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02.04.2004 - 

Satire

CW-Wert

In gewisser Weise kann man sich schon die Augen reiben:

Galt doch der altehrwürdige Siemens-Konzern jahrzehntelang zwar als behäbig und etwas angestaubt, in jedem Fall aber als grundsolide und berechenbar, quasi vom Vorstand bis zur Hausmeisterei und der Putzkolonne vom typisch deutschen Ingenieursgeist durchdrungen. Und nun das: Die Münchner können plötzlich nicht nur schicke Handys bauen und Time-to-Market liefern, sondern sie haben sich auch dermaßen vehement an die Spitze des Zeitgeists katapultiert, dass es dem Betrachter regelrecht schwindlig wird. Zumindest die Siemensianer schütteln sich Kopf. Nichts ist mehr mit Berechenbarkeit; Lohnkosten und damit der Standortfaktor zählen. Die Putzkolonne und die Hausmeisterei, die längst von Fremdfirmen aus Rumänien gestellt werden, waren nur der Anfang. Jetzt träumt Siemens-Chef Heinrich von Pierer von Offshore-Programmierung und vom Bau ganzer Produktionsstraßen in Osteuropa, die künftig die prestigeträchtigen Multimedia-Winzlinge noch rentabler ausspucken sollen. 40 Stunden minimum ohne Lohnausgleich, oder in Bocholt und Kamp-Lintfort ist Schicht, droht er. Purer Manchester-Kapitalismus? Vaterlandsloser Geselle? Nein, liebe Gewerkschaftler und Betriebsräte. Bevor ihr euch aufregt, sollte man auch das erwähnen: Die Infineon-Zentrale bleibt in München. Die Halbleitertochter von Siemens geht also nicht in die Schweiz, wo zwar die Steuern, nicht aber die Löhne niedriger sind. Den glamourösen Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher hat es indes in seinem Porsche auf seinem Weg dorthin mit Karacho aus der Kurve getragen. Und sein langjähriger Mentor von Pierer soll sich vorher an den Bremsen zu schaffen gemacht haben. Es trifft also nicht immer nur die Kleinen! Keiner in München kann mit den teuren Imagebroschüren Schumachers und seiner Sammlung von Renn-Porsches in der Tiefgarage etwas anfangen. Siemens-Chef von Pierer weiß jetzt aber zumindest, wo seine wahren Probleme sind.