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1992 mit Verlust abgeschlossen

Cray stellt C90-Superrechner und neue Einstiegssysteme vor

16.04.1993

Mit den neuen Maschinen kommen neue Bezeichnungen. Cray hat das Y-MP weggelassen und sich auf folgende Namenskonvention festgelegt: Die Modelle "C92A" besitzen eine oder zwei CPUs sowie 256 bis 1024 MB Hauptspeicher. Die Rechner "C94A" haben zwei oder vier CPUs und 512 bis 1024 MB Hauptspeicher. Beide Modelle koennen luft- oder wassergekuehlt gekauft werden.

Die gesamte Bandbreite zum Hauptspeicher betraegt fuer beide Systeme 30,7 GB/s bei vier parallelen Ports. Ein internes Solid Storage device (SSD) von 256 MB und ein externes von 2 GB sind optional. Dieser schnelle Zwischenspeicher mit einer Uebertragungsrate von 2,6 beziehungsweise 5,2 GB/s (bei den kleinen Systemen) wird gerne zum Lagern von Dateien benutzt, um den langsamen Plattenzugriff zu vermeiden. Die Ein-Ausgabe-Leistung zur Platte wird mit 2,6 beziehungsweise 4,8 GB/s angegeben.

Die folgenden Modelle sind nur Fluessigkuehl-Technologie erhaeltlich: System "C94" besitzt zwei oder vier CPUs, 512 bis 2048 MB Speicher und bis 16 GB SSD. Modell "C98" verfuegt ueber vier oderacht CPUs, 1 bis 4 GB Speicher und bis 16 GB SSD. Das Topmodell "C916" kann acht oder 16 CPUs bieten, 1 bis 8 GB Speicher sowie bis 32 GB SSD.

Leistungsspektrum von 1 bis 16 Gflops

Die Uebertragungsleistungen bei den grossen Rechnern betragen mehr als 15 GB/s pro Prozessor bezueglich der Speicheruebertragungsleistung sowie 13,6 GB/s zum SSD und zur Platte (beim 16-Prozessorsystem).

Diese Werte spielen bei den Vektorrechnern eine grosse Rolle, denn die benoetigten Daten muessen sehr schnell herangeschafft werden, um hohe Rechenleistungen zu erzielen. Die Ausgewogenheit der Gesamtkonfiguration ist oft wichtiger als hohe theoretische Spitzenleistungen.

Mit dieser Rechnerserie wird ein Leistungsspektrum von einem bis 16 Gflops abgedeckt. Die Y-MP-Serie wird uebrigens weiterhin vermarktet, 333 Mflops bis 2,4 Gflops lauten hier die Daten. Damit ist die C90 um den Faktor 3 bezueglich des Prozessors schneller. Mit der Y-MP-Serie soll der Preisbereich unter drei Millionen Dollar abgedeckt werden, 1,5 Millionen Dollar stehen fuer das Einstiegsmodell an. Bei der C90 werden schon 3,6 Millionen Dollar nach Liste verlangt, das Spitzenmodell kostet 40 bis 50 Millionen Dollar.

Auch fuer die C90 ist schon ein Nachfolger in Sicht: 1995 soll die "Triton" ausgeliefert werden. Beginnend bei mehr als 64 Gflops mit 32 CPUs sollen dann bald sogar 256 Gflops erreicht werden. Die Taktrate laesst sich sicherlich noch von den geplante zwei Nanosekunden auf eine druecken. Auch die Groesse der CPU wird sich im Vergleich zur Y-MP um den Faktor 40 verringern.

Von der C90 wurden bisher schon acht grosse Systeme ausgeliefert. Insgesamt liegen 16 Auftraege vor, nicht hinzugerechnet sind hier die "geheimen" Rechner. Auftraege erteilt haben unter anderem Ford in den USA, das Lawrence Livermore Laboratory, das Fleet Numerical Oceanograpic Center der Marine und das ECMF (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts) in Reading, Grossbritannien.

