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08.01.1988

Danke, Herr Franke!

1987 war "The Year of Promises". Man darf gespannt sein, ob die DV-Anbieter ihre Versprechungen heuer auch halten. Am Ende könnte dann ein europäisches Beispiel stehen: In der Londoner Zentrale achten die Manager der X/Open-Gruppe seit einigen Monaten darauf, daß die Mitglieder auf dem vorgezeichneten Normierungskurs bleiben. Ziel der Hersteller-Vereinigung ist es, eine von Boxen und Betriebssystemen unabhängige Umgebung für Anwendungssoftware zu standardisieren.

Ergebnis, bis jetzt: Systeme, die den X/Open-Portability-Guidelines entsprechen, sind seit einiger Zeit auf dem Markt erhältlich. Waren Appelle an Hersteller mit eigenen Software-Interessen ("proprietary operating systems") bis vor kurzem erfolglos geblieben, so bekennen sich heute auch Hersteller wie DEC, Siemens oder Nixdorf - mehr oder weniger glaubwürdig - artig zu Unix.

X/Open-Mitglieder sind AT&T, Bull, DEC, Ericsson, Hewlett-Packard, ICL, Nixdorf, Olivetti, Philips, Siemens und Unisys. Von dem Workstation-Spezialisten Sun wird X/Open-Interesse bekundet. Die IBM ziert sich noch - und man muß Verständnis haben für einen Hersteller, der seinen Erfolg nahezu ausschließlich der "Proprietary-tät" seiner Produkte verdankt (370- und /3X-Architektur, MVS, SNA - neuerdings PS/2 mit dem Betriebssystem OS/2).

Natürlich empfiehlt die IBM nicht, Unix einzusetzen. Auf diese Idee kommen mündige Anwender von selbst. Nicht, daß Unix das Gelbe vom Soft-Ei wäre - aber wenn es um Portabilität geht, gibt es zu dem Bell-Betriebssystem keine Alternative. Der Freak-Geruch, der früher Unix anhaftete, ist inzwischen verschwunden. Die Nicht-IBM-Anbieter haben erkannt, daß ihnen der Streit um Derivate letztlich nur schadet. Auch ein vermeintlicher Ignorant wie der CW-Kolumnist ("Tu nix mit Unix" - der Satz wurde 1984 geschrieben) wird von den Unix-Marketiers seit neuestem in die Sympathisanten-Ecke gestellt - wogegen er sich allerdings nur ungern wehrt.

Zunehmend sind die Anwender nicht mehr bereit, Inkompatibilität als IBM-gegeben hinzunehmen. Vater Staat (Beispiel: Bundesanstalt für Arbeit) wurde hier seiner Vorbildrolle gerecht, indem er Hersteller-Unabhängigkeit mit Unix auf den Ausschreibungspunkt gebracht hat. Danke, Herr Franke! Die privaten Anwender, insbesondere große Unternehmen, verstehen den Wink, wollen aus dem One-Vendor-Käfig heraus (Beispiel: Löwenbräu) und ordern Unix-Maschinen - natürlich ohne die IBM um Erlaubnis zu fragen.

Es muß aber auch gesagt werden, daß Unix mittlerweile ein Fall fürs IBM-Marketing geworden ist. Der Marktführer setzt der X/Open-Strategie eine SAA-Hinhaltetaktik entgegen, an der lediglich "offen" ist, daß Big Blue als "General" - Unternehmer den SAA-willigen Software-Entwicklern (Beispiele: Microsoft, Lotus etc.) Hilfe zur Selbstentleibung leisten will. Und ein Zeichen von Nächstenliebe ist es nicht, daß sich die IBM mit SAA Zeit läßt. Softwareprojekte wie diese werden gern von Leuten vom Schlage eines Murphy übernommen.

Ist SAA ein Performance-Fresser? Bringt die neue Architektur auch wirklich volle Kompatibilität innerhalb der IBM-Welt? Vorläufig können diese Fragen nicht beantwortet werden. Mit den ersten SAA-Produkten ist frühestens 990 zu rechnen. Was die Eingangsfrage betrifft (Versprechungen halten) ist die IBM für 1988 freilich aus dem Schneider.