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19.03.1999 - 

Windows 2000/Wenig Euphorie für Windows 2000 bei deutschen Anwendern

"...dann laufe ich in Zukunft mit einem Microsoft-Tattoo herum."

CW-Bericht, Jan-Bernd Meyer Business as usual bei Microsoft. Angekündigt ist Windows 2000 schon lange. Wann es aber wirklich auf den Markt kommt - wer weiß das schon genau? Aber wen interessiert es eigentlich? Die Anwender jedenfalls reagieren, wie eine kursorische Befragung der COMPUTERWOCHE ergab, recht gelassen auf die Versprechungen aus dem Hause Gates zum Mega-Betriebssystem des nächsten Jahrtausends.

Nicht, daß man in deutschen DV-Zentralen das Thema Windows 2000 auf die leichte Schulter nehmen würde oder dieses gar überhaupt kein Thema sei. Gebranntes Kind scheut bekanntlich das Feuer. Zu häufig hat sich die Einführung von Microsofts Produkten erheblich verspätet. Zu sehr wich deren Funktionsumfang von den ursprünglichen Versprechungen der Marketing-Verantwortlichen ab, stellte sich der große Sprung als kleiner Hüpfer heraus. So sehen viele deutsche Anwender dem NT-Nachfolger auch mit einiger Gelassenheit entgegen. Sie haben sich längst auch mit Lösungsalternativen zu Problemen beschäftigt, die das Jumbo- Betriebssystem Windows 2000 mit seinen unzähligen Modulen zu erschlagen verspricht.

Windows - forever late

Auch scheint es nicht mehr, wie ehedem bei der IBM, unumstrittenes Gesetz zu sein, daß Microsoft nur eine Ankündigung zu machen braucht, und sofort friert der gesamte Markt ein. Unter anderem, weil sich die Gates-Company eher gemächlich auf einen Einführungstermin von Windows 2000 zubewegt, kann Microsoft auch schon einmal lukrative Geschäfte verlieren. So haben sich etwa die DV-Verantwortlichen bei der BMG Entertainment International Germany, Switzerland, Austria Holding GmbH, nach den Worten von Marcel Fath entschieden, "etwas zu tun, was Microsoft nicht freuen wird". Die Bertelsmann-Tochter, in deren Haus so spritzige Zeitgeister wie die Spice Girls auf CD verlabelt und vermarktet werden, wird, so der Leiter des Bereichs Infrastructure and Platforms Information Services, ihre Server komplett auf Netware 5 hochrüsten. Der Schritt auf Windows 2000 ist erst einmal ausgesetzt.

Der DV-Verantwortliche eines weltweit agierenden Pharmakonzerns verspürt bezüglich Windows 2000 ebenfalls keinen zu großen Handlungsbedarf. Ironischerweise - und typisch für eine Vielzahl von Anwendern - wegen eines Produktes aus dem Hause Microsoft selbst: "Wir sind voll auf Windows NT eingeschworen. Ob da Windows 2000 zwei Jahre früher oder später kommt, ist uns, ehrlich gesagt, ziemlich egal."

Sollten neue Funktionen von Windows 2000 es geboten erscheinen lassen, dann werde man überlegen, ob ein Wechsel von NT sinnvoll ist. Heute jedenfalls sei die Migration auf das vieldiskutierte künftige Power-Betriebssystem nicht gerade oberste Priorität.

Ziemlich abgeklärt sieht auch der Abteilungsleiter IOS bei der Leonberger Bausparkasse, Jürgen Hagen, der vermeintlichen neuen Cash-cow von Microsoft entgegen: "Wir warten einfach die diversen Verspätungen von Microsoft ab und schauen dann weiter."

Das sattsam bekannte Problem mit neuer Software sei zudem, daß vorher immer zuviel Funktionsumfang versprochen würde. Was dann in der ausgelieferten Versionen tatsächlich realisiert wird, unterscheide sich oft recht drastisch von dem Marketing- Geklimpere. Hagen, der auch für die Betriebssystem-Strategie der Häuslebauer zuständig ist, gelassen: "Es spricht nichts dagegen, daß dies diesmal anders sein wird."

