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13.08.2004 - 

Die Outsourcing-Strategie des Autobauers

Daimler-Chrysler steuert seine IT selbst

In puncto Outsourcing zählt Daimler-Chrysler zu den alten Hasen. Der Automobilhersteller hatte seine IT bereits 1992, als die Fusion mit dem Chrysler-Konzern noch nicht vollzogen war, in das Tochterunternehmen Debis Systemhaus ausgegründet. Im März 2000 folgte die schrittweise Auslagerung an die Telekom-Tochter T-Systems, die zunächst 50,1 Prozent und später das ganze Debis Systemhaus übernahm. "Das Thema Outsourcing ist bei uns eher untypisch abgelaufen", erinnert sich Michael Gorriz, Leiter IT Business Systems bei Daimler-Chrysler. Mittlerweile arbeitet der Automobilkonzern mit einer ganzen Reihe von IT-Dienstleistern zusammen und überweist mehr als die Hälfte seines IT-Budgets an externe Partner. Dabei profitiert der Hersteller von seinen Erfahrungen: "Bei der Ausgründung des Debis Systemhauses und der anschließenden Zusammenarbeit mit T-Systems haben wir vieles gelernt, was wir jetzt beim Management von Outsourcing-Partnerschaften anwenden können", resümiert Gorriz. Zu den wichtigsten Punkten zählt der IT-Manager die Entwicklung der für Auslagerungen notwendigen Steuerungskompetenz. Als Beispiel nennt er den Betrieb der Großrechner. Solange dieser Bereich zu Daimler-Benz gehörte, habe man die Systeme nach bestem Wissen betrieben. Es habe jedoch keine Kennzahlen gegeben, anhand derer der Erfolg messbar gewesen sei. "Die Einführung von geeigneten Maßzahlen war ein Prozess, der auf beiden Seiten mit einem großen Lerneffekt verbunden war und zu klaren Verhältnissen geführt hat", erinnert sich Gorriz.

Mit T-Systems hat Daimler-Chrysler einen weltweiten Rahmenvertrag mit präzisen Kennzahlen abgeschlossen, auf denen das Pricing aufbaut. Zudem wurden für beide Seiten Benchmarks vereinbart, so dass der Automobilhersteller laufend überprüfen kann, ob das Angebot des Dienstleisters noch den gängigen Marktpreisen entspricht.

Outsourcing-Partner auf dem Prüfstand

Mit dieser Methode gelang es Daimler-Chrysler, die Kosten dauerhaft zu senken. Die durch den technischen Fortschritt erreichbare Preissenkung wird synchron an den Kunden weitergegeben. Das war nicht immer so: "Es gab eine Zeit, als der Effizienzgewinn beim Joint Venture mit T-Systems hängen geblieben ist. Da haben wir etwas verloren, sind jetzt aber auf einer guten Ebene", so Gorriz.

Ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis ließ sich jedoch nur mit Hilfe von Service-Level-Agreements und deren Überwachung durch ausgebildete Mitarbeiter erreichen. "Ich muss immer genügend Know-how im Haus behalten, um die Effektivität und Effizienz meines Outsourcing-Partners überprüfen zu können", sagt Gorriz

Trotz der traditionell guten Beziehung zu T-Systems steht der Partner bei der Ausschreibung von neuen Outsourcing-Projekten nicht automatisch als Gewinner fest. Allerdings geht der IT-Dienstleister mit guten Voraussetzungen ins Rennen, da er über die Menge an bestehenden Verträgen und die damit verbundenen Skaleneffekte günstige Preise anbieten kann. "Wenn ich einem bestehenden Partner einen Auftrag vorenthalte, muss der positive Effekt durch eine Neuvergabe erstmal den negativen Skaleneffekt wettmachen", erklärt Gorriz.

T-Systems wird nicht bevorzugt

Vergibt der Konzern Aufträge, bei denen vorhandene Skaleneffekte keine Rolle spielen, kommen auch andere IT-Dienstleister zum Zuge. "T-Systems wird in Bieterverfahren nicht besser oder schlechter behandelt als andere", bekräftigt Gorriz. So stand die Telekom-Tochter bei der Vergabe für das weltweite Projekt zur Vereinheitlichung und Betreuung der PC-Landschaft, PC-Global, zwar gemeinsam mit Dell auf der Shortlist, letztendlich konnte sich jedoch Hewlett-Packard durchsetzen. Mittlerweile hat der Konzern den Plan, PC-Services weltweit ausschließlich von HP zu beziehen, allerdings wieder aufgegeben und setzt nun auf lokale Anbieter. Auch wenn der ursprüngliche Alles-aus-einer-Hand-Ansatz gescheitert sei, hat Daimler-Chrysler laut Gorriz während des Projekts die Images und die Mechanismen für die Softwareverteilung standardisiert: "Insofern ist es letztendlich zweitrangig, wessen Turnschuhtruppen zu den PCs laufen und dort Umstellungen vornehmen."

