Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.02.1976

CPU-Messung - einziges Kriterium für die Auslastung einer Anlage?

Werden Milliarden verschwendet? Vor gut drei Jahren wurde diese Behauptung - basierend auf einer Untersuchung der Unternehmensberatung A. T. Kearney - zum Artikel im manager magazin: Davon ausgehend, daß ein Tag 24 Stunden hat und eine Anlage nur dann den höchstmöglichen Auslastungsgrad erreicht, wenn die CPU ebendiese 24 Stunden in Betrieb ist. wurde den Anwendern vorgeworfen, es würde Milliarden verschwenden. Bereits damals gab es entrüstete Leserbriefe. Wie sieht der Anwender heute - unter dem ständigen Druck, Kosten zu sparen - die Möglichkeit, sein System bestmöglich auszulassen? Ist CPU-Power on wirklich ein Kriterium?

Klaus Gasch, Leiter der EDV-Abteilung, Bauunternehmung Sager & Woerner, München

Trotz der in letzter Zeit groß in Mode gekommenen Zeitmessungen der Soft- und Hardware entstehen dabei außer einer großen Papierflut nur wenig aussagekräftige Daten. Die Betriebszeit der CPU kann nur im Zusammenhang mit anderen Kriterien wie Laufzeit, CPU-Zeit und Zählerzeit sowie bei virtuellem Betriebssystem mit der Paging-Rate zur Beurteilung der Auslastung eines Systems herangezogen werden. Die im Multiprogramming von der Betriebssoftware gelieferten Job Accounting-Daten sind für sich allein betrachtet sicher nicht aussagefähig genug, da sie wichtige Zeiten wie Operator-Handling oder Paging-Rate nicht aufzeigen. Mit Vorbehalt könnte die Betriebszeit der CPU zur Planung der Operator-Schicht herangezogen werden. Es gehören auch in Zukunft sehr viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl dazu, um die Auslastung der EDV-Anlage zu beurteilen und mögliche Verbesserungen zu finden.

Jörg G. Schuppan, Leiter Organisation und Datenverarbeitung, Continental Gummiwerke, Hannover

Um eine exakte Auslastungsrechnung einer Anlage durchzuführen, müßten zu den herkömmlichen Software-Hilfen noch Hardware und Software-Monitore herangezogen werden. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, wie genau muß denn eigentlich der Anwender seine Betriebszeit kennen und diese analysieren? Ist es überhaupt unter diesem Aspekt gerechtfertigt, sich Hardware-Monitore, die meist nur zu kaufen sind, anzuschaffen? Aus dem SMF können Informationen über CPU-Auslastungen, Hauptspeicher-Auslastungen sowie Band- und Platten-Auslastungen herangezogen werden. Es ist bekannt, daß die CPU-Usage aus dem SMF unvollständig ist, da das SMF nicht die Supervisor-Zeiten messen kann. Hier können jedoch Kennziffern zu Hilfe genommen werden, mit denen die gemessene CPU-Usage beaufschlagt wird, um zu einer wirklichkeitsnäheren Aussage zu gelangen. Außerdem können wir an unserer Anlage (IBM 370/165) am Analoginstrument die Ausschläge beobachten und somit ebenfalls zusätzliche Aussagen über die CPU-Auslastungen erhalten. Eine Messung der Kanalbelastung ist allerdings mit SMF nicht möglich, obwohl diese Aussage für die Konfiguration der Anlage von Wichtigkeit ist.

Im übrigen ist nicht nur die Aussage über die Auslastung zu einem bestimmten Zeitpunkt von Interesse, sondern viel wichtiger ist die Entwicklung der Auslastung einzelner Komponenten über die Zeit.

Selbstverständlich können Hardware-Monitoren zusätzliche Erkenntnisse über die Auslastung der Anlage und ihrer Komponenten bringen.

