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Natsemi zieht Schlußstrich unter rote Bilanz

Cyrix verabschiedet sich aus dem Prozessorgeschäft

14.05.1999
MÜNCHEN (CW) - National Semiconductor gibt sich im harten Prozessorgeschäft geschlagen und kapituliert. Die Verluste, die die CPU-Division Cyrix regelmäßig jedes Quartal eingefahren hat, bewogen die Verantwortlichen bei Natsemi, den defizitären Geschäftsbereich zu schließen.

National Semiconductor, das erst 1997 Cyrix für 550 Millionen Dollar gekauft hatte, ist das erste Opfer der Preisschlacht in der Prozessorbranche geworden. Der Chiphersteller, der sich auf den Markt für Billigcomputer konzentriert hatte, konnte dem Druck der Konkurrenz nicht mehr standhalten. "Die Einschätzung, daß Intel uns im Low-end-Bereich nicht gefährlich werden könne, war ein Fehler", so Brian Halla, Chef von Natsemi.

Das Unternehmen wird seine Chipfabrik sowie die dazugehörige Entwicklungsabteilung im US-amerikanischen Maine auflösen. Unmittelbar betroffen sind 550 Mitarbeiter, die ihren Job verlieren werden. Hier sind die 165 Leute, die bereits im April in Singapur auf die Straße gesetzt wurden, mit eingerechnet. Halla versicherte jedoch, daß die Stellen sozialverträglich abgebaut werden sollen. Die Prozessorsparte, die sich während der letzten Jahre einen Marktanteil von 5,8 Prozent erkämpft hatte, verbuchte im letzten Quartal einen Verlust von 35 Millionen Dollar, zuviel bei einem Umsatz von 50 Millionen Dollar. Infolge der Geschäftsaufgabe wird National Semiconductor im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, das am 30. Mai endet, mit außerordentlichen Belastungen in Höhe von 250 bis 300 Millionen Dollar rechnen müssen.

IBM und AMD gelten als mögliche Interessenten

Natsemi plant, sich wieder verstärkt auf sein Kerngeschäft mit analogen Chips und Mikroprozessoren für Informationsgeräte zu konzentrieren. Im Jahr 2002 will man wieder schwarze Zahlen schreiben, so das Ziel der Unternehmensführung.

Die Kapitulation trifft vor allem die Hersteller von Billigrechnern, die fast ausschließlich auf die günstigen CPUs von Cyrix setzten. Natsemi versucht Firmen wie E-Machine oder Microworkz damit zu beruhigen, daß man das Prozessorgeschäft an jemanden veräußern wolle, der die Produktion fortsetzen werde. Als möglicher Käufer ist IBM im Gespräch. Doch bislang war Big Blue kein Kommentar über die Gerüchte zu entlocken. Auch AMD wird als Interessent gehandelt. E-Machine-CEO Stephen Dukker äußerte sich enttäuscht über den Rückzug von Cyrix. Allerdings habe man auch gute Beziehungen zu AMD und Intel, so daß keine Engpässe auftreten würden.

Natsemi will allerdings Cyrix'' "Media-GX"-Prozessor weiterführen und in sogenannte Informationsgeräte einbauen, wie zum Beispiel Set-top-Boxen oder tragbare Internet-Geräte. Die CPU soll zu einem System-on-a-Chip mit integrierter Grafik- , Video- und Kommunikationsfunktion ausgebaut werden. Der Halbleiterhersteller kann allerdings bisher keine konkreten Geräte vorweisen. Nach Ansicht von Peter Glawkowsky, Analyst bei Microdesign Resources, gibt es diesen Markt noch gar nicht. Allerdings könnte es sein, daß dort einmal Milliarden Dollar zu verdienen seien, so der Marktprophet. Auch die Zahlen der International Data Corp. (IDC) lassen den angeschlagenen Chiphersteller hoffen. Der Markt, zu dem IDC allerdings auch die Handheld-PCs rechnet, soll von 2,2 Milliarden Dollar 1998 auf ein Volumen von über 15 Milliarden Dollar im Jahr 2002 anwachsen.