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14.06.2002 - 

Wegen technischer Schwierigkeiten scheinen weitere Verzögerungen programmiert

Daimler und Telekom sollen Mautsystem aufbauen

BERLIN (ba) - Das neue LKW-Mautsystem auf deutschen Autobahnen wird voraussichtlich durch das Konsortium Toll Collect realisiert. Es besteht aus Daimler-Chrysler, der Telekom und der französischen Cofiroute.

Wie das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen mitteilte, soll mit den beteiligten Unternehmen abschließend über den Aufbau, die Finanzierung und den Betrieb des Systems verhandelt werden.

Mit der Entscheidung des Ministeriums gilt Toll Collect als bevorzugter Bieter im Wettbewerb um das deutsche Mautsystem. Eine endgültige Entscheidung sei damit jedoch noch nicht gefallen, erklärte ein Sprecher der Behörde. Ende Juni will Verkehrsminister Kurt Bodewig den Zuschlag für das Milliardenprojekt erteilen. Laut Begründung haben beide Bewerber technisch gleichwertige Angebote abgegeben. Auschlaggebend sei der Preisunterschied gewesen.

Damit scheint das Ages-Konsortium aus dem Rennen zu sein, an dem unter anderen der britische Mobilfunkkonzern Vodafone, Aral sowie Shell beteiligt sind. Ages betreibt seit 1995 das aktuelle zeitbezogene LKW-Mautsystem auf den deutschen Autobahnen. Dabei müssen die Fahrer entsprechende Tickets an Tankstellen oder Raststätten lösen.

Die ab 2003 geltende streckenbezogene Maut soll nach den Plänen der Bieter automatisch erfasst und berechnet werden. Die Fahrzeuge werden dabei mit einer On-Board-Unit (OBU) ausgestattet. Mit Hilfe von Mobilfunktechnik und dem Global Positioning System (GPS) lässt sich die Position der LKWs genau feststellen.

Die OBU funkt die Angaben über die gefahrenen Kilometer sowie Fahrzeugdaten wie Gewicht und Achsenzahl an den Mautbetreiber, der dann direkt mit den Speditionen abrechnet.

Parallel zu dieser automatischen Abrechnung muss der Betreiber des Mautsystems jedoch auch die Möglichkeit anbieten, sich manuell in das System einzubuchen. Für Fahrer, die nur selten das deutsche Autobahnnetz nutzen, lohnt es sich nicht, eine 500 bis 1000 Euro teure OBU zu kaufen. Die manuelle Einbuchung soll per Internet, Call-Center oder an Automaten in Tankstellen oder Raststätten möglich sein.

Unter dem Gesichtspunkt der manuellen Einbuchung sei Ages im Vorteil gewesen, kritisieren Experten die Entscheidung des Ministeriums. So verfügt der Betreiber mit 6000 Stationen in Deutschland bereits über die notwendige Infrastruktur. Das Konsortium um Daimler und die Telekom müsse ein entsprechendes Netz erst aufbauen.

Ages schließt Klage nicht aus

Daher sei es durchaus denkbar, dass Ages mit Toll Collect ins Geschäft kommt, erklärt Ages-Sprecher Markus Löber. Über die weitere Strategie sei kurz nach der Bekanntgabe des Ministeriums noch nicht entschieden. Da müsse man die nächste Sitzung der Konsortiumsmitglieder abwarten. Rechtliche Schritte könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden. Beispielsweise hat das Konsortium Road Service Austria (RSA), an dem auch Ages beteiligt ist, gegen die Entscheidung der österreichischen Autobahnen- und Schnellstraßen AG (Asfinag) geklagt, den Auftrag für das Mautsystem an die italienische Autostrade zu vergeben. "Wir können diese Entscheidung nicht nachvollziehen", erklärte Ages-Geschäftsführer Wilhelm Pletschen.

Nach Einschätzung von Insidern ist auch die deutsche Entscheidung nur schwer verständlich. Neben der fehlenden Infrastruktur für die manuelle Einbuchung sprächen auch technische Aspekte gegen das Duo Daimler/Telekom. So sei die Telekom bislang den Beweis schuldig geblieben, ein fehlerfrei funktionierendes Abrechnungssystem aufbauen zu können. Erst Ende Mai sei es aufgrund von Softwarefehlern zu Pannen bei der Abrechnung von Gesprächen mit der Inlandsauskunft gekommen. Auch auf der Hardwareseite sehen Experten Ages im Vorteil. Dieses Konsortium plane mit ausfallsicheren "Himalaya"-Systemen von HP- Compaq. Dagegen basiert das Toll-Collect-System auf einer Sun-Infrastruktur, die in Sachen Verfügbarkeit nicht mit den Himalya-Rechnern mithalten könne.

Warum Toll Collect denoch zum Zuge kommt, kann sich ein Kritiker, der an dieser Stelle nicht genannt werden möchte, nicht erklären. Die Begründung mit dem Preisvorteil könne er nicht nachvollziehen. Ursprünglich sollte der Betreiber einen festgelegten Prozentsatz des Mautumsatzes erhalten. Von den jährlichen Einnahmen von rund 3,4 Milliarden Euro sollten 600 bis 700 Millionen Euro abfallen. Er könne sich jedoch vorstellen, dass sich das Toll-Collect-Konsortium mit weniger begnügt und das System zunächst defizitär betreibt. Ausgleichen ließe sich der Fehlbetrag mit Zusatzdiensten wie Flotten-Management, die ebenfalls über das System angeboten werden könnten.

Verspätung reißt Loch in Etat

Mit einem Minus muss vorerst auch Bodewig rechnen. Ursprünglich war geplant, das Mautsystem ab Januar 2003 zu nutzen. Mittlerweile spricht die Behörde von März bis Juni 2003. Ob dieser Einführungstermin gehalten werden kann, scheint indes fraglich. In dem Etat des Ministerium sind jedoch die Einnahmen für 2003 bereits als fester Posten verbucht. Auch mit den Speditionen scheint ein Konflikt programmiert. Karlheinz Schmidt, Geschäftsführer des Bundesverbands für Güterverkehr, Logistik und Entsorgung, bekräftigte seine Ablehnung. So würden die Speditionsfirmen über Gebühr belastet. Der angebotene Ausgleich der Bundesregierung falle kaum ins Gewicht. Außerdem könne von einer europäischen Harmonisierung keine Rede sein. Aufgrund der unterschiedlichen Systeme innerhalb Europas drohe den Unternehmen, sich mehrere OBUs anschaffen zu müssen. "Unsere Fahrer werden die Geräte nicht einbauen", warnt Schmidt.