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20.04.2001 - 

Outsourcing-Geschäft kommt nicht auf die Beine

CSC Ploenzke kämpft mit Management-Problemen

MÜNCHEN (wh) - Nach dem Ausscheiden mehrerer Führungskräfte sind interne Probleme beim Beratungshaus CSC Ploenzke offen zutage getreten. Im Outsourcing-Geschäft kommt die deutsche Tochter des CSC-Konzerns nicht auf die Beine. Der Vorstand habe es versäumt, das Unternehmen strategisch neu auszurichten, sagen Insider.

Es war nur eine weitere Hiobsbotschaft aus dem fernen Amerika. Computer Sciences Corp. (CSC), nach IBM und EDS weltweit drittgrößter IT-Dienstleister, büßte nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung im März rund 40 Prozent seiner Börsenkapitalisierung ein. Der Konzern mit Hauptsitz im kalifornischen El Segundo will zwischen 700 und 900 Mitarbeiter entlassen. Inwieweit die Tochtergesellschaft CSC Ploenzke AG von den angekündigten Sparmaßnahmen betroffen ist, kann heute noch niemand sagen. Doch allem Anschein nach hat das in Kiedrich ansässige Unternehmen schon genug mit eigenen Problemen zu tun.

Das Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden Christian Stolorz und des ehemaligen Marketing-Vorstands Bruno Rücker ist nur das vorläufige Ende einer ganzen Reihe von Management-Wechseln und internen Querelen. Wie die CW erfuhr, wird auch Finanzvorstand Heiner Diefenbach seinen Hut nehmen. Schon im vergangenen Jahr war es immer wieder zu Auseinandersetzungen über die strategische Ausrichtung gekommen, verlautet aus unternehmensinternen Kreisen. Das schwache Abschneiden im Outsourcing-Markt gilt als einer der Auslöser. Mehrere hochrangige Manager, die für dieses Geschäftsfeld verantwortlich zeichneten, warfen entnervt das Handtuch.

CSC hatte das 1969 von Klaus Plönzke gegründete Unternehmen 1995 mehrheitlich übernommen. Während der Mutterkonzern weltweit einer der größten Outsourcer ist, spielt CSC Ploenzke in diesem Geschäft noch immer nur in der zweiten Liga. Weniger als 20 Prozent des Umsatzes generierte das Unternehmen im Fiskaljahr 2000 (Ende: 31. März 2000) aus dem Geschäft mit der Auslagerung von IT-Funktionen. Das entspricht ungefähr 250 Millionen Mark, rechnet Heinz Streicher, Partner des Unternehmensberaters Thomas Lünendonk, vor. "Damit liegt CSC Ploenzke bestenfalls im Mittelfeld hinter den großen Anbietern." Der CSC-Konzern dagegen weist für das Finanzjahr 2000 rund 3,7 Milliarden Dollar Outsourcing-Einnahmen aus, fast 40 Prozent des Gesamtumsatzes.

Immer wieder war von CSC Ploenzke zu hören, der deutsche Outsourcing-Markt sei im internationalen Vergleich schwach entwickelt. Experten lassen diese Entschuldigung nicht gelten: "Es gibt kein generelles Problem im Outsourcing-Markt, das Problem liegt bei CSC Ploenzke", urteilt Karin Henkel vom Beratungsunternehmen Strategy Partners. Meta-Group-Analyst Markus Huber schätzt die Situation ähnlich ein: "CSC Ploenzke hat das Outsourcing-Geschäft vernachlässigt. Die deutsche Niederlassung hatte hier nie die gleichen Erfolge wie CSC weltweit." Während die englische CSC-Dependance "einen guten Outsourcing-Vertrag nach dem anderen" abschloss, konnten die Manager in Kiedrich kaum eigene Abschlüsse vorweisen, so Huber. Die Europa-Zentrale im englischen Farnborough habe auf die deutsche Organisation immer mehr Druck ausgeübt.

Henkel beschreibt die tieferen Gründe für die Misere: "Das ist ein Management-Problem." CSC Ploenzke habe sich mit dem Thema Outsourcing nicht ausreichend befasst. "Es ging dem Unternehmen lange Zeit zu gut. Das Consulting-Geschäft florierte; dabei wurde einer der wichtigsten Bereiche, für den CSC weltweit bekannt ist, sträflich vernachlässigt."