Fliegender Wechsel des IT-Dienstleisters

Hewlett-Packard ist nun vor allem dort mit im Boot, wo es im Daimler-Konzern um Forschung und Entwicklung geht. HP migrierte hier rund 4000 PCs und 40 Server an neun Standorten von Windows NT auf XP und erbringt heute die entsprechenden Services für Unterhalt und Wartung. Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie flexibel der Automobilhersteller mit IT-Dienstleistern umgeht. Der Bereich war im Jahr 2000 in einem labilen Zustand gewesen. Zusammen mit einem anderen externen Dienstleister war es Daimler-Chrysler gelungen, klare Prozesse sowie ein einheitliches Image und Softwareverteilmechanismen zu definieren. Als der Vertrag mit dem damaligen Partner auslief, konnte sich bei der Neuausschreibung HP durchsetzen. "Der neue Anbieter war deutlich günstiger, so dass sich der Wechsel rentiert hat", so Gorriz. "Wir haben Einsparungen im zweistelligen Prozentbereich erzielt."

Da der Automobilhersteller diesen IT-Sektor aufgrund der Restrukturierung gut im Griff hatte, sei der Wechsel des Dienstleistungspartners vergleichsweise einfach gewesen. "Wir haben uns mit beiden Anbietern an einen Tisch gesetzt und den Übergang moderiert", erläutert Gorriz. Verständlicherweise seien die Gespräche nicht immer angenehm gewesen, da sich der alte Anbieter nur bedingt interessiert und kooperativ verhalten habe. Der erfolgreiche Umstieg habe letztendlich nur funktioniert, weil der Kunde das notwendige Know-how intern verfügbar gehabt habe. "Das ging glatt über die Bühne, weil wir eine Mannschaft mit acht Leuten haben, die den Bereich wie ihre Westentasche kennt und ihn zuvor in Ordnung gebracht hat", verdeutlicht Gorriz.

Der IT-Experte warnt davor, zu glauben, mit Hilfe eines Outsourcing-Partners lasse sich die Unordnung im eigenen Unternehmen beheben. Was die Qualität angehe, könne dieses Vorgehen funktionieren. Allerdings sei dafür ein zu hoher Obulus zu entrichten.

Der Automobilkonzern hat nicht nur mit Outsourcing, sondern auch mit Insourcing Erfahrungen gesammelt. So erwies sich der ursprüngliche Ansatz der Konzern-Tochter Smart, die IT von Beginn an komplett an Accenture auszulagern, als ein Fehler. "Die für Smart entwickelte Gesamtlösung hat zwar funktioniert, lag aber deutlich über dem geplanten Kostenkorridor", begründet Gorriz die Entscheidung, diese Aufgabe in den Konzern zurückzuholen. Die Entwicklung und Steuerung des gesamten IT-Systems sei bei einem Automobilhersteller sehr individuell ausgeprägt. Sie komplett auszulagern gebe daher wenig Sinn - vor allem wenn das entsprechende Know-how im Unternehmen schon vorhanden sei.

Trotz dieser Erfahrungen arbeitet Daimler-Chrysler in anderen Bereichen weiter mit Accenture zusammen. "Wir haben eine umfangreiche Geschäftsverbindung, die auch Rückschläge aushält", versichert Gorriz. "Das war wie ein reinigendes Gewitter. Jetzt haben wir wieder Sonnenschein und eine Reihe erfolgreicher Projekte mit Accenture."

Offshore-Projekte nehmen zu

Zu den nicht geschäftskritischen Bereichen, die sich gut für das Outsourcing eignen, zählt Gorriz neben dem Betrieb von Großrechnern die PC-Betreuung und Programmierarbeiten. Daneben entwickle sich der Sektor Applikationswartung zu einer auslagerungsfähigen Aufgabe. In diesem Bereich ist T-Systems der wichtigste Partner des Autobauers, aber auch IBM hat inzwischen größere Verträge für die Systemwartung ergattert. Darüber hinaus arbeitet Daimler-Chrysler bei der Programmierung und der Application-Maintenance erfolgreich mit indischen Anbietern wie Infosys und Syntel zusammen. "Wettbewerb belebt das Geschäft. Darum kooperieren wir dort mit zwei Partnern und weiten das aus", so Gorriz. Seit kurzem prüft der Konzern, auch andere indische Anbieter wie Wipro zu beauftragen.

