAP den Wartungszeitraum für 4.6C auf April 2006 begrenzt hat. Aus diesem Grund empfehlen Spezialisten und auch die DSAG den SAP-Anwendern, besser gleich auf R/3 Enterprise umzusatteln. Das Wartungsende dieses Produkts haben die Walldorfer bislang noch nicht genannt.

Viele R/3-Nutzer können direkt auf R/3 Enterprise umsteigen. SAP nennt hier die Releases 3.1i, 4.0B, 4.5B, 4.6B und 4.6C. Einzige Ausnahme: I-Series-Anwender. Sie müssen erst auf 4.6C migrieren, bevor sie R/3 Enterprise einführen können. Der Zwischenschritt ist notwendig, weil die ERP-Applikation vom Großrechnerzeichensatz EBCDIC auf den Ascii-Zeichensatz konvertiert werden muss. Anwender erhalten R/3 Enterprise im Rahmen ihres Wartungsvertrags. Somit fallen grundsätzlich keine zusätzlichen Lizenzgebühren an. Mit dem Einspielen der neuen Software ist es allerdings nicht getan: Je nach Release-Stand müssen Firmen für ein Upgrade neue Hardware anschaffen beziehungsweise die bestehende Systemumgebung ausbauen. Der zum Betrieb von R/3 Enterprise erforderliche zusätzliche Bedarf an CPU-Leistung und Arbeitsspeicherkapazität im Applikations-Server liegt bei 73 beziehungsweise 76 Prozent über dem von R/3 3.1i. Das schon im Juni 1998 freigegebene Programm - SAPs erstes Euro-fähiges Release - ist allerdings kaum noch im Einsatz.

Was wird aus den Modifikationen?

Dagegen können sich Nutzer neuerer Versionen wie etwa 4.6B zurücklehnen. Ihre Hardwareausstattung sollte für das aktuelle Release ausreichen. Wer die Unicode-Option von R/3 Enterprise freischalten will, muss für die Datenbank 90 bis 110 Prozent mehr Plattenplatz reservieren. Die Zahlen stammen zwar vom Hersteller, laut Unilog decken sie sich aber mit eigenen Erfahrungen in Kundenprojekten.

Doch selbst wenn die Systemvoraussetzungen für R/3 Enterprise erfüllt sind, bleiben Fragen offen. Wie sollen Firmen mit ihren kundenspezifischen Erweiterungen verfahren? Viele Anwender haben zusätzliche Funktionen in ihre R/3-Systeme eingefügt, auf die sie auch nach einem Upgrade nicht verzichten wollen. SAP hat hierzu mit "Modification Assistant" ein Tool entwickelt, das es Kunden erlaubt, Erweiterungen, sprich Abweichungen vom Standardsystem, zu identifizieren. Diese lassen sich nach dem Release-Wechsel in die veränderte ERP-Umgebung integrieren. Zudem können Experten mit dem Werkzeug feststellen, ob sie ihre eigenen Entwicklungen aufgegeben können, weil sie nun vom Funktionsumfang des Ziel-Release abgedeckt werden. SAP spricht hierbei vom "Zurückführen in den Standard".

Was sich so leicht anhört, ist in der Praxis jedoch keineswegs trivial, warnt Unilog. So muss jede Modifikation nach dem Upgrade getestet werden, was das Migrationsprojekt beträchtlich in die Länge zieht. Auch das Zurückführen von Erweiterungen in den Standard lässt sich nicht per Knopfdruck bewerkstelligen, da Anwender genau prüfen müssen, ob die neuen R/3-Funktionen die selbstentwickelten Features wirklich adäquat ersetzen.

Bevor Firmen sich mit dem Thema Modifikationen beschäftigen, sollten sie zunächst ermitteln, ob überhaupt alle ihre kundenspezifischen Anpassungen noch brauchen. Unilog hat mit "R/3 Analyzer" ein Tool gebaut, mit dem sich ungenutzte Erweiterungen ausfindig machen lassen. Ein Kunde habe auf diese Weise herausgefunden, dass 60 Prozent seiner 4500 R/3-Modifikationen eigentlich überflüssig sind. Ein ähnliches Werkzeug bietet die Firma Axantis AG aus Stuttgart mit "U:R for U" an.