"Jetzt will ich nicht mehr"Belege für diese These gibt es reichlich. Im Sommer 2000 etwa quittierte der Geschäftsführer der CSC Ploenzke IT Services GmbH, Jürgen Berg, seinen Dienst. Die Tochtergesellschaft der CSC Ploenzke AG zeichnet für das Outsourcing-Geschäft verantwortlich. "Berg wollte den Outsourcing-Bereich ausbauen", bestätigt Henkel. "Er konnte sich aber im Vorstand nicht durchsetzen."

Andere Quellen berichten, der Manager sei aus verschiedenen Gründen bei der Akquisition von Outsourcing-Projekten nicht erfolgreich gewesen. An der Qualifikation des ehemaligen Europa-Chefs von EDS dürfte es kaum gelegen haben. "Berg hat selbst gesagt: Jetzt will ich nicht mehr", berichtet ein Insider. Gegenüber der CW wollte sich Berg, der heute die deutsche Niederlassung eines französischen IT-Dienstleisters führt, nicht zu seinem Ausscheiden äußern.

Wenige Monate nach Bergs Weggang kündigte sein einstiger Mitarbeiter Axel Funk. Er zeichnete innerhalb der Tochtergesellschaft für den Bereich selektives Outsourcing verantwortlich. Darunter fällt insbesondere der Bereich SAP-Outsourcing, eines der größten Segmente im deutschen Markt. Ausgerechnet in diesem lukrativen Feld bringt CSC Ploenzke bis heute keinen Fuß auf den Boden.

Strategy Partners untersucht den Markt für SAP-Outsourcing regelmäßig im Rahmen einer Studie. Für die erste Erhebung dieser Art im Jahr 1998 habe CSC Ploenzke noch verwertbare Informationen geliefert, berichtet die verantwortliche Analystin Henkel. "Dieses Jahr waren die Informationen nicht zu gebrauchen. Die Daten, die wir erhalten haben, waren dergestalt, dass wir sie nicht veröffentlichen konnten. Das bedeutet, CSC Ploenzke kommt in dieser Studie nicht in die Riege der SAP-Outsourcer."

Schon 1998 habe das Beratungshaus weniger Abschlüsse verzeichnet als vermutet, so Henkel weiter. Neuere Zahlen habe sie nicht erhalten. "Wir waren damals schon sehr erstaunt, weil jeder gedacht hat: CSC Ploenzke ist einer der Großen im SAP-Outsourcing-Geschäft. Das Unternehmen wird ja auch in einem Atemzug mit EDS genannt. In Deutschland ist das überhaupt nicht der Fall. CSC Ploenzke scheint in diesem Bereich ein Riesenproblem zu haben."

RückschlägeNach Berg und Funk ging im vergangenen Jahr auch Marketing-Chef Klaus-Michael Erben von Bord. Schon Bergs Vorgänger Herbert Wettern hatte wenig Fortune beim Aufbau des Outsourcing-Geschäfts. Im Mai 1999 kündigte Asea Brown Boveri (ABB) einen auf sieben Jahre angelegten Outsourcing-Vertrag der aufgekauften Firma Hartmann & Braun. CSC Ploenzke ging damals ein dreistelliger Millionenbetrag verloren; Wettern blieb nur die undankbare Aufgabe, bei der "Rückführung" der IT in den ABB-Konzern behilflich zu sein. Auch er arbeitet nicht mehr für das Unternehmen.

Das Ausscheiden Bergs fällt zeitlich mit einer internen Umbesetzung zusammen. Bruno Rücker, der die Vorstandsbereiche Marketing sowie öffentliche und private Dienstleister verantwortete, schied im Sommer 2000 aus dem Führungsgremium aus. Er wechselte offiziellen Angaben zufolge auf die europäische Management-Ebene. Nach 20 Dienstjahren hatte Rücker "mit dem Thema Outsourcing nichts am Hut", berichtet ein Brancheninsider. Er habe zu jener Riege im Vorstand gehört, die einer strategischen Ausrichtung auf neue Geschäftsfelder skeptisch bis ablehnend gegenüber stand. Der 51-Jährige ist heute Vorstandschef beim Internet-Softwareanbieter Openshop.

Im März schließlich legte auch Unternehmenschef Christian Stolorz sein Amt nieder. Er wechselte zum Investment-Haus Goldzack, wo er im Juni zum Vorstandsvorsitzenden gewählt werden soll. Stolorz, der am 1. April 1999 Unternehmensgründer Klaus Plönzke auf dem Chefsessel ablöste, wird nachgesagt, er habe nicht zuletzt wegen Differenzen über die strategische Ausrichtung das Handtuch geworfen.