Eigene IT-Kapazitäten will Daimler-Chrysler in Indien nicht schaffen. Stattdessen setzt der Konzern für die Kostenoptimierung zunehmend auf Dreierpartnerschaften. "Wir bitten unsere europäischen Haus- und Hoflieferanten, entweder eigene Kapazitäten im Offshore-Bereich aufzubauen oder Drittfirmen einzubinden, mit denen wir dann ein Dreigestirn bilden", erläutert Gorriz. Die Stuttgarter hätten beispielsweise T-Systems aufgefordert, eine derartige Partnerschaft einzugehen, woraus die Zusammenarbeit der Telekom-Tochter mit Syntel entstanden sei. Aber auch IBM habe sehr positiv auf entsprechende Anregungen reagiert. Hier hat Daimler-Chrysler über IBM einen russischen Kooperationspartner eingebunden, was laut Gorriz gut anläuft: "Wie in jedem Prozess gibt es da anfängliche Reibereien. Nach ein bis zwei etwas wirren Monaten läuft nun aber alles in guten Bahnen." Seine Abteilung leiste hierbei im Wesentlichen die Steuerungsarbeit und profitiere davon, mit einem Partner aus dem gewohnten Umfeld zusammenzuarbeiten, der wiederum mit einem Offshore-Unternehmen kooperiere. In diese zweite Ebene mische sich Daimler-Chrysler nicht ein.

Auch Chrysler intensiviert IT-Auslagerung

In den USA sieht die Situation etwas anders aus. Die Chrysler Group hatte bisher eine sehr tiefe eigene IT-Wertschöpfung. Verbindungen zum wichtigsten Outsourcing-Partner von Daimler-Benz, T-Systems, gab es vor der Übernahme im Jahr 1998 nicht. Zudem arbeitet Chrysler traditionell viel mit freiberuflichen IT-Profis. Dabei leitet ein interner Mitarbeiter bis zu fünf dieser Kontraktoren. In Deutschland ist dieses Modell nicht praktikabel, da es sich bei solchen externen Beschäftigten rechtlich um Scheinselbstständige handeln würde. In den vergangenen Jahren hat jedoch auch die Chrysler Group die IT-Auslagerung intensiviert. Die wichtigsten Outsourcing-Partner in den Vereinigten Staaten sind neben IBM, Cap Gemini, Accenture und Electronic Data Systems (EDS). Letzterer konnte erst kürzlich einen großen Vertrag mit Daimler-Chrysler abschließen. Er umfasst das Hosting fast aller Unix- und Windows-Server.

Hier lesen Sie ...

- welche Erfahrungen Daimler-Chrysler nach der Ausgründung des Debis Systemhauses gemacht hat;

- mit welchen Outsourcing-Partnern der Automobilkonzern zusammenarbeitet;

- warum bei der Tochter Smart die ausgelagerte IT ins Unternehmens zurückgeholt wurde;

- wie Daimler-Chrysler zum Thema Offshoring steht.

Von CIOs (nicht nur) für CIOs

Einen ausführlichen Artikel von Michael Gorriz zum Thema Outsourcing enthält das im Heidelberger Springer Verlag erschienene Buch "IT im Unternehmen - Leistungssteigerung bei sinkenden Budgets". Als Autoren konnten die Herausgeber - Lothar Dietrich, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Manß & Partner, sowie Wolfgang Schirra, Senior Partner bei Booz Allen Hamilton-eine Reihe von hochkarätigen deutschsprachigen IT-Chefs gewinnen. Praxisnähe ist damit garantiert. Das Werk trägt die ISBN 3-540-20253-6, umfasst etwa 450 Seiten und kostet im Einzelhandel 49,95 Euro.

Einige der CIOs, die in dem Buch zu Wort kommen, werden ihre Beiträge auch auf dem nächsten "Executive Forum" vorstellen. Das Arbeitstreffen mit Rahmenprogramm, zu dem die COMPUTERWOCHE zweimal jährlich handverlesene CIOs lädt, steigt diesmal am 19. und 20. September im Dresdener Kempinski-Hotel "Taschenberg Palais".