Rolf Schulze-Seeger, Leiter EDV und Org., Benger & Söhne, Bad Rappenau

Meines Erachtens ist die CPU-Anschalt-Zeit kein Kriterium für die Ermittlung der Auslastung einer Anlage. Wenn das System mir innerhalb einer Stunde pro Tag ein sehr gutes Ergebnis, also eine optimale Information, liefert, kann das unter Umständen ausreichen. Denn nicht die reine "Unter-Strom-Steh-Zeit" ist für mich maßgeblich, sondern die Qualität der Auswertung. Zum Beispiel können reine "Spielprogramme." auf denn System laufen, die zwar die CPU-Zeit positiv verändern, aber doch keine konkreten Angaben machen. Die reine CPU-Zeit ist für mich nur ein internes Hilfsmittel, um eine bessere Auslastung zu erreichen.

Mit dem Artikel "Die große Verschwendung", der vor etwa zwei Jahren im "Manager Magazin" erschien, gehe ich ganz und gar nicht konform. Man kann nicht eine Sollzeit der CPU-Zeit gegenüberstellen. Denn hierbei wird die Bewertung "Was bringt mir denn die Anlage?" nicht eingerechnet.

Lutz Engel, Leiter der Hauptabteilung Datenverarbeitung, G. M. Pfaff AG, Kaiserslautern

In unserem Hause wurden gerade die ersten Schritte in Richtung "Job Accounting" getan. Wunder kann man auch hier nicht erwarten. Durch den Einsatz des Job-Accounting-Paketes erwarten wir - nach einer gewissen Zeit - unbedingt ein Hilfsmittel, um die Auslastung der Anlage beurteilen zu können. Zieht man die CPU-Zeit von der eigentlich Rechenzeit ab, so ergibt sich eine gewisse Overhead-Zeit, die wiederum zu dem Ergebnis führt, wann die CPU nicht ausgelastet war. Durch geschickten Job-Mix kann nun versucht werden, diese Zeiten zu verringern.

Die reine CPU-Messung reicht nicht aus, um den Auslastungsgrad der Anlage zu bestimmen. Wir fahren zum Beispiel noch Programme in Emulation - das ist zwar unwirtschaftlich, es muß aber sein.

Schlagworte wie Auslastungsfaktoren, Wirtschaftlichkeit oder Durchsatzeffizienz stehen in keinem Verhältnis zur Realität.

Wir werden nun die Job-Accounting-Sätze nach bestimmten Gesichtspunkten zusammenfassen, um über einen längeren Zeitraum statistische Daten über die Systemauslastung zu enthalten - später soll auch eine "Weiterbelastung" vorgenommen werden. Zudem wollen wir versuchen, unseren Zwei-Schichten-Betrieb zu untersuchen, um eventuell einen Teil der zweiten Schicht reduzieren zu können. Denn auch die Personalpolitik spielt eine Rolle - eine Anlage kann nicht 24 Stunden effizient arbeiten, wenn die Mitarbeiter nicht mitspielen.

Ulrich Nelte, Leiter der EDV-Abteilung, MAK Maschinenbau GmbH, Kiel

Man muß einen Kompromiß suchen zwischen der Auslastung der Zentraleinheit durch Batch-Betrieb sowie aus dem Service-Grad, der in der Bedienung der Fachabteilungen erreicht werden soll. Denn: Ein Telefonsystem ist nicht deshalb schlecht weil wenig telefoniert wird. Wenn mit erheblicher Peripherie Benutzer bedient werden, die vor Ort EDV nutzen, dann kann der Nutzen, den diese Anwender erzielen, immens hoch sein - egal wie intensiv der Rechner genutzt wird.

Man sollte eine variable, obere Leistungsgrenze erarbeiten - was sehr schwierig ist. Diese Grenze ist so variabel, wie man Forderungen an ein System formuliert. Bei reinem Batch-Betrieb hält man sich an den Systemdurchsatz, das ist dann die Auslastung der Maschine. Bei komplizierteren Forderungen seitens der Fachabteilungen, bei denen das System lediglich eine Verteilerfunktion übernimmt, um den Zugang zu großen Datenbeständen zu schaffen, muß im Zentralrechner genügend Kapazität bereitstehen, um diese Satellitensysteme zu versorgen.