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31.05.1996 - 

Satire/

CW-Wert

Daß der falsche Gebrauch der Sprache unter Strafe gestellt sein kann, dürfte einigen CW-Lesern noch erinnerlich sein. Die semantische Blutgrätsche eines Vorstandsmitglieds, das seinerzeit über die Schwierigkeiten bei der "Beseitigung von Menschen" reflektierte, überlebte der damalige Presseverantwortliche nicht. Dabei hatte der gute Mann sich lediglich - zugegebenermaßen nicht gerade elegant - den Kopf über Massenentlasssungen zerbrochen. Anders verhält es sich mit den sprachlichen Fallenstellern aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Unter der Etikettierung politischer Korrektheit führen in den USA seit Jahren Spracheiferer das große Wort. Deren dringlichstes Bedürfnis scheint darin zu bestehen, ihren Zeitgenossen ein linguistisch kernseifenreines Bewußtsein einzuhämmern. Verboten ist jede Ausdrucksweise, die auch nur schemenhaft eine geschlechtsdiskriminierende Deutung zulassen könnte. Aus diesem Grund kam jetzt das Motherboard auf den Index und in einer Sonderform lingualer Sippenhaft auch gleich der Begriff Daughterboard. Erstere sind ab sofort als Main- oder Base-, letztere als Add-on-Boards zu bezeichnen!! Entgangen ist den Sprachheiligen bislang das Master-Slave-Verfahren. Vielleicht aber auch nicht, handelt es sich dabei ja nicht um einen "gender specific", also geschlechterzentrierten Begriff, sondern vielmehr um die Umschreibung eines Unterordnungsverhältnisses, das es so bekanntlich in der westlichsten aller Demokratien - und in der DV zumal - überhaupt nicht mehr gibt. Man/frau darf schon heute gespannt sein darauf, wie die Verbalchirurgen bei ihrer Beschäftigung mit dem gesprochenen und geschriebenen Wort die sogenannte Muttersprache oder das anrüchige Vaterland tranchieren.