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27.08.1999 - 

Projektplanung und Softwarequalität/Wie sich die geringe Akzeptanz steigern läßt

Dank des Intranet wächst das ungeliebte Kind ans Herz

Wie die Erfahrung zeigt, verspricht es wenig Erfolg, die Mitarbeiter durch Anweisungen und Zwang in die Qualitätspflicht nehmen zu wollen. Vielmehr müssen sie, so Stephan Kromberg*, bei dieser Aufgabe wirksam unterstützt werden. Der Aufbau eines Intranet für das Software-Qualitäts-Management (SQM) helfe, die Projektmitarbeiter für dieses lästige Thema zu begeistern.

Der bevorstehende Datumswechsel ins Jahr 2000 hat dazu beigetragen, daß die Sensibilität für Softwarequalität in der jüngsten Vergangenheit etwas gestiegen ist. Aber nach wie vor krankt der Qualitätsgedanke daran, daß er von den Projektteams nicht wirklich verinnerlicht wird.

Als Werkzeug, um die Akzeptanz des SQM zu steigern, leistet ein dediziertes Intranet gute Dienste. Hier werden Verfahrensanweisungen und Richtlinien transparent; relevante Informationen lassen sich schnell und zuverlässig recherchieren; eigene Beiträge können den anderen Mitarbeitern komfortabel zur Verfügung gestellt werden.

Wie dringend das SQM einer solchen Unterstützung bedarf, wird bei einem kurzen Blick auf den grauen Alltag des papierbasierten Qualitäts-Managements deutlich. Zum Beispiel sind die Qualitäts-Management-Handbücher fast immer so unhandlich wie ihr Name lang.

Genau darin liegt einer der Hauptgründe für die geringe Gegenliebe, auf die das SQM stößt: Die Benutzer werden nicht zu den Informationen geführt, die sie benötigen, sondern müssen sich diese aufwendig erarbeiten.

Ein Beispiel dafür ist ISO9000. Diese Norm formuliert Elemente eines Qualitäts-Management-Systems (QMS), die von 1 bis 20 durchnumeriert sind. Werden nun die Verfahrensanweisungen ausschließlich mit Hilfe dieser Systematik abgelegt, so muß der Projektmitarbeiter stets wissen, welche Nummer der jeweilige QMS-Aspekt hat. Doch diese Systematik ist in der Regel nur Qualitäts-Management-Fachleuten geläufig. Folglich suchen Projektteams meist vergeblich nach der thematischen Verknüpfung von einzelnen Informationen und nach interaktiven Recherchemöglichkeiten.

Im Intranet läßt sich das Auffinden von Informationen anhand einer geeigneten Benutzerführung komfortabel unterstützen. Die Verbindung unterschiedlicher Informationen mit Hilfe von Hyperlinks erlaubt es, die Zahl der Zugriffspfade zu erhöhen, so daß unterschiedliche Suchstrategien möglich werden. Zudem können die Anwender sicher sein, stets die aktuellsten Informationen zu erhalten.

Qualitätssicherung verlangt nach interaktiver Kommunika- tion. Für den Qualitätssicherungs-Beauftragten (QSB) ist entscheidend, daß er im ständigen Austausch mit dem Projektteam steht. Die Aussagekraft seiner Statusreports hängt unmittelbar von der Aktualität der Berichte ab, die jeder einzelne Projektmitarbeiter zu seiner Arbeit abgibt.

Auf konventionellem Weg gehen die Berichte allzu häufig mit erheblichem Verzug ein, denn die Verantwortlichen scheuen den relativ hohen Aufwand einer manuellen Formularerstellung. Hier erweisen sich HTML-Formulare als das geeignete Mittel, um den Informationsfluß in Gang zu bringen: Über den Browser können Entwickler ihre Qualitätsinformationen direkt - ohne die bisherigen Systembrüche - verfügbar machen.

Der Browser eignet sich auch als Front-end, um via HTML-Formular Informationen in eine Projektdatenbank einzugeben sowie Testdaten oder Review-Ergebnisse und -Pläne ê jour zu halten. Aufgrund ihrer Aktualität stellen diese Informationen auch eine geeignete Grundlage dar, auf der sich Projekt-Statusberichte erzeugen lassen.

Einen Mehrwert entwickelt das Qualitäts-Management, wenn es um ein funktionierendes Vorschlagswesen ergänzt wird. Gefragt sind Rückmeldungen in Form von Korrektur- und Verbesserungsvorschlägen, die sich in Folgeversionen des QM-Systems umsetzen lassen.

Auf konventionellem Weg fällt das Feedback erfahrungsgemäß recht bescheiden aus. Der Hauptgrund für die mangelnde Akzeptanz liegt einmal mehr darin, daß das manuelle Vorgehen mit zu hohem Aufwand verbunden ist. Werden hingegen übersichtliche, leicht bedienbare HTML-Formulare angeboten, nehmen erheblich mehr Projektmitarbeiter am Vorschlagswesen teil.

