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10.09.1976 - 

Neuer Wissenschafts-Jumbo:

Cray-1 fünfmal schneller als IBMs 370/195

CHIPPEWA FALLS, WISC. - Die Reihe der "Jumbos" unter den Großrechnern ist - trotz Mini-Boom und Forderung nach "verteilter Intelligenz" - um ein weiteres Modell ergänzt worden: Der ehemalige CDC-Chefkonstrukteur Seymour Cray, der seit 1972 eine eigene Firma Cray Research Inc. besitzt, hat der Öffentlichkeit seinen ersten Mammut-Rechner "Cray-1" vorgestellt - und wie bei Crays vorherigen "Schöpfungen" (CDC 3300, 6600 und 7600) wurde auch diesmal die Grenze dessen erneut verschoben, was in der Computertechnik möglich ist. So soll der "Jumbo" etwa die fünffache Leistung einer IBM 370/195 besitzen - und das bei einem Kaufpreis von 4,5 Millionen Dollar, soviel kostet vergleichsweise eine 370/168 mit 8 MB.

In dieser Leistungsklasse gibt es zur Zeit überhaupt nur sieben Modelle anderer Firmen: Illiac IV von Burroughs, Cyber 76 und Star-100 von Control Data, IBMs 370/195, Texas Instruments' ASC, Staran von der Goodyear Aerospace Corp. sowie die "Hypercube"-Systeme der IMS Associates Inc.

Einsatzmöglichkeiten für seinen Rechner sieht Seymour Cray vorerst nur auf wissenschaftlichem Gebiet, zum Beispiel in der Kernphysik, der Meteorologie und der Seismologie. Auf dem kommerziellen Markt soll der "Jumbo" deshalb nicht angeboten werden.

64-Bit-Worte und superschnelle Kanäle

Kernstück von Cray-1 ist die 64-Bit-Zentraleinheit (bis 8MB erweiterbar, Zykluszeit 60 Nanosekunden) mit angeschlossenem Data General-"Consol-Processor", der zugleich auch als Wartungs-Steuereinheit dient. 24 Ein-/Ausgabe-Kanäle, die für den Anschluß schneller Peripheriegeräte ausgelegt sind, sollen eine optimale Auslastung der CPU sicherstellen.

Die Software des Rechners ist ganz auf seine zukünftigen Einsatzschwerpunkte zugeschnitten. So erlaubt das Betriebssystem ausschließlich Monoprogramming, wobei die einzelnen Jobs nach dem Fifo-Prinzip (First in - first out) bearbeitet werden. Eine Erweiterung auf Multiprogramming ist zunächst nicht vorgesehen.

Darüber hinaus verzichteten die Cray-Entwickler auf jegliche Anwender- und Datenbank-Management-Software. Lediglich eine Bibliothek mathematischer Funktionen und einige Dienstprogramme stehen dem Benutzer zur Verfügung.

64 auf einen Streich

Wesentlichstes Merkmal des Cray-1-Betriebssystems ist die "vektorielle Befehlsverarbeitung". So werden beispielsweise mit einem einzigen Additionsbefehl im Unterschied zur "skalaren" Verarbeitung (wie sie bei herkömmlichen Großrechnern üblich ist) nicht nur zwei Operanden addiert, sondern jeweils 64 Operandenpaare. Es entstehen somit 64 Ergebnisse. Cray-1 kann selbstverständlich auch "skalar" verarbeiten.

Die 64 Additionen erfolgen dabei nicht gleichzeitig - das würde einen "Array-Processor" erfordern wie ihn Illiac IV besitzt - sondern nach dem "Pipeline-Verfahren": Die einzelnen Operationen laufen schrittweise ab, wobei jeder Schritt eine Taktzeit von 12,5 Nanosekunden benötigt.

Seine Verkaufsstrategie sieht Seymour Cray nicht in einem "Replacement" großer IBM-Anlagen wie etwa Gene Amdahl mit der 470V/6s, sondern vielmehr in der Ergänzung bereits bestehender Rechner-Konfigurationen. Der Außenseiter ist optimistisch. Er will in den nächsten Jahren 80 Modelle seines "Superrechners" verkaufen.