Windows 2000 legt Anwendern Handschellen an

Die gebremste Euphorie deutscher Anwender sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß Windows 2000 sehr wohl Gegenstand intensiver Überlegungen ist. Insbesondere die extrem komplexe System-Management-Umgebung, die Microsoft Windows 2000 angedeihen lassen will, steht zur Diskussion. Die überbordende Funktionalität des NT-Nachfahren mit seinem "Microsoft Installer", "Intellimirror", einem "System Installation Server" für die Policies und Profile von Benutzern und natürlich das gefürchtete Active-Directory-Konzept - all das zwingt die Anwender zu der Frage, ob sie sich künftig solch eine komplexe Umgebung einrichten wollen, "bloß" um ihre Windows-Desktops verwalten zu können.

Bei der BMG Entertainment hat man - unter anderem mit dem DDS-Tool der Firma ISM GmbH aus Langen - heute schon einige der Probleme erledigt, die Windows 2000 zu lösen verspricht. Fath: "Roaming Profiles etwa, Policies oder die Softwaredistribution sowohl an die einzelnen Arbeitsplätze wie auch an unsere Geschäftsstellen haben wir bereits mit anderen Mitteln realisiert." Ein Umstieg auf Microsofts neuen Hoffnungsträger gebe also nur dann Sinn, wenn "wir daraus einen zusätzlichen Nutzen für unsere DV ziehen können".

Anwender, die Windows 2000 und alle seine Funktionen gewinnbringend nutzen wollen, müssen übrigens - so zumindest die gängige Meinung unter Marktexperten - erhebliche Aufrüstinvestitionen in Hard- und Software gewärtigen. Meint der DV-Leiter des Pharma-Unternehmens: "Es wäre dramatisch, wenn wir wegen Windows 2000 zu neuen Investitionen in die Hardware gezwungen wären. Wir haben uns gerade 7000 neue Arbeitsplätze einrichten müssen, um die als Client NT-fähig zu machen." Müßte man nur wegen Windows 2000 diese Hardware wieder wegwerfen, würde seine Firma lieber warten, bis der normale Lebenszyklus dieser 7000 PCs abgelaufen sei. Auch sein Unternehmen nutzt andere Werkzeuge für die DV-Alltagsarbeiten, was den Reiz von Windows 2000 schmälert. Für die Softwareverteilung etwa setzt man mit großer Zufriedenheit "Wizzard" von Völker Informatik ein.

Hagen von der Leonberger Bausparkasse spricht zudem an, was viele seiner DV-Kollegen auch denken: Fast mit allen Konzepten, die die Gates-Company in Windows 2000 verwirklichen will, betritt Microsoft absolutes Neuland: "Und bei neuen Konzepten haben wir es ja immer wieder erlebt, daß Microsoft in den schlußendlichen Versionen wieder Rückzieher macht."

Sascha Porbadnik von der AOK Berlin ist da ebenfalls skeptisch. Der stellvertretende Unternehmensbereichsleiter Informations- und Kommunikationstechnik spricht Microsoft die Erfahrung ab, praktisch aus dem Stand heraus ein Betriebssystem von der Komplexität wie Windows 2000 praktisch völlig neu zu entwickeln, das dann auch noch auf Anhieb funktioniert: "Das ist eigentlich völlig illusorisch."

Porbadnik ist sich seiner Zweifel so sicher, daß er schon mal ein Versprechen abgibt: "Wenn die Gates-Company das schaffen würde, dann laufe ich in Zukunft mit einem Microsoft-Tattoo herum."

Microsoft hat in Windows 2000 die diversen Funktionen sehr stark ineinander verwoben, viele speichern beispielsweise ihre Konfigurationsdateien im Verzeichnisdienst des Active Directory. Je nachdem, ob Anwender heute schon sehr stark auf Microsoft- Produkte eingeschworen sind oder nicht, beurteilen sie deshalb die Wahrscheinlichkeit einer zwangsläufigen, aber nicht ganz gewollten Einbindung des Active-Directory-Konzepts in ihre DV-Strategie unterschiedlich.

