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06.06.1980 - 

Keine Existenzangst im DP-Zeitalter:

Cray will kleinen Markt gut bedienen

MENDOTA HEIGHTS/MÜNCHEN (to) - Das Konzept des Distributed Processing gräbt den Herstellern großer Systeme nicht das Wasser ab, sondern läßt es im Gegenteil im Munde der Anwender nach mehr Computerleistung zusammenlaufen. So begründet John A. Rollwagen, Präsident der Cray Research Inc., Mendota Heights, daß er die Marktsituation für ein Großanlagenunternehmen wie Cray durch die "verarbeitungsverteilte" Zukunft in keiner Weise gefährdet sieht.

Einen sehr kleinen Markt steuerte Cray an, als das Unternehmen nach vierjähriger Entwicklungsarbeit 1976 die ersten Installationen des, "Maxi"-Computers Cray-1 für

wissenschaftliche Anwendungen anging. Zielgruppe waren zwischen 80 und 100 Großlaboratorien, die die Anlagen zur Grundlagenforschung benötigten. Mit der Intensivierung der Software-Entwicklung wurden weitere 200 Unternehmen als potentielle Anwender erschlossen. Das sind die Zahlen, die Rollwagen in einem Gespräch mit der COMPUTERWOCHE nennt. Zwei Drittel dieser knapp 300 Laboratorien seien amerikanisch, davon rund die Hälfte regierungsabhängig die anderen seien Einrichtungen kommerzieller Unternehmen.

Das vier- bis fünffach leistungsstärkere System Cray-2, das neben Cray-1 vertrieben werden soll, wird nach Aussagen Rollwagens noch einige Jahre auf sich warten lassen. Die Architektur und das logische Konzept seien zwar bereits beschlossen, aber die Implementationsphase, das wisse man aus Erfahrung, benötige seine Zeit. Außer ungefährer Leistungsstärke und Preis, der etwa 50 Prozent über dem des kleinen Bruders liegen soll will sich das Unternehmen über den "Supercomputer" noch nicht äußern.

Expansionsgefahr

Die Unternehmensphilosophie scheint sich bei dem jungen Hersteller um das Leitmotiv "Vorsicht vor Universalität" entwickelt zu haben. Weder eine kommerzielle Großanlage anzubieten, noch ein kleineres Cray-System mit gleichem Preis-/Leistungsverhältnis zu entwickeln, reizt Cray. Der Präsident erklärte wörtlich: "Unsere Spezialisation auf einen ganz bestimmten Sektor erlaubt uns, als sehr kleinem Unternehmen, mit wesentlich größeren Unternehmen erfolgreich zu konkurrieren. Wir spezialisieren uns und investieren all unsere Fähigkeiten in diesen Bereichen. Wenn wir versuchen würden, uns mit Universalisten zu messen, würden wir versagen." Eher will Cray ein noch leistungsfähigeres System entwerfen. Nicht nach einem größeren Markt sondern den vorhandenen besser zu bedienen, dahin gehen die Intentionen.

Teil dieser Bestrebungen ist die Bereitstellung von Software. Ein Drittel der insgesamt 15 Einkommensprozente wird für die Entwicklung auf diesem Sektor investiert. Eine firmeneigene Cray-1, seit einigen Monaten stolzer Besitz des Herstellers - "bisher konnten

wir uns noch keine leisten" - wird mit dieser Zielsetzung genutzt. Darüber hinaus würden Fremdfirmen dazu ermutigt und in den praktischen Bestrebungen unterstützt, ihre Applikations-Software für Cray-Einsatz zu konvertieren. Erstes Produkt aus diesen Bemühungen sei das voraussichtlich im Juni angekündigte Konstruktionsanalyse-Programm Nastran.

Das eigene Wachstum soll unter Kontrolle bleiben, erklärte der Super-Computer-Mann. Die Entwicklungsgruppe für das System-2 arbeite so selbständig als möglich und bilde faktisch einen eigenen Unternehmensbereich, so daß die interne Organisation

dadurch nicht überschaubarer werde. Daß Rollwagen insgeheim jedoch nach größeren Märkten für die Zukunft schielt, beweisen seine Aussagen in Zusammenhang mit dem Trend

zur dezentralisierten Datenverarbeitung. Die Nachfrage nach großen Zentralcomputern werde durch das Distributed Processing nur scheinbar unterbunden. "Indem man dem Anwender das eigene System hautnah macht, sieht er, was ein Computer leisten kann." Er werde sich zusätzlich Computerkapazität einkaufen. Außerdem könnten einige spezielle wissenschaftliche Berechnungen nur mit Hilfe eines Großrechners geleistet werden. Diese Art von Rechnerleistung ließe sich nicht dezentralisieren.

Als wichtiger Punkt dürfe nicht übersehen werden, daß durch die Online-Verbindung zu einem leistungsstarken Zentralrechner eine Art Arbeitsteilung zwischen Front-End-Rechner und Knotenrechner einen größeren Nutzeffekt erbringe. Das vor Ort installierte System übernehme die Datenaufbereitung - zum Beispiel auch in Form von grafischer Ausgabe - während die Zentrale die eigentliche Verarbeitung kostengünstig vornehme. Das Verbundsystem arbeite demnach effektiver. "Je effektiver ein System arbeitet, desto größer ist die Nachfrage, je größer die Nachfrage ist, desto mehr Computer werden gebraucht. Man braucht, soweit das mich betrifft, mehr Cray-1, Cray-2, Cray-3." In diesem Zusammenhang schätzt Rollwagen den kommenden Cray-Markt auf 500 bis 1000 Unternehmen in etwa zehn Jahren.