Wie die Anwender die Downtime minimieren

Release-Wechsel sind für Firmen nicht zuletzt deshalb unangenehm, weil sie mit einem Stillstand von R/3 und damit den Kernprozessen des Unternehmens verbunden sind. Anwender sind darauf bedacht, die Auszeit kurz zu halten und das Einspielen der neuen Software beziehungsweise den Übergang vom Test- zum Produktionssystem möglichst an einem Wochenende abzuwickeln. Prinzipiell ist das auch machbar, meinen Experten und verweisen auf Erfahrungswerte. So nimmt die Umstellung von R/3 4.5B auf R/3 Enterprise bei einer Datenbankgröße von 130 bis 270 Gigabyte zwischen sieben und 30 Stunden in Anspruch. Nach Angaben von Ralf Strassner, Rollout Manager für R/3 Enterprise bei SAP, beeinflusst die Größe der Datenbank die erzwungene Pause nicht wesentlich: "Die Übertragung der Daten nimmt nicht so viel Zeit in Anspruch, die Downtime hängt viel mehr davon ab, wie viele Veränderungen in den Datenstrukturen vorzunehmen sind." Darüber hinaus können die Anwender die Länge des Systemstillstands selbst beeinflussen: Die Upgrade-Werkzeuge der SAP gestatten es dem Administrator, zu wählen, ob der Umstieg auf R/3 Enterprise mit möglichst wenig Hardwareressourcen ("Resource minimized") oder mit der geringstmöglichen Stillstandszeit ("Downtime minimized"), dann aber mit viel Hardware-Power, stattfinden soll. Unilog-Experten zufolge lässt sich mit der zeitoptimierten Option die Downtime halbieren.

Im Modus Downtime minimized richtet das Upgrade-Tool eine Schatteninstanz zum bestehenden R/3-System auf einem separaten Rechner ein, auf dem ein temporärer Web Application Server läuft. Er ist die Ablaufumgebung von R/3 Enterprise. Im nächsten Schritt wird das Repository des Schattensystems aktiviert. Zu diesem Zeitpunkt findet auch der Modifikationsabgleich statt. Danach kann der Anwender das gesamte Altsystem herunterfahren und auf die Schatteninstanz migrieren. Während dieser Phase passt das Werkzeug die Datenstrukturen an.

Die Resource-Optimized-Methode kommt dagegen ohne zusätzlichen Server aus. Sie benötigt zum Upgrade nur Teile der Schatteninstanz, die auf dem Produktivsystem eingerichtet werden.

Ein besonders kritischer Punkt im Rahmen einer R/3-Migration ist für viele Anwender, dass sie die Kosten für ein Upgrade-Projekt kaum beziffern können. In dieser Situation befindet sich zum Beispiel die Westfalia Separator AG aus Oelde. Das Unternehmen stellt unter anderem Anlagen zum Trennen von Flüssigkeitsgemischen her. Als ERP-System dient den Westfalen R/3 4.6B mit allen Modulen bis auf Human Resources und Project Management. Die Software läuft unter HP-UX, als Datenbank kommt Informix zum Einsatz. Ein Umstieg auf R/3 Enterprise im nächsten Jahr ist zwar beschlossene Sache, doch noch kann R/3-Experte Rüdiger Specht nicht abschätzen, ob dieses Projekt nun ein, zwei oder gar sechs Monate dauern wird. "Wir rechnen mit einem erhöhten Aufwand, da wir viele Erweiterungen geschrieben haben, die alle getestet werden müssen, wenn wir auf der neuen Version sind." Zunächst will Specht den R/3-Wechsel durchziehen und die eigenen Modifikationen unverändert beibehalten. "Erst in einem Folgeschritt werden wir unsere Eigenentwicklungen durch Standardfunktionen in R/3 ablösen".

Wozu R/3 Enterprise?

Mit dem aktuellen Release R/3 Enterprise hat SAP eine neue Systemarchitektur eingeführt. Das Produkt setzt sich aus einem ERP-Kern ("Enterprise Core"), "Extensions" und dem "Web Application Server" zusammen. Der Core beinhaltet im Wesentlichen die Funktionen von R/3 4.6C. Dieser soll nach den Planungen der Walldorfer nicht mehr geändert werden. Lediglich Supportpackages und gesetzlich vorgeschriebene Updates gibt es auch weiterhin.

Neue Funktionen liefert SAP künftig mit Extensions aus. Nach Darstellung des Herstellers vereinfacht sich somit die Softwarepflege: Waren für das Hinzufügen neuer Features bisher aufwändige Release-Wechsel erforderlich, können Firmen nun "Extension-Sets" während des laufenden Betriebs installieren. Extensions sollen darüber hinaus die Integration in andere SAP-Produkte außerhalb des ERP-Spektrums erleichtern. Gemeint sind damit etwa Module wie "SAP CRM", "APO" und "BW".

Außerdem nutzt R/3 Enterprise nun den Web Application Server als Ablaufumgebung. Dieses Produkt enthält eine Abap- sowie eine J2EE-Engine.