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21.12.1990 - 

Das alternative Betriebssystem (Teil 2 und Schluß)

CTOS tritt jetzt als Konkurrent von Unix und OS/2 in den Ring

Ein einheitliches Betriebssystem, um "Offene Systeme" zu erreichen, sollte kein Glaubensbekenntnis der Computergemeinde sein, forderte der erste Teil des Beitrages, der als Muster für einen alternativen Weg CTOS anführte. Dieses Betriebssystem wurde 1980 im Hinblick auf die sich abzeichnenden Anforderungen des Distributed-Processing vorgestellt.

CTOS-Arbeitsplätze können gleichzeitig als Server wirken und einem Benutzer für Anwendungen zur Verfügung stehen. Entsprechend fungieren sie im Host-Anschluß als Cluster-Controller und/oder als 3270-Terminal. Im Rahmen des sogenannten SNA-Transport-Service können mehrere Arbeitsplätze die Kommunikationssoftware eines Servers nutzen. Dieser Service stellt zudem verschiedene Verbindungen zu einer SNA-Umgebung bereit wie Token-Ring (lokal), SDLC-Leitungen (entfernt) und X.25 für öffentliche Netze.

Ein anderes Beispiel für die SNA-Funktion ist der Anschluß von PCs in diesem Rahmen. Sie können CTOS-Ressourcen nutzen wie Platten, Drucker, elektronische Post, Kommunikationsdienste und das Booten von Diskless-PCs. Entsprechende Verbindungen bestehen zu anderen Mainframes, darunter auch die Geräte der CTOS-Anbieter Bull und Unisys.

IDC hat einen "Kriterienkatalog für offene Systeme" vorgelegt, über dessen Details man diskutieren könnte, der aber auf jeden Fall eine Richtschnur sein kann, wo es doch, wie IDC ebenfalls sagt, "keine allgemeingültige Definition für offene Systeme gibt".

Hier die Kriterien von IDC, jeweils anschließend ein Kommentar des Autors in bezug auf CTOS:

1. Wohldefinierte und robuste Software-Schnittstellen: Ja.

2. Verfügbarkeit von mehreren unabhängigen Quellen (Anbietern): Ja...

... und Nein. Ja, weil es eine Anzahl von Anbietern gibt, die hinsichtlich Konditionen, Support und Service miteinander konkurrieren. Nein, weil alle vier aus der gleichen Quelle beziehen.

3. Verfügbarkeit auf mehreren Hardwareplattformen: Nein, später vielleicht hinsichtlich Industriestandard-PCs realisiert. Jedoch ist wie zu 2. zu sagen, daß die Anbieter hinsichtlich Konditionen, Support und Service konkurrieren.

4. Wohldefinierte I/O-Bus-Spezifikationen: Ja.

5. Nutzung gängiger Bildschirmdarstellungen: Ja, Presentation Manager als erste Implementation außerhalb OS/2; VGA-Unterstützung.

6. Breite Verfügbarkeit von Anwendungssoftware: Ja, hinsichtlich kommerzieller Anwendungen mindestens auf Unix-Stand und weit vor OS/2. Zudem ist auch in diesem Betriebssystem die Einbindung von DOS-Programmen Routinesache, so daß auch dieser riesige Vorrat, von Tabellenkalkulationen, über DTP- bis zu CAD-Systemen auf CTOS-Workstations verfügbar ist.

7. Leichte Portierbarkeit von Applikationen: Ja, in mehrfacher Hinsicht. Gesicherte Posix-Entsprechung, ein "First" außerhalb der Unix-Welt, ferner API (Application Programming Interface), Oracle, das in allen wichtigen Umgebungen wie IBM-Großrechner oder Unix-Systemen läuft, und Presentation Manager mit integrierter Entwicklungsanpassung durch XVT Extensible Virtual Toolkit.

Dokumentation auch für Nicht-Kunden

Ein Punkte in dem CTOS dieser Aufstellung voraus ist, ist die Programm-zu-Programm-Kommunikation von CTOS in die "fremde" SNA-Umgebung und zurück. Hier werden gemäß IBM-LU6.2 formatierte Daten aus nicht identischen Programmen, nämlich aus solchen für CTOS und solchen für IBM-Rechner geschriebenen wechselseitig zur Verarbeitung verfügbar gemacht.

An anderer Stelle erwähnt IDC die offengelegte Dokumentation als Selbstverständlichkeit für den Anspruch auf "Offenheit". Die Anbieter stellen die neun Bände auch Nicht-Kunden für rund 300 bis 350 Mark zur Verfügung. Über den Buchhandel kann die Ausgabe des Verlags Prentice Hall, New Jersey, bestellt werden.

Zu ergänzen wäre auch die OSI-Konformität, das heißt Datei- und Nachrichtenverwaltung nach der internationalen Empfehlung laut Open System Interconnection (OSI). Die CTOS-Rechner unterstützen OSI sowohl auf der Ebene der paketvermittelnden X.25-Netzwerke als auch auf der Ebene der lokalen Netzwerke entsprechend ISO 8802/3. Produkte zur OSI-Unterstützung sind OSI MHS Mail Manager, Schnittstelle zu Einrichtungen entsprechend X.400 MHS, OSI-Transport (WAN) für verbindungsorientierte X.25 Wide Area Networks, OSI-Transport (LAN) mit Fehlererkennung und Rekonstruktion für unverbundene Netzwerke, ergänzend dazu MHS Mail Server, Session Services, OSI FTAM etc.

Es ergibt sich eine recht ausgeglichene Bilanz in bezug auf Offenheitsmaßstäbe, wenn man sie mit den allgemein als Standard geltenden Alternativen vergleicht. Sicher ist beim Portieren einer nach Posix-Maßstäben geschriebenen CTOS-Software zu Unix und vice versa ein Lauf durch den Posix-Server mit angeschlossener Kompilierung nötig.

