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20.06.1997 - 

IT in Banken/Neue Strukturen und Methoden in der Pilotphase

Credit Suisse migriert zur kundenorientierten Servicebank

Die Credit Suisse sah sich auf dem Weg zur umsatzstärksten Schweizer Bank mit einer Reihe von Herausforderungen, speziell bei der Installation eines effektiven DV-Systems, konfrontiert: Durch Umstrukturierung und Integration neuer Unternehmensteile in den Konzern ist eine Vielzahl unterschiedlicher IT-Systeme in Gebrauch. Zudem machen veränderte Marktanforderungen eine Migration von der bestehenden IBM-Großrechnerumgebung zur Client-Server-Architektur notwendig.

Im Gefolge einer großen Umstrukturierung

Die zweitgrößte Schweizer Bank hat Mitte letzten Jahres für Schlagzeilen gesorgt, als bekannt wurde, daß sie zusammen mit allen anderen Finanzinstituten der bisherigen Muttergesellschaft Credit Suisse Holding nach einer umfassenden Umstrukturierung ab Januar 1997 als Teil der Credit Suisse Group neu organisiert wird. Rainer Gut, Vorstandsvorsitzender der neuen Gruppe, erläutert die Gründe des Zusammenschlusses: "Mit der Reorganisation schaffen wir Geschäftseinheiten, bei denen der Kundennutzen im Vordergrund steht. Als Gruppe haben wir die nötigen Ressourcen, die einen optimalen Marktauftritt gewährleisten. Die Zeit ist reif, die Abläufe der Credit Suisse im Bereich Großkunden-, Wertschriften- und Emissionsgeschäft mit der angelsächsischen Investmentkultur zu verschmelzen."

Um die stärkere Kundenausrichtung erfolgreich umsetzen zu können, sollten die verschiedenen DV-Kulturen nicht nur vereinheitlicht werden. Auch der Informationstechnologie im Konzern sollte mehr Bedeutung zukommen. Zudem spielen Schnelligkeit und Zuverlässigkeit bei der Verarbeitung und Bereitstellung von Daten eine wichtige Rolle, speziell in neu eingerichteten Servicezentren und für den Ausbau des Leistungsumfangs im Bereich Kundendienst.

Urs Oberholzer, Mitglied der Direktion Organisation und Anwendungsentwicklung, erklärt die Herausforderung so: "Wir haben heute ein Entwicklerteam, das aus 1200 Personen besteht. Diese Mannschaft wollen wir nicht länger als "Ozeandampfer" organisieren, sondern effizienter einsetzen. Aus diesem Grunde gehen wir zu "Schnellbooten" über, die sich flexibel zusammensetzen und gut lenken lassen. Die neue Flotte muß allerdings weiterhin einer Admiralität unterstehen, so daß kein Durcheinander entsteht."

Oberholzers Ausgangsbasis präsentiert sich recht bunt: Der IT-Bereich basiert noch zu 70 Prozent auf PL/1-Programmen. Es gibt jedoch auch einige in Smalltalk geschriebene Anwendungen, die unternehmensweit von mehr als 1000 Mitarbeitern genutzt werden. Die gleiche Zahl an Beschäftigten im Schalterbereich arbeiten mit Anwendungen, die in C geschrieben wurden. Hinzu kommen immer mehr mit Seer-HPS entwickelte Anwendungen. Zur Zeit sind 14 dieser Applikationen produktiv im Einsatz, weitere 27 befinden sich im Entwicklungsstadium.

Jedes momentan eingesetzte System sei eigentlich als Legacy-System anzusehen, so Oberholzer. Dazu zählten selbst Anwendungen, die in "modernem" Smalltalk oder C-Code geschrieben sind. Die Probleme beim Bau und Unterhalt von Smalltalk- oder C-Applikationen resultieren aus der größeren Designkomplexität der Client-Server-Systeme im Gegensatz zum Großrechnerverbund sowie der zum Teil zu Betriebssystem-nahen Implementierung.

Mit der Client-Server-Entwicklungsumgebung Seer-HPS ließen sich Fortschritte erzielen. Denn trat früher ein Fehler auf dem Host auf, war dieser relativ einfach zu korrigieren. In der OO-Client-Server-Architektur kann eine falsch positionierte Funktionalität auf dem Client bei jedem Aufruf zu Umsetzungsproblemen führen. Das rührt daher, daß der Client in objektorientiertem Smalltalk programmiert wurde, der Host aber in funktionsorientiertem PL/1. Das Seer-Produkt automatisiert die Lösung der Umsetzungs- und Integrationsprobleme, auch wenn die Lösung dann nicht objektorientiert erfolgt.

