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03.03.2000 - 

Multiprozessorsysteme

CPU on Demand - Der richtige Service

Auf der CeBIT waren sie wieder zu hören, die neuesten Schlagworte der Branche: Application-Service-Provider, Web-Hosting und Web-Housing. Auch die maßgeschneiderte CPU-Leistung wurde als "CPU on Demand" feilgeboten - worunter allerdings zwei verschiedene Dinge verstanden werden. Beiden gemein ist aber, dass sie den Weg in eine neue Art von IT-Architektur weisen: das servicezentrierte Modell.CW-Bericht, Kriemhilde Klippstätter

"Natürlich bieten wir CPU on Demand an", erfuhr die Redakteurin, die bei ihrer Recherche zu diesem Thema bei Sun Microsystems in Grasbrunn bei München vorstellig wurde. Das Unternehmen engagiert sich bekanntlich stark rund um das Internet, will zusammen mit Netscape/America Online als Ausstatter für Internet-Service-Provider (ISPs) auftreten und wäre demnach ein potenzieller Lieferant von maßgeschneiderter Rechenleistung über das Web. Ist er auch, allerdings in einem etwas anderen Sinne.

Mit CPU on Demand bezeichnet der Rechnerhersteller ein (Vertriebs-)Konzept, bei dem dem Kunden ein in der Größe überdimensionierter Server mit beispielweise zwölf Prozessoren geliefert wird. Zahlen muss der Anwender aber nur für die momentan benötigte Leistung, etwa vier CPUs. Steigt der Bedarf nach mehr Rechenpower, werden von Sun per Remote-Service einfach zusätzliche Prozessoren freigeschaltet, für die erst ab dem Zeitpunkt der Benutzung Kosten anfallen.Die Vorteile für die Kundschaft sind unter anderem die blitzschnelle Möglichkeit zur Skalierung und die Sicherheit, dass sich die Betriebsumgebung nicht ändert, sondern nur schneller beziehungsweise leistungsfähiger wird. Solche Konzepte wie Suns "Pay as you grow" bieten heute fast alle Hersteller großer Server an.

Dank der gesunkenen Leitungskosten nutzen Unternehmen heute schon eine andere Variante von CPU on Demand, bei der sie - meist für das E-Business - die Infrastruktur eines externen Dienstleisters nutzen. Einen solchen Service bietet beispielsweise die Info AG in Hamburg an. Der Bereich IT-Sicherheitsprodukte stellt neben Sicherheitslösungen, Netzleistung und gegebenenfalls Backup-Diensten auch Konzepte für die Internet-Aktivitäten der Kundschaft zur Verfügung. Im Gegensatz zum Web-Hosting, das die Hamburger als "Asyl für Web-Seiten" einstufen, bei dem sehr viele Web-Seiten von verschiedenen Kunden auf einem großen Server abgebildet werden, bezeichnen sie ihren Dienst als "Web-Server-Housing".

Im Rechenzentrum betreibt die Info AG zwar auch die Web-Server der Kunden, aber jedem wird einer oder mehrere Rechner dediziert zugeordnet. Allerdings pflegen die Anwender ihre Web-Seiten selbst ein. "Wir stellen nur die sichere Infrastruktur zu Verfügung. Die Prozesse, die der Kunde für die Weiterverarbeitung einer Bestellung braucht, die über das Interent eingeht, hat er selbst", erklärt Jochen Brunnstein, Verantwortlicher für das Produkt-Marketing. In der Regel enthalten die durch Firewalls geschützten Rechner nur die Internet-Präsentationen, im Einzelfall kann es auch ein Datenbank-Server mit Artikelnummer oder dergleichen sein.

Wichtig: Sicherheit und KontinuitätObwohl die Rechner keine geschäftskritischen Daten wie Business-Pläne oder Kundendateien enthalten, sind sie - mit eigener IP-Adresse versehen - hinter einer Firewall gesichert, denn "sie repräsentieren die Visitenkarte der Firmen." Web-Graffiti, also die mutwillige Veränderung von Web-Seiten durch Hacker, sind natürlich schlecht für das Image.

Neben dem guten Ruf kann das Anwenderunternehmen auch gleich seine (Internet-)Kundschaft verlieren, wenn beim Service-Provider Probleme auftauchen. Deshalb sollte der Anwender nach Ansicht von Ashim Pal, Senior Research Analyst des Marktforschungsinstituts Meta Group, leistungsbezogene Service-Level-Agreements abschließen. Dann wisse man zumindest, wie im Schadensfall vorzugehen ist. Den Kunden dürfe nicht interessieren, wie der Dienstleister die Bedürfnisse erfüllt, sondern dass er die richtigen Netze und Applikationen zur Verfügung stellt. Da man den Bedarf an CPU-Power nicht prognostizieren kann, "denn wie viel Traffic meine Web-Seite generieren wird, ist unbekannt", sollte sichergestellt sein, dass auch Spitzenbelastungen abgefangen werden können. Pals Resümee: CPU on Demand können nur große Provider anbieten."

