Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

25.07.2003 - 

Hersteller verstärkt sich im Reporting-Markt

Crystal Decisions geht an Business Objects

MÜNCHEN (as) - Business Objects hat überraschend angekündigt, seinen Konkurrenten Crystal Decisions für 830 Millionen Dollar kaufen zu wollen. Damit entsteht ein neues Schwergewicht im Markt für Analyse- und Reporting-Tools.

"Der Kauf von Crystal Decisions vereint zwei starke Unternehmen mit komplementären Produktspektren, die sich in Vertrieb, Know-how und internationaler Präsenz ergänzen", erklärte Bernard Liautaud, CEO von Business Objects, anlässlich einer eilig einberaumten Pressekonferenz. Auch die finanzielle Verfassung und Marktbedeutung beider Unternehmen stimmen den Franzosen zuversichtlich. So konnte das in Privatbesitz befindliche Softwarehaus Crystal Decisions seine Umsätze mit Berichts- und Analysewerkzeugen, zu denen das verbreitete Produkt "Crystal Reports" zählt, zwölf Quartale in Folge steigern. Das letzte Geschäftsjahr (Ende: 27. Juni 2003) brachte Unternehmensangaben zufolge ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr von 32 Prozent auf 287 Millionen Dollar bei einer Nettomarge von 15,9 Prozent. Ein Börsengang stand unmittelbar bevor.

Business Objects, das mittlerweile eine umfassende Produktsuite für Business Intelligence (BI) bietet, nahm im letzten Geschäftsjahr (Ende: 31. Dezember 2002) 454 Millionen Dollar oder 9,2 Prozent mehr als im Vorjahr ein und erwirtschaftete eine Nettomarge von rund neun Prozent.

Zudem verfügt das Unternehmen über Barreserven von 329 Millionen Dollar, die nun allerdings zu einem Großteil für die geplante Akquisition vorgesehen sind.

Der Deal sieht vor, dass die Franzosen rund 26,5 Millionen ihrer Stammaktien für Anteile und Aktienoptionen von Crystal Decisions ausgeben, was ungefähr 29 Prozent der Aktien der zusammengeschlossenen Unternehmen entspricht. Außerdem erhalten die Anteilsinhaber von Crystal Decisions insgesamt 300 Millionen Dollar in bar. Basierend auf dem Schlusskurs seiner Wertpapiere vom 17. Juli 2003, wendet Business Objects insgesamt rund 820 Millionen Dollar auf - die bisher größte Transaktion im BI-Markt. Gelingt der Zusammenschluss, würde einer der umsatzstärksten Anbieter von BI-Software entstehen, der rund 3800 Angestellte, 16 Millionen verkaufte Lizenzen sowie 20 Patente beziehungsweise Patentanmeldungen vorweisen kann.

Reporting-Anbieter unter Druck

Das Duo könnte vor allem im Marktsegement der Berichtswerkzeuge, auf denen rund 80 Prozent aller BI-Lösungen basieren, für erhebliche Verschiebungen sorgen. Positionierte sich Business Objects bisher mit Tools für Analyse und Ad-hoc-Abfragen gegen Hersteller wie Cognos oder Microstrategy, geraten nun auch Spezialisten für Enterprise Reporting wie Actuate, Brio/Sqribe oder Information Builders unter Druck. Zudem haben Microsoft und Oracle den Markt entdeckt und ihre Produkte mit Reporting-Funktionen angereichert

Business Objects hofft, durch das stark OEM-orientierte Vertriebsmodell von Crystal Gelegenheit zum Cross- und Up-Selling zu bekommen. So sind die Tools von Crystal in Produkten von über 350 Partnern zu finden, darunter denen von SAP, Peoplesoft, Hyperion Solutions oder auch als Teil von Microsofts Entwicklungsumgebung "Visual Studio .NET". Deren Kunden möchte Business Objects, das bisher in erster Linie an Großunternehmen verkauft, vor allem von seiner Software für die Datenintegration sowie analytische Anwendungen überzeugen. Umgekehrt sollen unter den 17500 Kunden der Franzosen Abnehmer für Crystal Reports und die Suite für Enterprise-Reporting "Crystal Enterprise" gewonnen werden.

Doch die geplante parallele Vermarktung und Integration der Produktlinien könnte schwierig werden. Entgegen den Äußerungen Liautauds gibt es laut Carsten Bange, Geschäftsführer beim Würzburger Marktforschungsinstitut Barc, erhebliche funktionale Überschneidungen zwischen den Tools beider Hersteller. Auch scheint sich Business Objects nur wenig für die Analyseprogramme wie "Crystal Analysis" oder "Crystal Holos" zu interessieren, die ebenfalls mit den eigenen Tools konkurrieren. Wie es daher bei der Produktentwicklung weitergeht, wie der Vertrieb neu geordnet werden soll, und ob sich OEM-Kunden wie die SAP mit dem neuen Partner anfreunden können, wird sich vermutlich erst nach Abschluss der Übernahme zum Herbst zeigen.