Hagen von der Leonberger Bausparkasse: "Da wir zu 100 Prozent NT einsetzen, stellt die Einführung des Active-Directory- Verzeichnisdienstes für uns grundsätzlich kein Problem dar. Insofern haben wir auch mit proprietären Funktionen von Microsoft in NT keine Probleme." Die entscheidende Frage für ihn ist vielmehr: Sieht der Verzeichnisdienst von Windows 2000 in der Endausführung tatsächlich genauso aus, wie jetzt in der Beta- Version? Wie viele Abstriche werde man machen müssen? Wie viele Service Packs werden nötig sein, bis die Funktionalität stimmt?

Eher nicht an die große Glocke hängt Microsoft übrigens ein Technologiekonzept, das schon in heutigen NT-Versionen verwirklicht ist und auch mit Windows 2000 standardmäßig angeboten werden wird: den "Terminal Server". Er ist zwar eine interessante Alternative zum komplexen Client-Management (siehe Seite 95). Microsoft hält sich aber bei seiner Vermarktung zurück. Einbußen im Lizenzgeschäft wären andernfalls nämlich programmiert.

Daß die Multiuser-Funktionen des Terminal Server, die sich insbesondere für Office-Pakete eignen, große Potentiale für eine wirtschaftlichere DV-Strategie bergen, hat man bei der Karstadt AG längst erkannt. Bei dem Großkaufhaus mit Stammsitz in Essen wird SAP R/3 in Teilbereichen eingeführt. Im Verkaufsbereich der Filialen muß Karstadt deshalb auch SAP-Front-ends einsetzen. "Wir haben uns deshalb entschieden," so Uwe Meyer, Gruppenleiter des Bereichs Client-Server-Entwicklungswerkzeuge Informationswirtschaft, "dort Terminal-Server-Lösungen einzusetzen. Und dies nicht ausschließlich für SAP-Anwendungen."

An dem Terminal-Server-Konzept dokumentiere sich für Karstadt die grundsätzliche Frage, "in welcher Form wir zukünftig den Löwenanteil, das heißt, rund 80 Prozent aller PC-Anwendungen, bereitstellen. Unsere Entscheidung ist hier ganz klar pro Terminal Server." Karstadt plant mittelfristig den Einsatz weiterer Software wie beispielsweise Office 97, Software- Entwicklungsumgebungs-Werkzeuge sowie Internet-Browser auf Basis des Terminal-Server-Konzepts bereitzustellen.

Wir wollen mittelfristig weg vom PC

In der ersten Projektphase hat sich Karstadt für Terminals auf PC- Basis mit Windows 98 im abgesicherten Betriebsmodus entschieden. Erklärtes Ziel des größten europäischen Warenhaus-Konzerns mit dem Terminal-Server-Konzept ist laut Meyer: "Wir wollen mittelfristig weg vom PC und hin zu anderen Endgeräten, denn ein wesentliches Potential des Terminal-Server-Ansatzes ist, Network Computer oder Windows-Terminals einzusetzen."

Die DV-Verantwortlichen haben für den Einsatz des Terminal Server vor allem Aspekte der Wirtschaftlichkeit im Blick: "Es ist doch ein Unterschied, ob man ein Gerät nur aus dem Karton nehmen und hinstellen muß, das DHCP einstellt (Dynamic Host Configuration Protocol, mit dem sich die Adreßvergabe und Parametereinstellung zentral verwalten läßt, Anm.d.Red.), das System einschaltet, und das war''s." Oder ob man einen fetten PC erst mühsam "betanken" müsse. Windows-Terminals seien "vom Spaßfaktor her gesehen einfach traumhaft: Auspacken, Einschalten und fertig.

Angeklickt

Für deutsche Anwender scheint das Thema Windows 2000 wenig aufregend. Unabhängig von Microsofts Hoffnungsträger haben sie ihre DV-Strategien schon entwickelt. Generell herrscht eher Skepsis: Ob die versprochenen Funktionen von Windows 2000 wirklich im versprochenen Umfang realisiert werden und wann sie tatsächlich verfügbar sein werden, steht in den Sternen. Auf Interesse stößt allerdings heute schon das Terminal-Server-Konzept.