Wie aber läßt sich ein Intranet konstruieren, das auf die Unterstützung des SQM ausgerichtet ist? Zunächst einmal läuft dieses Vorhaben auf drei Stufen ab: Die erste Aufgabe besteht darin, Handbücher, Richtlinien, Verfahrensanweisungen und Vorgehensmodelle in einer übersichtlichen Struktur aufzubereiten.

Im zweiten Schritt ist dieser statische Kern des Qualitäts-Ma- nagements durch eine Intranet-basierte Steuerung des Berichtswesens zu erweitern. Hieran schließt sich die dritte Stufe an, auf der das Intranet zu einem Front-end der Projektdatenbank ausgebaut wird.

Wenn das Intranet eine effiziente Alternative zum Qualitäts-Management in Papierform bieten soll, benötigt es ein anwenderfreundliches und übersichtliches Design. Angesichts der mangelhaften Transparenz von QS-Verfahren ist dabei besondere Sorgfalt auf eine ergebnisorientierte Benutzerführung zu legen. Die Anwender brauchen ein in sich geschlossenes, intuitiv verständliches Navigationssystem, das sie mit minimalem Aufwand zur gewünschten Information führt.

Der Aufwand für die kontinuierliche Pflege des Intranet darf nicht unterschätzt werden: Je komplexer ein Intranet wird, desto mehr Bedeutung erhält beispielsweise die Pflege von Hyperlinks. Die Verbindungen müssen permanent auf aktuellstem Stand gehalten werden, denn Verweise auf Informationen, die inzwischen an anderer Stelle oder überhaupt nicht mehr vorhanden sind, führen zu hoher Unzufriedenheit unter den Anwendern.

Deshalb muß schon bei der Einrichtung eines Intranet dessen kontinuierliche Pflege sichergestellt sein. Sonst geht die anfangs gewonnene Akzeptanz bei den Projektteams sehr rasch wieder verloren.

Das Intranet-Angebot zum SQM sollte klar gegliedert sein. Bewährt hat sich die Trennung von projektbezogener, aktueller Information, die im allgemeinen häufigen Änderungen unterliegt, von den allgemeinen Erläuterungen der Grundlagen, Ideen sowie Methoden des Qualitäts-Managements. Die aktuellen Fakten können kondensiert und übersichtlich dargestellt werden. Per kontextbezogenem Hyperlink läßt sich dann auf "Hintergrundinformationen" verweisen, ohne daß die Übersichtlichkeit verlorengeht.

Neben dem internen Aufbau entscheidet auch das Oberflächendesign über den Erfolg des SQM-Intranet. Jede Seite sollte nicht nur übersichtlich, sondern auch anregend gestaltet werden. Mit Hilfe von Stylesheets läßt sich das Informationsangebot einheitlich präsentieren. Layout-Verbesserungen sind auf diese Weise ebenfalls einfacher zu implementieren als bisher.

Die Verantwortung für die Pflege des SQM-Intranet trägt der QS-Beauftragte. Wenn das unternehmensinterne Wissen über die junge Web-Technologie nicht ausreicht, ist es sinnvoll, externes Know-how heranzuziehen. Bei der Auswahl eines dafür geeigneten Partners sollte das Unternehmen darauf achten, daß er neben technologischer und kommunikativer Kompetenz auch Erfahrungen im Wissens-Management besitzt.

Seinen vollen Nutzen entfaltet ein Intranet-Angebot zum Thema SQM erst dann, wenn aufgabenorientierte Verfahren integriert werden. Speziell für die Software-Entwicklung steht dafür die Bootstrap-Methode zur Verfügung. Im Unterschied zu ISO-9000-konformen QM-Systemen, die das Vertrauen des Kunden in die Qualität der erstellten Produkte sicherstellen sollen, legt die Bootstrap- Methode den Schwerpunkt auf die Definition, die Bewertung und die kontinuierliche Verbesserung der Prozesse bei der Software-Erstellung.

Die Idee dahinter lautet vereinfacht: Wenn in den Prozessen hohe Qualität gewährleistet ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das Produkt von hoher Qualität sein. Prozeßorientierung hat zum Ziel, Qualitätsmängel und Fehler gar nicht erst zuzulassen oder aber frühestmöglich zu korrigieren. Das setzt einen ständigen aktuellen Austausch im gesamten Projektteam voraus. Deshalb kann die plattformunabhängige Bereitstellung aktueller Informationen im Intranet die Bootstrap-Strategie hervorragend ergänzen und unterstützen. Und damit leistet das Intranet einen wichtigen Beitrag, um Qualitäts-Management zu einem festen Bestandteil der Software-Entwicklung zu machen.

Angeklickt

Nach wie vor spielt Software-Qualitäts-Management (SQM) bei den Entwicklungsprojekten nur eine Nebenrolle. Einer der Hauptgründe: Allzu häufig äußert sich Qualitätssicherung in Bergen von Papier. Die Internet-Technologie kann hier einen Wandel anstoßen. Mit Hilfe von HTML-Seiten statt Handbüchern finden sich Projektteams besser im Geflecht des Qualitäts-Managements zurecht.

*Dr. Stephan Kromberg ist bei der Collogia Unternehmensberatung GmbH, Köln, im Aufgabenbereich Qualitäts- und Projekt- Management tätig.