Die Client-Server-Entwicklungsumgebung ist nicht nur im Back-end-Bereich die nötige Verbindung. Auch das Front-end wird unterstützt. Das Ziel der Credit Suisse, eine einheitliche Benutzeroberfläche für alle konzernweiten Anwendungen zu schaffen, rückt somit näher. Gelöst wird auch das Problem der Heterogenität, und zwar über einen kompletten Satz an Standard-Schnittstellen. Jede Anwendung erhält so das gewünschte Outfit. Bei der CS sorgt eine eigens eingerichtete Software-Ergonomie-Stelle für eine einheitliche Linie.

Franz Brunner, Direktor Technologie, Ergonomie, Ausbildung bei Fides Informatik, bestätigt den immensen Umstellungsbedarf aus der Sicht seines Softwarehauses, das als outgesourcte IT-Mannschaft der CS fungiert: "Wir haben mit der angesprochenen Heterogenität unmittelbar zu tun. Betriebssysteme, Kommunikationsmittel sowie das gesamte System-Management sind davon betroffen. Hinzu kommt ein radikaler Wandel der Verfahrensmodelle aufgrund neuer Strukturen und veränderter Organisationseinheiten."

Um die Integration der einzelnen heterogenen Systeme ohne eine vollständige Neuprogrammierung vornehmen zu können, war einerseits ein weiterer Ausbau der Client-Server-Funktionalität gefordert, andererseits wollte man den Einstieg in die Objektorientierung wagen. Die CS entschloß sich, auf Analyse und Design zu setzen, um die erhöhten Anforderungen und Komplexitäten zu meistern. Vom Einsatz der Objekttechnik verspricht sich die CS nicht nur eine schnelle Entwicklung wiederverwendbarer Codes, sondern auch die problemlose Erstellung einer globalen Übersicht über alle erforderlichen Geschäftsobjekte.

Das eigens für die Objektverwaltung eingerichtete "Business Object Büro" war noch auf den eigenen Aufbau von Business Objects angewiesen. Die Entwicklung austauschbarer Objekte, die auf allgemeinen Standards basieren, nahm Formen an.

"Archetype for OO" ist ein Front-end zu HPS. Im Unterschied zu der traditionellen Information-Engineering-Methode bietet es durch seine Orientierung an Business-Objekten die Möglichkeit, spezielle User-Anforderungen bei der Transformation in breit angelegte, verteilte Applikationen einzubeziehen. Die so entwickelten Modelle werden nach methodisch klaren Richtlinien in HPS-Modelle überführt. Ein besonderer Vorteil besteht darin, daß sich sowohl die OO- als auch HPS-Modelle im Freeway Workgroup Repository ablegen lassen. Es gestattet mehreren Anwendern, gemeinsame Entwicklungsmodelle LAN-weit in Echtzeit zu nutzen. Alle in Archetype aufgenommenen Geschäftsmodelle können somit als Vorlage für die Schaffung großer Client-Server-Applikationen dienen.

Das neue Tool wird nach der Pilotphase bisherige Werkzeuge im Bereich Organisation und Anwendungsentwicklung ablösen. Interessant an dem Tool war für das Bankinstitut vor allem, daß es Standardschnittstellen zu anderen Produkten wie Rational Rose, HTML-basierten Dokumentationshilfen und Bookmaster unterstützt. Sie garantieren die nötige Flexibilität für die freie Wahl des Einstiegs bei der Errichtung von Modellen.

Günstig für die Umsetzung und Implementierung von objektorientierten Analyse- und Designmodellen - in einer weitgehend relationalen Systemwelt - ist die Herkunft der Entwicklungshilfen aus der gleichen Werkzeugschmiede. So halten sich die Schwierigkeiten, die sich aus dem Methodenbruch ergeben, in Grenzen.

Angeklickt

Die Credit Suisse (CS) nutzt zur Zeit in einer Pilotinstallation ein neues Entwicklungs-Tool, um den Umstieg auf eine Client-Server-Architektur zu erproben. Die Entscheidung für Seer Archetype resultiert aus bisherigen Erfahrungen mit 14 HPS-Anwendungen.

*Isa Scholtissek ist freier Journalist in in Frankfurt.