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29.04.1977 - 

Hannover 77: Geschäfte unterm CeBIT-Dach

CTV: Diskussionen um den WooDoo-Zauber

HANNOVER - Die Rolle als Konjunktur-Barometer hat die(se) Hannover Messe 1977 ausgespielt: Was als Messe-Abschluß bejubelt werden darf - das ist teilweise ein Jahr lang in zähen Verhandlungen vorbereitet worden. Wer hier in Hannover seine Paraphe unter einen Kaufvertrag setzt, tut's wohlwissend, daß seine Investition ohnehin nicht mehr aufschiebbar war, der Messe-Rabatt aber zumindest den Einkauf verbilligt.

"Kühlen Optimismus" erfragte die Messe-Leitung zur Halbzeit bei den Ausstellern und sichtete "zufriedene Mienen". Geschäft wurde unter und auf dem CeBIT-Dach durchaus gemacht: Beispiel Siemens (Sprecher Dr. Großmann: "Wir hoffen, daß wir beim Wegfahren eine bessere Stimmung haben als die, mit der wir gekommen sind"), Beispiel ICL. Philips sichtete auf dem Stand sogar "vier Spontankäufer, die bei uns vorher nicht bekannt waren", so Geschaftsführer Harro D. Welzel. Geschäft auch bei der MDT: "Überraschend gut" empfand es Ruf-Vertriebsleiter Paul Versinger.

Unsichere Gespanntheit

Doch insgesamt blieb dies eine Messe unsicherer Gespanntheit - am Vorabend der Konfrontation: Das Unbehagen löst die Textverarbeitung aus - der WooDoo-Zauber der Büros. An allen Ständen, in allen Diskussionen ging es um dieses Thema.

Den Hintergrund lieferten steigende Arbeitslosen-Zahlen in Büroberufen: Von den 1,08 Millionen Arbeitslosen Ende März stammten 42,7 Prozent aus dem Angestellten-Bereich. Und während gegenüber dem Vorjahr die Erholung auf dem gesamten Arbeitsmarkt eine allgemeine Abnahme von 10,7 Prozent brachte, stieg die Arbeitslosigkeit unter "Büroberufen" seither noch einmal um 0,6 Prozent, wie Josef Stingl, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, in einer Podiums-Diskussion, die die Fachgemeinschaft Büro- und Informationstechnik im VDMA zum Thema "Spannungsfeld Büro - Rationalisierung: Schreckgespenst oder Chance" veranstaltete.

Zwar besteht Einigkeit, daß es ohne Rationalisierung und Produktivitätssteigerung in den Büros nicht mehr abgeht. Das Problem aber ist: Durch wessen Schuld kam es soweit? Zwischen denen, die rationalisieren wollen (müssen), und denen, die die Mittel und Methoden dafür liefern, ist noch nicht ausdiskutiert, wer auf seine Kappe nimmt, den Anstoß zur "Freisetzung" gegeben zu haben. Ob die Industrie durch die Bereitstellung von Systemen Anwender auf diesen Weg gelockt hat oder ob betriebswirtschaftliche Sachzwänge solche Produkte für den Markt erforderten.

Nicht nur der Bundespräsident oder die VDMA-Diskussionsrunde befaßten sich mit diesem Thema. Auch eine AWV-Veranstaltung lief zum Generalthema "Ist Rationalisierung inhuman?". Gastredner beim AWV: Bundesforschungsminister Matthöfer, der auf CW-Frage wissen ließ, daß sein Ministerium nunmehr untersuchen läßt, wie viele Arbeitslose überhaupt durch den Einsatz der Textverarbeitung zu erwarten sein werden. Matthöfer wörtlich: "Weniger, weil wir die Zahl kennen wollen als deshalb, damit wir wissen, wie viele Arbeitsplätze wir zum Ausgleich schaffen müssen."

Matthöfer warnte davor, daß eine "nur am Maßstab der unmittelbar kalkulierbaren betriebswirtschaftlichen Kosten und des technisch und organisatorisch Möglichen orientierte Rationalisierungseuphorie die legitimen Interessen der Beschäftigten in Büroberufen überrollt und damit für die Zukunft mehr Probleme schafft als löst." Es sei für ihn aber selbstverständlich, so der Minister zur CW, "daß kein Unternehmen bei der Arbeit zusetzen darf" und deshalb die Entscheidung für Rationalisierung und gegen Personal-Kosten zu fällen hat. Sein Ministerium will in diesem Haushaltsjahr 70 Millionen Mark (zwei Prozent des Gesamtbudget) für "Forschung zur Humanisierung des Arbeitslebens", mit Schwerpunkt Büroarbeit, ausgeben.