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11.08.2000 - 

Auf dem Prüfstand: Trius AG

CTI soll einem kleinen Systemhaus Flügel verleihen

11.08.2000
FRANKFURT/M. - Mit den kürzlich vorgelegten Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr liegt die im hessischen Friedrichsdorf beheimatete Trius AG im Plan. Um seine ehrgeizigen Ziele auch in Zukunft zu erreichen, hofft der noch kleine Anbieter von Lösungen für Computer Telephony Integration (CTI) auf den schnellen Durchbruch dieser Technologie. Von Andrea Goder*

"Den CTI-Markt an sich gibt es noch gar nicht", musste Wolfgang Romberg kürzlich auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt am Main einräumen. Der Trius-Vorstandschef, neben Ottmar Lotz Mitbegründer des bereits seit 1992 bestehenden Unternehmens, sieht sich vielmehr als Pionier in einem Marktsegment, das noch am Anfang steht. Gerade einmal 3,5 Millionen Mark setzte das seit März am Neuen Markt in Frankfurt gelistete Unternehmen im Geschäftsjahr 1999/00 (Ende: 30. April) um. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ist das zwar ein Plus von 40 Prozent, in absoluten Zahlen lagen die Zuwächse allerdings bei nur einer Million Mark (ohne Berücksichtigung des Rumpfgeschäftsjahres von Januar bis April 1999 - siehe Abbildung).

Wie schleppend sich die Geschäfte bei Trius noch hinziehen, macht auch ein Blick auf die Umsatzstruktur deutlich. Demnach erzielte das 52-Mitarbeiter-Unternehmen im letzten Geschäftsjahr 28 Prozent der Erlöse (rund eine Million Mark) mit dem Verkauf von Telefonielösungen. Derzeit sind die Hessen außerdem noch stark von zwei Produkten abhängig. Eines davon ist die skalierbare Netzwerklösung "Teliman Professional", die kleinen und mittleren Firmen computergestütztes Telefonieren ermöglichen soll. Neben besagter CTI-Software steuerte das Projektgeschäft 1,3 Millionen Mark, der Verkauf von Hardwarekomponenten 1,2 Millionen Mark zum Umsatz bei.

Schon im laufenden Geschäftsjahr will Trius-Chef Romberg die CTI-Produktpalette erweitern und die Einnahmen auf knapp zwölf Millionen Mark steigern. Um diesen Umsatzsprung zu schaffen, soll noch im zweiten Quartal eine Marketing-Offensive gestartet werden, die die Bilanz allerdings stark in Schieflage bringen dürfte. Laut Business-Plan sollen im Geschäftsjahr 2000/01 knapp zwölf Millionen Mark Umsatz einem Verlust von etwa neun Millionen Mark gegenüberstehen. 1999/00 wurde in der Bilanz noch ein Jahresfehlbetrag von 820000 Mark ausgewiesen.

Mit der forcierten Entwicklung von CTI-Software setzen die Hessen alles auf eine Karte. Doch ihr Optimismus ist ungebrochen. Bis 2002/03 wird mit einem Umsatzanstieg auf 77 Millionen Mark und deutlich positiven Zahlen gerechnet. Noch lässt sich allerdings nur schwer prognostizieren, wie sich der gerade entstehende CTI-Markt tatsächlich entwickeln wird. Denn er ist stark fragmentiert, zahlreiche Anbieter mit so genannten Share- und Freeware-Programmen zielen auf das gleiche Marktsegment wie Trius. Ungeachtet dessen schätzen Marktforschungsinstitute wie Ovum den europäischen CTI-Markt im Jahr 2002 auf ein Volumen von 2,5 Milliarden Mark. "In zwei Jahren kann man sicher von Marktanteilen sprechen", gibt sich auch Romberg überzeugt.

Bis dahin peilt die Trius-Truppe im Wettstreit mit nationalen Nischen-Playern wie Ositron, Tedas, Megasoft oder Telesnap die Marktführerschaft in Deutschland und Europa an. "Wir sind die erste Company in diesem Bereich, die mit einer ordentlichen Kapitalausstattung so richtig durchstarten kann", zeigte sich der 35-jährige Manager vor der Presse selbstbewusst. Kein Wunder, brachte doch der Börsengang rund 70 Millionen Mark in die Kasse des Unternehmens. Was sich allerdings bei näherer Betrachtung des Marktes doch wieder ein bisschen relativiert. Denn Trius hat es im Zweifel nicht nur mit den erwähnten Nischenplayern, sondern zumindest auf europäischer Bühne auch mit größeren Konkurrenten wie Siemens oder Alcatel zu tun.

Gemeinsam mit Kooperationspartnern wie Panasonic, Teles oder Bintec plant Trius deshalb, in den nächsten Monaten die Vertriebsaktivitäten auf Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien und Holland auszuweiten. Im April gründete das hessische Unternehmen bereits im polnischen Kattowitz eine Tochtergesellschaft, die vor allem die Produktentwicklung vorantreiben soll. Zusätzlich will man die Wettbewerbsfähigkeit durch Akquisitionen sichern. Mit der kürzlich erfolgten Übernahme der Konzeptpark GmbH, Lahnau, wurde beispielsweise Know-how im Bereich Projektsoftware zugekauft.

Noch nicht überzeugt von dem CPI-Wert zeigen sich indes bis dato viele Investoren. "Unser Kursverlauf ist nicht sonderlich erfreulich", musste denn auch Romberg zugeben. Die im März im Auktionsverfahren mit 36,5 Euro zugeteilte Aktie ist aktuell nur noch knapp die Hälfte wert.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.

Abb: Ehrgeizige Pläne: In den kommenden Jahren sollen bei Trius Umsatz und Gewinn dramatisch zulegen. Quelle: Trius AG