Allerdings hat der Analyst beobachtet, dass die Anwender beim Aussuchen eines geeigneten Web-Hosting-Providers einen "schlechten Job" machen. Im Vordergrund stehe meist nur die Frage nach dem Preis für den Service und nicht die Zusicherung, dass die Web-Seite jederzeit erreichbar ist. Zudem sollten sich die Anwender genau darüber im Klaren sein, welche Priorität sie dem Internet-Geschäft einräumen oder welche Anwendungen sie auf dem Web-Server laufen haben. Erst wenn diese Hausaufgaben erledigt sind, sollte mit der Suche nach dem geeigneten Dienstleister begonnen werden.

Zunehmend tummeln sich Hard- und Softwareanbieter in diesem Markt. Compaq beispielsweise hat in den USA kleinere und mittelgroße Firmen im Visier. Beim Kauf eines "Prosignia"-Rechners übernimmt dort Bigstep.com kostenlos das Web-Hosting. Soll der gesamte Internet-Auftritt des Kunden verwaltet werden, fällt allerdings eine Gebühr an.

Das bayerische Softwarehaus Alphaware, einer der ersten Application-Service-Provider (ASP) in Deutschland (siehe auch CW 42/99, Seite 1) hat zur CeBIT seinen neuen Dienst vorgestellt. Für das auf Mietbasis zu beziehende Warenwirtschaftssystem "Alphawork" ist nun auch ein E-Commerce-Shop erhältlich. Da die Betriebsdaten im Rechenzentrum von Alphaware bearbeitet und gespeichert und die Software über Browser gesteuert werden, sind die Hardwareanforderungen beim Kunden sehr gering. Vorteile: Kosten sind kalkulierbar, Updates interessieren den Kunden nicht mehr.

Meist wird nur die Infrastruktur gestellt"Das jetzt vorgestellte erste neue Release von Alphaworks beinhaltet einen vollintegrierten E-Commerce-Shop", erklärt Oliver Schally, bei Alphaware verantwortlich für Marketing, Verkauf und Helpdesk. Internet-Bestellungen landen im Rechenzentrum von Alphaware in Freilassing und werden, wenn der Kunde online ist, dank Vollintegration mit dem Warenwirtschaftssystem, sofort bearbeitet: Automatisch werden Packscheine und Rechnungen erstellt. Da der E-Commerce-Shop in den Artikelstamm integriert ist, kann der über das Internet zugreifende Geschäftspartner (Business-zu-Business) auch gleich erkennen, welche Artikel auf Lager sind.

Gegen Engpässe bei der Bandbreite haben sich die Freilassinger durch entsprechende Verträge abgesichert: "Sobald eine Reizschwelle von x Prozent überschritten ist, wird automatisch die Bandbreite erweitert." Derzeit fallen für gestiegenen Internet-Traffic keine Zusatzgebühren an. Das könnte passieren, wenn eines Tages für alle Alphaware-Kunden ein Portal eingerichtet wird, "aber dann haben die Kunden ja auch einen neuen Vertriebsweg", so Schally.

Über Service-Level-Agreements (pro Bandbreite und pro Server) abrechnen wird Intel in den derzeit gerade weltweit entstehenden Rechenzentren "Intel Online Services" (IOS). Im September vergangenen Jahres wurde im kalifornischen Santa Clara das erste IOS eröffnet, das zweite soll demnächst an der amerikanischen Ostküste nahe Washington entstehen, und der Standort für die erste Niederlassung in Europa ist nun auch gefunden: Nahe Reading, westlich von London. Die Server-Farmen fassen bis zu 10000 (Intel-)Server, die derzeit von Dell geliefert werden.

"Unser Konzept ist es nicht, Rechenzentren aufzubauen, sondern Services anzubieten", erklärt Heinz Krier, Direktor der Intel Online Services Inc. für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Beispielsweise kann sich ein Endkunde bei einem Intel-Partner eine E-Commerce-Lösung entwickeln lassen, die allerdings auf der von Intel zur Verfügung gestellten Infrastruktur lauffähig sein muss. Der Kunde kommt etwa nur mit seiner IP-Applikation in das IOS und kümmert sich um die Pflege seines Programms und die Inhalte selbst. Der Vorteil des Intel-Konzepts liegt nach Ansicht von Krier auch darin, dass die Server-Farmen dort platziert sind, wo der Internet-Traffic geografisch am größten ist.

