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29.07.1983 - 

Ausbau von Eletronik und Mikroelektroniksektoren geplant:

CSSR-Manager wollen endlich DV forcieren

WIEN (CW) - Elektronik und Mikroelektronik wurden letzt auch von der Führung der Tschechoslowakei als Industriezweig von größter Bedeutung für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung des Landes hervorgehoben. Die Verantwortlichen sind nunmehr entschlossen, diese Sektoren so schnell wie möglich auszubauen. Danach sollen der Ausstoß der elektronischen Industrie bis 1985 im Vergleich zu 1981 um 80 bis 90 Prozent und der der Mikroelektronik um 146 wachsen.

Durch den forcierten Einsatz von Elekronik in der tschechoslowakischen Wirtschaft sollen bis 1990 etwa 300 000 Arbeitskräfte für andere Beschäftigungen freigesetzt, bis zu 20 Prozent Strom jährlich eingespart und auch die Arbeits- und Materialkosten wesentlich gesenkt werden. Im Rahmen der Kooperation mit den RGW-Staaten gebe es bereits mehrere Abmachungen im Bereich der Computertechnik. Vereinbarungen über eine Arbeitsteilung bei Videorecordern und Mikroprozessoren (8-Bit-Chips) sollen folgen und die Vorbereitungen zur Aufnahme der Produktion im nächsten Jahr abgeschlossen sein, berichtet die Bundesstelle für Außenhandelsinformation (BfAI), Köln.

Anwendung unter RGW-Niveau

In der CSSR wird zur Zeit nur ein Mikroprozessortyp ("8080") hergestellt. Die Produktion von zwei weiteren soll demnächst aufgenommen werden. Ergänzend seien Importe aus der UdSSR (16-Bit-System), der DDR (das sogenannte U-800-System) und Bulgarien (MC-6800-System) geplant. Bis 1985 sollen 40 Prozent der produzierten Mikroprozessoren in der EDV, 22 Prozent in der Meß- und Regeltechnik, 20 Prozent in der Telekommunikation, sechs Prozent in der Fertigung von Verbraucherelektronik, vier Prozent in der Unterhaltungselektronik, drei Prozent in der medizinischen Elektronik und fünf Prozent in sonstigen Geräten Verwendung finden.

Gleichzeitig sollen insgesamt 1560 Industrieroboter gefertigt werden eine Produktion, die den tschechoslowakischen Experten selbst viel zu niedrig erscheint. Wegen ungenügender Kapazitäten und einem ausgeprägten Festhalten der tschechoslowakischen Anwenderbetriebe an den hergebrachten Produktionsverfahren sei aber kaum mehr möglich, heißt es dazu.

In der CSSR wird kein Hehl daraus gemacht, daß man in Forschung, Entwicklung und Produktion auf dem Gebiet der Elektronik hinter dem internationalen Niveau herhinkt, obwohl über 60 Prozent der gesamten Angebotspalette der Weltproduktion von elektronischen Erzeugnissen nach tschechoslowakischen Angaben auch in der CSSR fabriziert werden.

1979 wurde das Föderalministerium für Eletrotechnik und Elektronik gegründet und mit der Leitung dieses Sektors (220 000 Beschäftigte plus 24 000 Mann Entwicklungspersonal) beauftragt. Produktion und Forschung leiden aber noch heute unter einer unzureichenden Koordination. Auch konzeptionell scheint diese Branche nach den verfügbaren Quellen auf nicht sehr sicheren Füßen zu stehen. Die Produktion ist unter sieben großen Konzernen mit 78 Firmen aufgeteilt, und es gibt drei Forschungsinstitute. Darüber hinaus soll eine große Zahl kleiner Forschungsgruppen existieren, die unabhängig voneinander arbeiten.

Es fehlt dem BfAI zufolge an Informationen über den Bedarf des Landes, und auch über die Anwendungsmöglichkeiten von elektronischen Erzeugnissen wissen die potentiellen Benutzer oft nicht genügend Bescheid. Ein beträchtlicher Teil der Ausrüstung sei veraltet (Durchschnittsalter der Maschinen: 16 Jahre), und die Versorgung mit Ersatzteilen und Serviceleistungen lasse wegen der oft zu geringen Seriengröße zu wünschen übrig. Die tschechoslowakischen Maschinenbauer, die elektronische Komponenten in ihre Maschinen implementieren wollen, beklagen sich nicht nur über deren Preise, sondern auch über ihr unbefriedigende technische Qualität. Schließlich seien Elektronikspezialisten sehr rar, weil die Ausbildungsprogramme ungeeignet sind und die Bezahlung der Elektronikfachleute zu schlecht ist.

Obwohl sich die EDV in einigen Bereichen - zum Beispiel in der Statistik - etablieren konnte, habe sie sich in Entscheidungsprozessen auf den oberen Führungsebenen noch nicht durchsetzen können. Im letzten Jahrzehnt wurden zwar nach BfAI-Informationen rund 300 Management-Informations-Systeme eingeführt, ohne daß jedoch insgesamt die erhofften Resultate eingetreten sind. Dies wird zum Teil darauf zurückgeführt, daß es den zirka 15 000 verfügbaren Programmieren nicht gelungen ist, die notwendigen Daten für die entsprechenden Führungsaufgaben zu integrieren.

Softwareprobleme

Aussichtsreicher erscheint den Fachleuten dagegen die Verwendung von Rechnern bei der "Automation bürokratischer Abläufe" (zum Beispiel Lohnzahlung, Buchhaltung). 1981 waren in der Tschechoslowakei zirka 1500 EDV-Anlagen im Einsatz. Rund 70 000 Arbeitskräfte seien im Computersektor mit Forschung, Fertigung und Anwendung beschäftigt. Die Gesamtinvestitionen für die Computerindustrie beliefen sich auf etwa 17 Milliarden tschechoslowakische Kronen.

In Abstimmung mit dem RGW werden laut BfAI in den ZPA-Werken (Cakovice) Kleinrechner vom Typ EC-1025 gefertigt. Hauptproblem bei diesem Rechnertyp seien zur Zeit noch die Engpässe bei den Plattenspeichern. Die Verzögerungen bei der Entwicklung geeigneter Plattenspeicher wären auch die wesentliche Ursache dafür, daß die EDV-Anlage EC-1025 in der modernen Version um Jahre verspätet auf den Markt kam.

Zusätzlich zu diesem Modell sind dem Bericht zufolge in tschechoslowakischen Rechenzentren rund 40 verschiedene Typen von Computern westlicher oder östlicher Herkunft installiert, deren Hard- und Softwarekompatibilität die Experten aber nicht befriedige. In drei Firmen würden außerdem in kleinen Serien Minicomputer einschließlich Peripherie und Software produziert. Hinderlich seien dabei aber die chronischen Engpässe an Geräten zur Datenerfassung und Terminals.

Zum Ärger der Anwender komme es zu oftmaligen Ausfällen der etwa 1600 bislang installierten Minicomputer. Realtime-Anwendungen von EDV-Anlagen gebe es bei der tschechoslowakischen Luftfahrtgesellschaft, im Eisenbahnwesen, im Bausektor und in Bibliotheken. Verhältnismäßig wenig Anwendung fanden Computer im Bildungswesen, in der Medizin, in Telekommunikationssystemen und in der Wirtschaft.