Auch massiv-parallele Systeme von Cray

Besonders stolz ist Cray Research auf die Gflops-Leistung der C90 (16 Gflops maximal), die reale Anwenderprogramme schafften. Eine Spitzenleistung erzielte Walter Thiel von der Universitaet Wuppertal, sein Programm MNDO91 zur Molekuelsimulation erreichte 11,1 Gflops. Eine Vorgaengerversion dieses Programms war 1985 Bestandteil des RRZN-Benchmarks (Regionales Rechenzentrum fuer Niedersachsen, Hannover) und zeichnete sich durch extrem schlechte Vektorisierung aus.

Bei einer Anwendung der Geco-Prakla in Hannover, einer 3D-Migration im Rahmen von Explorationsuntersuchungen, wurden zehn Gflops erreicht. Mit der gleichen Gflops-Rate ging auch ein Programm des Forschungszentrums Juelich (KFA) zur Simulation quantenmechanischer Prozesse durchs Ziel. Selbst bei einem so Ein-und Ausgabe-intensiven Programmpaket wie Ansys wurden fast 6Gflops gemessen.

Cray verschliesst sich aber dem Trend nicht und entwickelt schon seit geraumer Zeit das massiv-parallele System "T3D" auf Basis des Alpha-Chips. Schon sechs Rechner sind bestellt, die in der ersten Stufe mehr als 300 Gflops erreichen sollen. Fuer 1996 ist die naechste Stufe geplant mit bis zu einem Tflop Spitzen-Rechenleistung. Schliesslich sollen in Stufe drei im Jahr 1998 reale Anwendungen mit einem Tflops rechnen.

In das System sind die Erfahrungen in der Entwicklung und Optimierung von Supercomputern eingeflossen, schnelle Speicherzugriffe, leistungsfaehige Ein- und Ausgabe, Unicos-Betriebssystem, Compiler etc. Die T3D ist eng mit den Rechnern der Y-MP- oder C90-Serie gekoppelt. Alle Eigenschaften sowie auch die Software der Vektorrechner koennen indirekt genutzt werden. So ist beispielsweise auch die Netzfaehigkeit gewaehrleistet. Cray hatsich nicht auf die Alpha-Chips als Rechenknoten fixiert, sondern will sich den zur jeweiligen Stufe leistungsfaehigsten Prozessor am Markt aussuchen. Die strikte Trennung von Mikro- und Makroarchitektur soll die Unabhaengigkeit vom Prozessortyp sicherstellen. Da sich bisher noch kein eindeutiger Marktfuehrer bei den Parallelrechnern herauskristallisiert hat, kann man auf das Produkt des Vektorrechner-Giganten, die Leistung und die Verkaufserfolge gespannt sein.

In Deutschland hat Cray als Neukunden Audi, die Bundesanstalt fuer Wasserbau in Hamburg und die Universitaet Magdeburg gewonnen. Bisher wurde noch keine C90-Bestellung hier bekannt gegeben. Einige interessante Rechnerersetzungen im Hochschulbereich sind gerade in der Beschaffungsphase, beispielsweise bei der Universitaet Stuttgart.

Cray stellte zudem noch ein neues Supercomputer-Einstiegs-Modell vor, das mit zwei, vier, sechs oder acht Prozessoren ausgestattet werden kann. Die "EL98" als Nachfolger der Y-MP-EL bietet laut Cray die doppelte Rechenleistung und eine vierfache Speicherkapazitaet. Y-MP-EL-Systeme koennen durch Module aufgeruestet werden. Das EL98-System ist binaerkompatibel zu allen anderen Cray-Rechnern bis zur C90.

Die wirtschaftliche Lage von Cray hat sich verschlechtert. Trotz eines Umsatzes von 798 Millionen Dollar war ein Verlust von knapp 15 Millionen Dollar zu beklagen. Ursache waren nach Aussage des Managements die Umstrukturierungsmassnahmen des Unternehmens und die verzoegerte Abnahme einer C90, die erst in diesem Jahr vollzogen werden konnte.

Fuer 1993 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 800 bis 900 Millionen Dollar. Einen Teil der Ausgaben fuer Forschung und Entwicklung, immerhin 160 Millionen Dollar, will Cray in Zukunft in Europa investieren, wo man sich einen grossen Markt erwartet.

*Uwe Harms ist freier Journalist in Muenchen.