Gegenüber der CW dementiert er diese Gerüchte. Seine Entscheidung sei "zu 95 Prozent von dem überragenden Angebot bestimmt" gewesen, das er von Goldzack erhalten habe. Was die restlichen fünf Prozent angehe, genieße er "die Perspektive, in einer nicht konzernbestimmten Unternehmenswelt zu leben". Angesprochen auf die nicht immer reibungslose Zusammenarbeit mit dem CSC-Management in England und den USA, wird der 44-Jährige deutlicher: "Ich bin nicht derjenige, der sich gerne von amerikanischen Headquarters Vorschriften machen lässt." Trotz mancher Streitigkeiten, die gelöst worden seien, habe es aber nie grundsätzliche Probleme mit CSC gegeben. Seine Verbundenheit mit CSC Ploenzke bleibe bestehen; er werde dem Unternehmen weiter als Aufsichtsrat zur Seite stehen. Ein Insider beschreibt die Beweggründe des Ex-Bankers so: "Stolorz hat einfach die Schnauze voll gehabt von einer Hierarchie, die über die USA und das europäische Headquarter hier die Vertriebsgemeinschaft Deutschland definiert hat."

Die mageren Ergebnisse der Outsourcing-Abteilung hätten bei seinem Ausscheiden keine Rolle gespielt, betont Stolorz, räumt aber ein: "Das Outsourcing-Geschäft hat sich in Deutschland und in Kontinentaleuropa insgesamt nicht so entwickelt, wie das von der CSC-Konzernzentrale erwartet worden ist." Dafür gebe es eine Vielzahl von Gründen. Er habe "persönlich alles getan, um das Geschäft zu pushen". Dazu zähle unter anderem die Einsetzung des ehemaligen Debis-Geschäftsführers Uwe Kamann als Vorstand für das Geschäftsfeld IT-Services, das vor allem das Outsourcing-Geschäft umfasst. Der Bereich ist damit erstmals im Vorstand vertreten.

Strategiepapier ohne WirkungVon Differenzen über die strategische Ausrichtung will der gelernte Jurist nichts wissen: "Da ist nichts dran." Im Rahmen des "Kolumbus"-Projektes, dem strategischen Programm für die nächsten drei Jahre, habe man Outsourcing bereits im April 1999 als integralen Bestandteil beschrieben. Das Programm sei "völlig einvernehmlich" beschlossen worden. Die Wirkung dieses Strategiepapiers hält sich offenbar in Grenzen. Laut Frank Schabel, Pressesprecher von CSC Ploenzke, hat sich der Anteil des Outsourcing-Geschäfts auch im abgelaufenen Geschäftsjahr (Stichtag: 31. März 2001) kaum verändert.

Nachfolger von Stolorz ist seit dem 1. April der bisherige Chief Operating Officer (COO) Peter Strabel (49). Er sitzt seit 1998 im Vorstand. Mit seinem Hintergrund in der Finanzdienstleistungsszene repräsentiert er das große und erfolgreiche Projektgeschäft, so ein Beobachter. Die Probleme von CSC Ploenzke liegen allerdings in anderen Bereichen. Während die Einnahmen aus dem Finanzsektor wachsen, stagniert das Geschäft in den Segmenten Industrie und Handel.

Ob das Stühlerücken im Vorstand ausreicht, CSC Ploenzke in diesen Feldern und vor allem im Outsourcing-Geschäft zum Erfolg zu führen, ist offen. Die Notwendigkeit scheint man in Kiedrich erkannt zu haben: "Angesichts des generell schwächeren Wachstums im IT-Consulting werden wir das Thema Outsourcing gezielter angehen", sagt Schabel. "In der Vergangenheit haben wir den Outsourcing-Bereich in der Tat nicht als strategisch angesehen. Wir haben hier noch Hausaufgaben zu machen."

Wie dringend diese Hausaufgaben sind, wird sich zeigen, wenn CSC Ploenzke am 14. Mai die Geschäftsergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert. Spätestens dann wird auch das US-Management erklären müssen, wo es den Rotstift ansetzt.

Abb: Umsatzstruktur CSC

Der CSC-Konzern gehört zu den größten Outsourcing-Anbietern. Quelle: CSC