Aber ein entsprechender Kompilierungslauf ist innerhalb der Unix-Welt beim Portieren von einem Unix-Rechnertyp zum anderen selbstverständlich auch notwendig, dort allerdings durch den Vorteil bedingt, daß verschiedene Prozessoren und Rechnerarchitekturen - ein Offenheitskritierium - überhaupt verfügbar sind.

Der Nachteil, daß es keine Hardware-Fabrikation außerhalb Unisys/CT und des Lizenznehmers Bull gibt, wiegt unter diesen Aspekten wohl nicht allzu schwer, denn die Anbieter stehen ja gerade wegen der sonstigen Offenheit in unmittelbarer Konkurrenz mit dem gesamten Netzwerk-Markt für Unix, OS/2 und DOS, so zum Beispiel im Preisvergleich der Interessenten.

Anwendungsbeispiele aus deutschen Landen

Für das "AOK-Rechenzentrum in Westfalen-Lippe", ansässig in Dortmund, war der entscheidende Grund für die Einführung von CTOS-Rechnern, die man bei MDS bezog, folgender:

Man wollte verteilte DV für die 22 in der Region angesiedelten Mitgliedskassen, aber in einer Weise, daß dort kein speziell geschultes Informatik-Personal nötig sein durfte. Außerdem wollte man die oft noch anzutreffende "Ressourcen-Verteilung zu Fuß" auf jeden Fall vermeiden: Nämlich die redundante Unterbringung von Daten in Zentrale und Außenstellen. Aus den vor sechs Jahren geplanten 66 Arbeitsplätzen wurden inzwischen über 400.

Die geografisch verteilten Arbeitsplatz-Cluster stehen mit dem 3090-kompatiblen 27-MIPS-Hitachi des Rechenzentrums in Verbindung. Darauf laufen die bundeseinheitlichen Anwendungen der AOKs, die im Dortmunder RZ eine riesige Datenbank bis an die Adressierungsgrenze des Mainframe erfordern. Für die Arbeitsplatz-Rechner wurden zahlreiche Programme geschrieben, die über alle Generationen, vom frühen 8086-Typ bis zu den neuen 386er-Maschinen kompatibel blieben, was nach Anbieteraussage auch für die kommende 486er-Generation gelten soll.

Die Straßenverwaltung Rheinlandpfalz in Koblenz, benutzt vier CTOS-Rechner - bei MDS "Hero" genannt - hauptsächlich als Kommunikations-Interface zu SNA und als Server für neun Industriestandard-PCs. Sehr umfangreiche Dateien, technische Grafiken wie zum Beispiel Geländemodelle, werden auf IBM-Großrechnern archiviert und via Hero unter RJE 3776 auf Druckern und Plottern ausgegeben. Daneben laufen 3270-Anwendungen. Den PCs dient ein CTOS-Rechner als Server. Für Textverarbeitung allerdings bevorzugt die Straßenverwaltung das originär unter CTOS laufende Mehrplatz-System.

Sehr typisch ist auch die Anwendung der von Bull "Questar 400" beziehungsweise "460" genannten CTOS-Rechner bei der Neutraublinger Krones AG. Das ist ein Riese der Etikettiermaschinen-Branche, der Getränkehersteller in aller Welt beliefert.

Unternehmen DV-technisch extrem durchorganisiert

Das Unternehmen ist DV-technisch sowohl in der Produktions- wie in der Vertriebs- und Verwaltungsebene extrem durchorganisiert. Stammdaten werden auf Großrechnern gehalten, deren Bearbeitung erfolgt dezentral. 430 Terminals, Drucker und CTOS-Arbeitsplätze greifen auf den Zentralrechner zu. Angebote, die eng verzahnt mit den von Auftrag zu Auftrag unterschiedlichen Konstruktionsdaten der Etikettiermaschinen sind, weite Teile des ausgeklügelten PPS-Systems und verschiedene Aufgaben der Bürokommunikation laufen auf diesen Arbeitsplätzen.

Bei anderen Anwendern wiederum fungieren die Workstations anstelle vernetzter PCs. Ein solches Beispiel ist das IFAK-Institut in Taunusstein, wo Befragungsbögen für Markt- und Sozialforschung ausgewertet werden. Der Bull-Kunde benutzt CTOS-Textsystem, Multiplan-Kalkulation und Grafikprogramme.

Der DV-Beauftragte des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), Wolfgang Ramackers, legt die Forderungen, die zur Installation eines LAN mit über 80 Arbeitsplätzen von Unisys führten, folgendermaßen dar:

- Offenheit für Neuentwicklungen im Kommunikationsbereich bei klassischen Aufgabenstellungen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Grafik,

- Hardware abteilungsbezogen,

- alle Daten einer Abteilung in einem Pool,

- beliebiges Sharing der Hardware-Ressourcen,

- Möglichkeit der Auslagerung geheimer oder vertraulicher Daten auf separate Datenträger,

- problemlose und effiziente Vernetzbarkeit,

- Gateways und Server für die Mehrzahl der gängigen externen Kommunikationsmöglichkeiten,

- gängige Emulationen wie IBM und Siemens,

- mehrere Anbieter.

So wurde die Anbindung an die Rechenzentren der Industrie- und Handelskammern realisiert: Unter vielen anderen Anwendungen soll der Austausch von formatierter Dokumente auf der Dissos-Ebene der IBM-Welt und der Anschluß an Geonet mit Datenbanken, Telex, Telefax, etc. möglich sein. Wichtiges Kriterium auch hier: Das Netzwerk braucht keinen hauptamtlichen Betreuer.