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02.04.1999 - 

CW-Kontaktbörse für Unternehmen und Bewerber

CW-Kontaktbörse für Unternehmen und Bewerber Die Jobs für IT-Experten liegen auf der Straße

Von CW-Mitarbeiterin Alexandra Glasl Im Zentrum für Jobs & Karriere auf der CeBIT ''99 brachte die COMPUTERWOCHE erneut IT-Nachwuchs und suchende Firmen zusammen. Viele hundert Besucher lauschten den Vorträgen und diskutierten über Arbeitsmarkt, Gehälter und Anwendungsprofile.

Eigentlich wollte sich der CW-Redakteur in der U-Bahn zum Messegelände nur auf eine Pressekonferenz vorbereiten. Als er Unterlagen über Java und C++-Programmierung studierte, konnte sich sein Nachbar nicht mehr zurückhalten. "Brauchen Sie einen Job?" Der Redakteur hatte keine Sekunde Zeit, dankend abzulehnen, schon zählte ihm sein eloquentes Gegenüber die unschlagbaren Vorteile des Softwarehauses auf, für das er unbedingt arbeiten müsse.

Jobangebote gab es aber nicht nur in der U-Bahn, sondern auch auf der CeBIT selbst. In Zeiten eklatanten Personalmangels - europaweit sind 500000 IT-Stellen unbesetzt - nutzten zahlreiche suchende Unternehmen die weltweit größte Computermesse als Jobbörse. Entsprechend groß war der Andrang im Zentrum für Jobs & Karriere der COMPUTERWOCHE: Bis zu 300 Leute tummelten sich gleichzeitig im Pavillon der Nord/ LB, in dem sich 20 Firmen, darunter Allianz, BMW oder Microsoft, dem IT-Nachwuchs präsentierten.

Der weiß genau, daß er zur Zeit auf der Sonnenseite steht. Allein im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 48 383 Informatiker gesucht, was im Vergleich zu 1997 einer Steigerung von 38 Prozent entspricht. Auch nach dem Jahr 2000 rechnen die Arbeitgeber nicht damit, daß der Boom und damit der Bedarf an IT-Experten abflauen wird. IBM-Personalvorstand Klaus Kuhnle setzt beispielsweise auf E-Commerce als Jobbringer. Die EU geht davon aus, daß bis zum Jahr 2002 die europäische IuK-Branche auf 12,2 Millionen Arbeitsplätze wachsen, aber 1,6 Millionen Stellen nicht besetzen können wird.

Um so mehr öffnen sich die Unternehmen auch Fachleuten aus anderen Berufsgruppen. Hans-Werner Heinl vom Weiterbildungsinstitut CDI, München, kann bei seinen Umschülern Vermittlungsquoten von 80 bis 90 Prozent vorweisen, wenn diese zu Microsoft Systems Engineers (MCSE), Netzadministratoren oder Microsoft Solution Developers ausgebildet werden. Der hohe Bedarf an Netz-, Systemadministratoren und Software-Entwicklern spiegelt sich auch in der aktuellen CDI-Stellenmarktanalyse wider: Mehr als jedes zweite Angebot für IT-Spezialisten bezieht sich auf diese Bereiche. Für den Einsatz in Anwendungsentwicklung, System- und Netz-Management sind vor allem Programmierkenntnisse sowie Wissen um Betriebssysteme und Datenbanken gefragt.

Noch wichtiger als fachliches Know-how sind aber die vielbeschworenen Soft Skills. So zeigte das Zentrum für Jobs & Karriere, daß sich die Unternehmen auch durch den Expertenmangel nicht davon abschrecken lassen, nach Persönlichkeiten zu suchen. "Die Klienten verlangen zunehmend Bewerber, die sich als Unternehmer im Unternehmen verstehen", sagte Personalberaterin Caroline Grün von Corporate Consult, Oberhaching. Leider gebe es aber immer noch genügend Bewerber, die lieber auf Verantwortung verzichten, um dafür immer pünktlich um fünf Uhr zu Hause zu sein. Dabei könnten Mitarbeiter in den IT-Abteilungen am wenigsten auf regelmäßige Arbeitszeiten bauen, gab Heino Obermeier von Daimler-Chrysler Aerospace zu. Schließlich könne das DV-System auch am Wochenende zusammenbrechen.

Daß sich die Lust auf Verantwortung bei vielen Bewerbern in Grenzen hält, ist für August-Wilhelm Scheer auf die Ausbildung zurückzuführen. "Wir erziehen unseren Nachwuchs zur Passivität. Wo soll das Engagement herkommen, wenn die Studenten in sechs Jahren zwei 20-Minuten-Referate halten müssen?" fragte der Professor für Wirtschaftsinformatik und Gründer des Saarbrücker Softwareberatungshauses IDS Prof. Scheer. Selbst von den Professoren werde trotz ihrer hochbezahlten Funktion keinerlei Verantwortung eingefordert. Damit sich Selbständigkeit entwickeln könne, müßten aber auch die Firmen ein entsprechendes Klima schaffen, merkte SAP-Personalchef Hartmut Hillebrand an: "Wir brauchen keine Stechuhr, sondern müssen den Mitarbeitern Freiräume gewähren, die dann im Sinne des Unternehmens genutzt werden."

Die Bereitschaft zur Selbstverantwortung gehört auch in den Augen von Günter Brokopp, einem der Geschäftsführer der Synergie GmbH, Bonn, zu den Schlüsselqualifikationen. Das Netzwerk, in dem sich 200 IT-Freiberufler zusammengeschlossen haben, bietet zum Beispiel Unternehmertrainings an, die Selbstverantwortung, Kundenorientierung und prozeßorientiertes Denken und Handeln vermitteln sollen. Brokopp warnte davor, die Arbeit als selbständiger Unternehmer als Notlösung zu betrachten, wenn einem aufgrund zu großer Lücken im Lebenslauf oder mangelnder Qualifikationen kein anderer Ausweg bleibe. "Als Selbständiger muß man sich im Vergleich zu Angestellten noch besser organisieren können", sagte Brokopp. Freiberufler sind nicht nur für ihre Qualifikation verantwortlich, sondern auch in starkem Maße von ihr abhängig. Helmut Fleischmann, Geschäftsführer des Softwarehauses Brain Force, riet dazu, sich von attraktiven Stundensätzen von bis zu 180 Mark nicht blenden zu lassen: "Freiberufler müssen ihre Fähigkeiten immer marktgerecht halten und neben Versicherungen auch für die Ausbildungskosten aufkommen."

Gehalt war eines der wichtigsten Themen im CW-Karrierezentrum auf der CeBIT. Kienbaum-Vergütungsberater Dirk Ewert konnte sich vor Anfragen kaum retten. An einem Nachmittag führte er 14 Gespräche mit interessierten Bewerbern. Als Richtwert für IT-Einsteiger gab Ewert ein Bruttojahresgehalt von 75000 Mark für Juniorberater an. Für Projektleiter ergab die Kienbaum-Befragung von 160 DV-Unternehmen und 283 DV-Abteilungen eine Spanne zwischen 103000 und 132000 Mark Jahresgehalt, je nach Größe des Projekts. Daß die IT-Einsteiger in Deutschland auch international im Gehaltspoker gute Karten in der Hand halten, zeigte Ewert mit einem europäischen Vergleich: "Nur in Dänemark und der Schweiz finden wir ein ähnlich hohes Gehaltsniveau wie in Deutschland." Selbst die IT-Anfangsgehälter in den USA lägen im Schnitt um 7000 Euro unter den hiesigen Gehältern. Das hänge aber mit dem anderen Ausbildungssystem zusammen.