Nach dem Bereitstellen von Komponenten für die PC-Ära will Intel mit der Diversifizierung in Richtung Service und Lösung seinen Kunden nun Bausteine für das Internet-Geschäft anbieten. "Ziel von IOS ist die Bereitstellung einer E-Commerce-Infrastruktur, mithilfe derer der Kunde sehr schnell eine Lösung online hat", erklärt der Manager. Dabei nutzt der Anwender im Rechenzentrum immer nur seine für ihn bereitgestellten Rechner. Am Zugang zu den Speicherfarmen (Storage Area Networks) wird in den USA derzeit gearbeitet. Profitieren will der neue Zweig des Chipgiganten von der Erfahrung mit dem Managen von Prozessorfabriken. "Wir sind sehr prozessorientiert und wollen dieses Know-how auch auf die Rechenzentren übertragen", bewirbt Krier ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber Mitbewerbern.

Wie unterschiedlich die Ansätze der einzelnen Firmeninitiativen auch sein mögen, letztlich kann man einen Grundgedanken in allen Bemühungen erkennen: Sie sind serviceorientiert. Die Einigung auf einige Internet-Standards für das Computing und die Kommunikation beginnen, zusammen mit der Tatsache, dass die Kommunikationskosten dauerhaft sinken, die IT-Landschaft zu verändern.

John Brennan, Associate Partner von Andersen Consulting, glaubt, dass das "servicezentrierte Computing in der laufenden Dekade das am meisten unterstützte Modell der Informationstechnologie" sein wird. Das auch als "Utility Model" oder "Information Utility" bezeichnete Paradigma sei charakterisiert durch schnelle Entwicklung, unwiderlegbare ökonomische Überlegenheit und von eindeutigen Vorteilen für die Anwender.

Das servicezentrierte Modell unterscheidet sich insbesondere dadurch von seinen Vorgängern, dass die Art der Bezahlung anders verlaufe, die Technik anders ausgenutzt werde und die IT-Ressourcen, die den Anwender unterstützen, unterschiedlich verwaltet würden. Im Kern, so Brennan, behandelt dieses Computing-Modell IT-Funktionen wie Speicher oder Anwendungsfunktionalität als Service. Statt Kapital in IT-Equipment zu investieren, miete man sich die benötigten Dienste. Beispielsweise würden Rechenleistung, Speicherplatz, Anwendungssoftware, E-Mail-Dienste oder Terminverwaltung über eine festgelegte Zeitspanne gebucht.

"Als logische Weiterentwicklung des Internet-Modells beeinhaltet servicezentriertes Computing auch die Abkehr von voluminösen Client-Server-Architekturen hin zu einem flexibleren Ansatz." Ironischerweise kehre man damit zu einem zentralistischen Ansatz zurück, wo "Time Sharing" und "Service-Provider" wieder eine Rolle spielten.

Schon recht weit in diese Richtung gediehen ist das Angebot, das Hewlett-Packard (HP) auf seiner US-Web-Seite offeriert. Der Kunde kann aus einer Fülle von "E-Services" auswählen und zahlt nur die in Anspruch genommene Leistung, wobei Wachstum vorgesehen ist. HP versteht sich dabei als "Computing-Kraftwerk, das die gesamte benötigte Technik, Management-Prozesse und globalen Fähigkeiten bereit stellt", um dem Kunden zu "virtueller Kapazität" zu verhelfen.

Auswahlkriterien zum Web-HostingAshim Pal, Senior Research Analyst für Web-Strategien bei Meta Group, hat einige Kriterien zusammengestellt, die bei der Suche nach dem richtigen Dienstleister für das Web-Hosting helfen sollen.

1.Wie lange bietet das Unternehmen schon diese Dienste an?

2.Welche Hosting-Dienste können überhaupt eingekauft werden (Publishing, Transaktionen etc.)?

3.Welche Service-Level-Agreements stehen zur Auswahl?

4.Gibt es neben dem Hosting-Service zusätzliche Beratungsleistungen und wenn ja, welche?

5. Welche Referenzkunden hat die Firma?

6.Stellt der Dienstleister selbst eine Checkliste zur Verfügung, anhand derer sich ergibt, ob das eigene Unternehmen für Web-Hosting geeignet ist, und falls ja, für welche Art von Dienstleistung?

7.Ist der Anbieter international vertreten, eventuell durch (welche) Partner?

8.Welche Preismodelle werden angeboten (per URL, Bandbreite, Anzahl der gleichzeitigen Zugriffe etc.)?